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Der TÜV hat erstmals eine Zyklus-App als Verhütungsmittel anerkannt

Laut der Entwickler ist die App ähnlich wirksam wie die Pille. Aber es gibt auch Kritik.
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    Bild: Screenshot/Youtube/Natural Cycles

Verhütungsmethoden, die sich nicht auf Hormone, Kondome oder sonstige Mechanik verließen, galten lange als Russisch-Roulette für naturverliebte Hippies mit passivem Kinderwunsch. Seit es aber Apps gibt, mit denen sich der weibliche Zyklus unkompliziert dokumentieren lässt, sind die alten Kalendermethoden wieder im Kommen – so wirklich darauf verlassen wollen sich aber wohl nach wie vor die Wenigsten. Nun aber hat der TÜV Süd erstmals eine dieser Apps offiziell als Verhütungsmittel deklariert – die App "Natural Cycles" darf jetzt die selbe Zertifizierung tragen wie Kondome.

Erfinderin der App ist die schwedische Nuklearphysikerin Elina Berglund Scherwitzl, die vorher am Schweizer CERN forschte. Gegenüber Wired sagte sie: "Ich wollte meinem Körper eine Pillenpause gönnen, habe aber keine gute natürliche Verhütungsmethode gefunden. Also habe ich einfach selbst einen Algorithmus geschrieben." Gemeinsam mit ihrem Mann Raoul Scherwitzl gründete sie dann 2013 das Unternehmen "Natural Cycles".

 

Ganz unkompliziert ist die Anwendung der App nicht: Jeden Morgen muss die Benutzerin ihre Körpertemperatur unter der Zunge messen und in die App eingeben. Aus diesen Angaben errechnet der Algorithmus dann die Fruchtbarkeit und gibt dementsprechend ein grünes Symbol für "nicht fruchtbar" oder rote für "fruchtbar" aus. An den sechs fruchtbaren Tagen im Monat muss dann mit den gängigen Methoden verhütet werden.

 

Kritiker dieser natürlichen Verhütungsmethoden merken an, dass solche Berechnungen aufgrund von Schwankungen im Zyklus und der Überlebensdauer von Spermien nur bedingt ausreichen, um verlässliche Aussagen über die Fruchtbarkeit zu treffen. Die Entwickler von "Natural Cycles" entgegnen, dass diese Faktoren bereits in ihren Algorithmus eingeflossen seien.

 

Außerdem sei die App bereits ausführlich getestet worden: In einer einjährigen Studie mit 4000 Teilnehmerinnen zwischen 20 und 35 Jahren kam es zu 143 ungeplanten Schwangerschaften. Das mag erst einmal nach sehr viel klingen, allerdings wurden nur 10 Frauen an "grünen Tagen" schwanger, woraus die Entwickler letztendlich eine ähnlich hohe Verlässlichkeit wie bei der Pille ableiten. Sowohl die Studien als auch die Funktionsweise der App spielten bei der TÜV-Ratifizierung eine Rolle. Eine Langzeitstudie zu dem Produkt gibt es allerdings noch nicht. 

 

Natürlich erfordert das ständige Messen und Checken der eigenen Temperatur auch eine hohe Disziplin bei den Nutzerinnen. Empfohlen wird die App daher Frauen in festen Beziehungen ohne häufigen Wechsel des Geschlechtspartners – vor sexuell übertragbaren Krankheiten kann eine App natürlich nicht schützen.

 

Nachdem ihre App nun zertifiziert worden ist, wollen die Entwickler nun in Verhandlungen mit dem britischen National Health Service erreichen, dass ihre App in Großbritannien, genau wie die Pille, vom Arzt verschrieben und kostenlos bezogen werden kann. Momentan ist sie im Abo für 5,40 Euro pro Monat zu haben.

 

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