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Die Gutschein Typologie

Seit Weihnachten stapeln sich uneingelöste Gutscheine bei dir auf dem Schreibtisch? Einer von diesen ist auf jeden Fall dabei.
Von Nadja Schlüter und Charlotte Haunhorst
  • gutschein ueberambitionierte
    Illustration: Johannes Englmann

Der Überambitionierte

 

Das steht auf dem Gutschein: Ein Leben lang Rasen mähen / Zaun streichen / 20 selbstgeknüpfte Freundschaftsarmbänder – und das alles natürlich handgeschrieben.

 

Der verschenkt ihn: Ein junger Mensch zwischen 10 und 20 Jahren, der auf jeden Fall eines ist: Knapp bei Kasse.

 

Diese Person bekommt den Gutschein: Mama, in Sonderfällen auch Opa oder Oma. Papa nie, der hat auf die Frage nach einem Wunsch schließlich nur gesagt, dass er sich “liebe Kinder” wünscht. Dafür braucht man ja keinen Gutschein.

 

Ehrliche Aussage des Gutscheins: "Das hier ist natürlich nur symbolisch gemeint, weil ich von der Tatsache, dass wir einander was schenken, jedes Jahr erneut überrascht bin. Ich hoffe, du löst ihn nie ein."

 

So wird er eingelöst: Niemals. Dafür erinnert Mama jedes Jahr an Weihnachten daran, wie viele Gefallen sie noch offen hat.

  • gutschein teuer aber lieblos
    Illustration: Johannes Englmann

Der teuer-aber-lieblose Gutschein

Das steht auf dem Gutschein: Geschenkkarte Media Markt. Warenwert: 100 Euro

 

Der verschenkt ihn: Ein Freund oder Verwandter, mit einem Job von dem er stets betont, wie anstrengend er doch sei. Banker zum Beispiel, oder Lehrer.

 

Diese Person bekommt den Gutschein: Es kann jeden treffen. Jeden.

 

Ehrliche Aussage des Gutscheins: Ich kenne dich kaum und habe auch keine Zeit, mich mehr darum zu bemühen. Dafür habe ich Geld. Und sowieso: Du wolltest doch was praktisches, oder?

 

So wird er eingelöst: Mit Wonne. Egal, dass der lieblos war, 100 euro sind einfach richtig viel Schotter!!! 

  • gutschein zeit statt kapitalismus
    Illustration: Johannes Englmann

Der Zeit-statt-Kapitalismus-Gutschein

Das steht auf dem Gutschein: Ein Sektfrühstück! Nur für uns Mädels! <3 <3 <3

 

Der verschenkt ihn: Enge Freunde, die es tatsächlich eigentlich gut meinen: Seit Pia nach Hamburg gezogen ist, sieht man sich ja wirklich vieeeel zu selten.

 

Ehrliche Aussage des Gutscheins: Ich mag dich, ich würde gern mehr Zeit mit dir verbringen, aber jetzt tatsächlich direkt ein Sektfrühstück an deinem Geburtstag zu organisieren, war mir doch zu anstrengend. Und sowieso – hast du mal geschaut, was Bahntickets gerade kosten? Übrigens bin ich bis Neujahr ausgebucht, aber danach finden wir sicher einen Termin. Aber bitte nicht am Wochenende.

 

So wird er eingelöst: Anderthalb Jahre später. War aber auch wirklich schwierig einen Termin zu finden. 

  • gutschein ergaenzung
    Illustration: Johannes Englmann

Der Ergänzungs-Gutschein

Das steht auf dem Gutschein: "Merry Christmas! Anbei noch eine Kleinigkeit". Dazu dann ein Warengutschein im Wert 15 Euro bei dm.

 

Der verschenkt ihn: Quasi jeder, der Angst hat, am Ende könne Geld Liebe doch aufwiegen.

 

Ehrliche Aussage des Gutscheins: Eigentlich hatte ich für dich einen Schal gekauft. Aber dann hatte ich Angst, dass das zu popelig ist. Also habe ich noch eine Schippe drauf gepackt. Aber keine zu große. Nicht, dass du denkst, ich steh auf dich.

 

So wird er eingelöst: Ganz knapp vor Ablauf. Immer dann, wenn es mal sinnvoll gewesen wäre, hatte man ihn nicht mit. Am Ende kauft man davon Waschmittel und einen viel zu teuren Hornhauthobel. Wäre ja schade gewesen, ihn verfallen zu lassen.

  • gutschein uebergriffig
    Illustration: Johannes Englmann

Der übergriffige Gutschein

 

Das steht auf dem Gutschein: "Gutschein für einen Besuch in der Therme Erding."

 

Der verschenkt ihn: Wenn es gut läuft: Jemand, den man schon immer nackt sehen wollte. Läuft aber meistens nicht gut.

 

Ehrliche Aussage des Gutscheins: Schwierig zu dechiffrieren. Entweder will der Schenker sagen: “Echte Freunde teilen alles miteinander – auch die Saunabank”, oder sogar “Ich steh auf dich.” In jedem Fall ist er ziemlich peinlich und übergriffig.

 

So wird er eingelöst: Nach langem Ringen mit der Frage: Was ist schlimmer? Den anderen nackt zu sehen oder ihm zu sagen, dass man für dieses Geschenk doch zu prüde ist? Am Ende ringt man sich dann doch zum gemeinsamen Saunagang durch, macht gemeinsam einen Termin aus – und sagt kurz vorher unter fadenscheinigen Gründen ab ("Halsweh!").  

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