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Mama als Geschäftspartner

Für die meisten ist es unvorstellbar, mit den eigenen Eltern zusammenzuarbeiten. Drei junge Menschen haben es gewagt. Hier erzählen sie, warum es das Beste war, das ihnen passieren konnte.
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Marie, 23, hat mit ihrer Mutter Virginie, 51, eine Boutique eröffnet:  

"Den Traum, eines Tages eine Boutique aufzumachen, haben wir eigentlich seit langem. Ich habe im Sommer 2012 mein Fotografiestudium abgeschlossen. Nach meinem Abschluss war mir noch nicht ganz klar, wie es weitergehen sollte. Kurz darauf kam der Vorschlag von meiner Mama, eine Boutique aufzumachen, in der ich auch meine Bilder ausstellen und verkaufen könnte. Ich hatte nicht den geringsten Zweifel an der Idee, meine Mama und ich haben ein sehr enges Verhältnis, irgendetwas verbindet uns. Es gibt viele Vorteile bei so einem Mutter-Tochter-Unternehmen. Vor allem, dass meine Mama und ich denselben Geschmack und die Liebe fürs Detail haben, das macht viele Dinge einfacher. Man muss nicht viel erklären, der andere versteht viel schneller, was gemeint ist. Für mich waren in erster Linie aber die Ehrlichkeit zwischen uns und das Vertrauen zu ihr die wichtigsten Gründe, um mit ihr zusammenzuarbeiten. Bis jetzt habe ich noch keine negativen Erfahrungen in unserer Zusammenarbeit gemacht. Wie gesagt, noch nicht."

Auf der nächsten Seite erzählt Phuc, wie er zum Geschäftsführer des Restaurants wurde, in dem seine Eltern kochen.





Phuc, 35, hat mit seinen Eltern Huynh Cong Phong, 60, und Nguyen Thi My Hoa, 55, ein Restaurant eröffnet. 

"Meine Eltern hatten früher selbst ein Restaurant, das sie durch unglückliche Umstände verloren haben. Ich habe mich nach dem Abi mit einer Internetfirma selbstständig gemacht, habe meine Eltern finanziell unterstützt, da sie keine Arbeit mehr hatten und in ihrem Alter die Jobchancen auch immer geringer wurden. Sie sind aus Vietnam geflohen, um hier in Deutschland Geld zu verdienen und dann war der Traum plötzlich vorbei. Ich wollte meinen Eltern unbedingt helfen, also habe ich vor zwei Jahren wieder ein panasiatisches Restaurant mit ihnen aufgemacht. Ich bin der Geschäftsführer, Mama und Papa kochen und sind wieder sehr glücklich. Mittlerweile läuft der Laden richtig gut und wir haben acht Mitarbeiter. Ich komme jeden Tag vorbei, mit meinen Kollegen in der Mittagspause oder abends mit meinen Freunden zum Essen. Das Restaurant ist unser zweites Wohnzimmer geworden. Klar, wir haben öfter einmal hitzige Diskussionen und meine Eltern wollen dabei immer Recht haben, das ist manchmal ein bisschen schwierig. Auch der Perfektionismus meiner Mutter bringt mich oft an die Grenze meiner Toleranz, aber es ist auch gut, die beiden in unserem Laden zu wissen. Sie sind meine Vertrauenspersonen und ich muss mir somit nie Gedanken um den Laden machen, weil ich weiß: Die machen das schon."

Auf der nächsten Seite erzählt Anna, warum sie ihr Taschen-Label mit ihrer Mutter gegründet hat.





Anna, 26, und ihre Mutter Marion, 52, haben zusammen das Taschen-Label KVINNA gegründet.

"Nach meinem Kunstgeschichtsstudium hatte ich Lust, etwas mit Design zu machen. Am liebsten mit meiner Mama, die Schneiderin ist und schon immer viel mit Leder gearbeitet hat. Außerdem verstehe ich mich mit ihr einfach sehr gut! Die Erfahrung, die sie mitbringt, müsste ich erst machen. Dadurch haben wir schon einen kleinen handwerklichen Vorsprung. Ich kümmere mich dafür um die Inspiration, die Farben, Formen und das Marketing. Das klappt ganz wunderbar, weil wir ein sehr eingespieltes Team sind. Ich kann sehr viel von ihr lernen und sie lernt auch von mir, zum Beispiel, wie wichtig das Internet in der heutigen Zeit ist! Da ich mit meiner Mama zusammenarbeite, weiß ich, worauf ich mich einlasse. Natürlich gibt es öfter mal Meinungsverschiedenheiten, die lösen sich dann aber auch wieder ganz schnell. Manchmal träume ich vielleicht von etwas und dann ist da meine Mama, die mich bremst. Aber dafür mache ich dann auch nicht dieselben Fehler und wir finden gemeinsam einen Weg."

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