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"Geil war's!"

Die Kommunikationsmaschine Facebook brummt, Einladungen reagieren. Doch wer kommentiert was und wie drückt er sich aus? Wir stellen die fünf auffälligsten Kommentartypen vor.
nadja-schlueter



1. Der Komplimentator
Der Kommentar:
"Sooo schön!" / "Du Hübsche!" / Wow!"
Das Kommentarverhalten:
Meist steckt hinter dem Typ des Komplimentators ein Mädchen. Sie kommentiert die wöchentlich wechselnden Profilfotos ihrer Freundinnen mit Ausdrücken der Verzückung und der Liebe sowie mit Sternchen und Herzchen. Wenn sie gerade keine Komplimente macht, wünscht sie unter Statusmeldungen zu Urlaubsreisen "Viel Spaß, Süße <3" oder schreibt ihrer erklärten Seelenverwandten "Schön war's mit dir" und "Ich wollte dir nur mal eben sagen, dass du die Tollste bist" auf die Pinnwand. Der eher seltene männliche Komplimentator postet entweder Herzchen unter die Bilder seiner Freundin oder schreibt "Wow!" unter das Bikinifoto einer entfernten Bekannten, die neben dem Studium modelt.
Darum ist er bei Facebook:
Für Komplimentatoren ist das soziale Netzwerk ein Ort, an dem ewiger Frühling herrscht. Da wird geherzt und gelobt, sich Aufmerksamkeit in Form einer netten Nachricht geschenkt und per Fotos ausgestellt, wie hübsch man es sich in der echten Welt eingerichtet hat: Die Morgensonne, die durchs Fenster lacht, der süße Hund im Schnee oder eine kunstvolle Aufnahme des Hollandrads, wie es in einer Blumenwiese liegt, daneben die nackten Füße der Fotografin. "Kony2012"? Noch nie gehört. Ironie? Noch nie angewendet.
Sein Profilfoto:
Ist wahnsinnig gut getroffen und wechselt häufig. Das Licht ist grandios, der Blick abwesend-verträumt, zuckersüß oder total charmant. Manchmal ist der süße Hund im Schnee mit drauf.



2. Der Neider
Der Kommentar:
„Sau!" / „Toll, und hier hat's 3 Grad und Regen..." / „Altaaa, nix zu tun, oder was?"
Das Kommentarverhalten:
Der Neider hat's schwer (oder zumindest weniger gut als andere) und liebt es, das zu erwähnen. Meist kommentiert er Fotos, die jemand als Liveberichterstattung aus seinem Urlaub hochlädt. Darauf sieht man dann Strand, Palmen und Meer und liest in der Bildbeschreibung etwas von der Temperatur und dass man es sich gerade „so richtig gut gehen" lässt. Der Neider aber hat dafür keine Zeit und kein Geld und muss sich darum beschweren. Neben dem echten Neider gibt es auch den „Schein-Neider", der extrem trainierte Social-Network-Reflexe hat und daher einfach nur dem Wunsch des Urlaubers nach neidischen, ihn in seinem Wohlfühlstatus bestätigenden Kommentaren nachkommt.
Darum ist er bei Facebook:
Um seine Befindlichkeiten und Meinungen mitzuteilen, wenn ihm sein stressiges Leben die Zeit dazu lässt. Der Neider scrollt sich einmal pro Stunde durch den Newsfeed und schreibt unter die Fotos und Statusmeldungen anderer etwas, dass Aufschluss darüber gibt, wie es ihm gerade geht und was er über das denkt, was auf dem Bild zu sehen oder der Meldung zu entnehmen ist. Die Reaktion anderer darauf interessiert ihn nicht. Hauptsache, sie wissen, dass er irgendetwas gut oder schlecht findet und vor allem, dass er eigentlich viel zu beschäftigt ist, um bei Facebook rumzuhängen – geschweige denn, um Urlaub zu machen.
Sein Profilbild:
Irgendwas Gegenständliches oder eine Naturaufnahme. Selten ist er selbst drauf und wenn doch, dann kaum erkennbar.



3. Der Umtriebige
Der Kommentar:
„Bin dabei!!!" / „Geil war's!!!" / „Haha, seh ich scheiße aus!!!"
Das Kommentarverhalten:
Der Umtriebige ist auf wahnsinnig vielen Fotos markiert, auf denen er zwischen verschwitzten und/oder betrunkenen Menschen steht und Grimassen schneidet oder ausgelassen lacht. Diese Bilder dokumentieren sein wildes Leben und er ergänzt die Dokumentation um Kommentare, die ausdrücken, dass alles noch viel wilder war als es den Anschein hat. Sollte er aus Versehen einmal nicht auf ein Partybild geraten sein, obwohl er dabei war, schreibt er „Ich kann mich erinnern, wie ihr das Foto gemacht habt" oder „Da konnte Phil ja noch stehen, dass muss gewesen sein, bevor ich gekommen bin" drunter. Außerdem kommentiert er sämtliche Veranstaltungseinladungen: Er verleiht seiner Vorfreude Ausdruck und schreibt am Folgetag (Faustregel: nicht vor 16 Uhr!), soweit er sich erinnern könne, habe man großartig gefeiert. Wenn er eine Einladung absagt, dann natürlich nie, weil er keine Lust hat, sondern weil er im (Abenteuer-)Urlaub, auf einer anderen Party oder „geschäftlich unterwegs" ist. Das schreibt er mit einem dicken „SORRY!" auf die Pinnwand der Veranstaltung, damit bloß keiner denkt, er sei am betreffenden Abend eventuell daheim.
Darum ist er bei Facebook:
Erstens, um nichts zu verpassen und zweitens, um zu zeigen, dass er nichts verpasst. Er ist nicht nur auf vielen Fotos und kommentiert sie alle, er sammelt auf seinem Profil auch haufenweise Aktivitäten und Interessen. In dieser Liste findet man unter anderem alle angesagten Clubs und Partyformate der Stadt, fünf sogenannte Kultfilme sowie ein paar politische Seiten, um dem Image etwas Tiefgang zu verleihen.
Sein Profilfoto:
Ist natürlich ein Partybild. Und er ist nie, nie, nie alleine drauf.



4. Der Schweiger
Der Kommentar:
Keiner.
Das Kommentarverhalten:
Für den Schweiger wurde der „Like"-Button erfunden. Der Schweiger bemüht sich aktiv darum, nicht allzu aktiv zu sein, will aber auch keinesfalls im wilden Netzwerktrubel untergehen. Durch die Like-Funktion kann er seine Anwesenheit bekunden, ohne viele Worte machen zu müssen. Geliket werden nette Einträge auf der Pinnwand, schöne Fotos, witzige Statusmeldungen und alle Seiten, die andere ihm empfehlen. Wenn er doch mal in Worten kommentiert, schreibt er entweder „Dislike!" oder feilt sehr lange an seinem Kommentar, um sich möglichst elaboriert auszudrücken (und damit viele Likes abzustauben).
Darum ist er bei Facebook:
Der Schweiger betont gerne die Vorteile des Netzwerks und gibt sich dabei geschäftlich: Man könne leicht in Kontakt bleiben, leicht Werbung machen und sei immer auf dem neusten Stand. Zeit stiehlt Facebook ihm nach eigener Aussage nicht („Ich mach da nur das Nötigste und drücke höchstens mal ‚like'"), denn er hat sich völlig unter Kontrolle, was seine Internetnutzung angeht, und überhaupt ist ihm „dieser ganze Social-Network-Kram echt nicht so wichtig."
Sein Profilbild:
Ist entweder professionell-seriös oder eines, auf dem er ganz nett und unauffällig rüberkommt – und wird sich nicht ändern, bis Facebook oder die Welt untergeht.



5. Die Quasselstrippe
Der Kommentar:
Alles und nichts.
Das Kommentarverhalten:
Die kleine Benachrichtigungs-Weltkugel ist der Quasselstrippe das heiligste Facebook-Icon. Denn sie zeigt an, wenn jemand etwas kommentiert hat, das die Quasselstrippe vorher schon kommentiert hat. Sie liebt es, wenn sich aus einem einzigen Kommentar ein Gespräch entwickelt, ja, sie fordert es geradezu heraus. Es ist ihr vollkommen egal, unter welchem Status oder Foto sie gerade herumkommentiert, da sie darauf sowieso nur am Rand eingegangen ist. Alles andere läuft auf ein Gespräch voller Insider-Witze und Worthülsen hinaus und wenn der Quasselstrippe und ihren Mitquasslern nach 60 Kommentaren schließlich nichts mehr einfällt, sind sie sich nicht zu schade, auch noch „Hihi, jetzt hat das Bild 60 Kommentare" drunter zu schreiben.
Darum ist sie bei Facebook:
Um zu kommunizieren, genauer: um der reinen Kommunikation willen. Die Quasselstrippe liebt Witze, Schäkereien und ellenlange Kommentar-Threads, die zeigen, dass hier jemand sehr aufgeschlossen und fröhlich ist. Facebook hat für sie keinen Nutzen, nicht mal den der Selbstdarstellung. Facebook ist Zeitvertreib und ungefähr gleichbedeutend damit, gemeinsam einen Kaffee zu trinken und jedes ernsthafte Gesprächsthema bewusst auszuklammern, damit es nicht so anstrengend wird.
Ihr Profilbild:
Irgendein aktuelles und irgendwie witziges Bild, zum Beispiel eines, auf dem sie eine Bratwurst isst oder sich gerade erschreckt.


Text: nadja-schlueter - Foto: .marqs / photocase.com

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