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Wahlkampf-Accessoire: Das Karnevalskostüm

Es gibt Dinge, mit denen sich Wahlkämpfer besonders oft zeigen. Heute: Schaut, ich bin ganz locker!
Von Charlotte Haunhorst
  • wahlkampf
    Foto: privat

Es gibt Dinge, mit denen sich wahlkämpfende Politiker besonders gerne zeigen oder von denen sie besonders oft umgeben sind. Bratwurst, Werkshelm, Luftballons: Warum gibt es sie, was symbolisieren sie und wie gehen die Staatsmänner und -frauen mit ihnen um? Im Bundestagswahljahr 2017 widmet sich unsere stilkritische Kolumne den typischen Wahlkampf-Accessoires.

 

Was kann das Accessoire?

Modetrends in Wahlkampfzeiten sind ein kniffliges Thema. Kann man im normalen Leben stets immer zumindest ein Streifenshirt oder einen flauschigen Gammelpullover anziehen, wird bei Politikern sehr genau geschaut: Was trägt er/sie heute? Ist das abgehoben und teuer? Oder vielleicht von ausgebeuteten Näherinnen in Pakistan erstellt? Was genau soll uns dieses Outfit als Wähler sagen?

 

Dieses Dilemma multipliziert mal 1000 stellt sich jedes Jahr beim Karneval den Politikern in NRW. Wer dort, wie aktuell Hannelore Kraft (SPD) oder Armin Laschet (CDU), an die Macht will, muss nämlich Schunkelfähigkeiten haben. Laut heraus sagen, dass man das ganze für eine peinliche Saufveranstaltung hält, gemixt mit „Tinder in real life“? Unmöglich. Also lieber frühzeitig das „Tätäää Tätäää“ üben, irgendeinem Karnevalsverein beitreten und einen Personal-Shopper für die Wahl des richtigen Kostüms engagieren. 

Bei der diesjährigen Wahl in NRW muss man allerdings deutlich sagen: Deutlicher Sieg nach Punkten für Hannelore Kraft. Nicht nur, dass sie natürlich bereits in den vergangenen Jahren sehr viel mehr Karnevalsfotos proudzieren konnte (z.B. 2014 als Grünfläche, 2017 als bröckelnde Freiheitsstatur) als ihr Konkurrent vor der CDU (der sich dieses Jahr für das klassische Karnevalsprinzen-Outift entschied, s.u.) - nein, sie kann gleichzeitig auch noch eine rührende Geschichte zu dem Thema beitragen. Im Jahr 1992 lernte Kraft nämlich bei der Weiberfastnacht ihren zukünftigen Ehemann Udo kennen: ""Er hatte den Platz näher an der Theke und konnte immer das Bier anreichen", sagte sie darüber mal in einer Fernsehsendung. Darauf ein dreifaches "Tätäää, tätäää, tätäää." Mit dieser persönlichen, menschlichen und gleichzeitig auch leicht angesüppelten Geschichte, trägt sich jedes Karnevalsoutfit gleich doppelt gut.

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    Foto: privat

Wo lauert die Gefahr?

In der Gratwanderung zwischen "vorteilhaft, aber nicht zu sexy", "selbstironisch, aber nicht zu albern" und "auffällig, aber nicht zu marktschreierisch". Im besten Fall lachen die Wähler über das Kostüm, aber nicht über den Politiker, der darin steckt. Im schlechtestem Fall ist man auch im kommenden Jahr noch Gesprächsthema - in Form einer großen Pappmaché-Figur auf einem Umzugswagen. Wobei Laschet und Kraft da dieses Jahr schon bescheinigt wurde, einfach zu uninteressant zu sein.

 

Gleichzeitig ist man sich auch als Zuschauer des Karnevalstreibens nie ganz sicher, was man vom Wahlkämpfer erwartet. Will man, dass er sich blamiert, ergo: Menschlichkeit zeigt? Oder möchte man irgendwie doch, dass er sich selbst verkleidet als Teufelchen oder wandelnder Paragraph lustig und souverän gibt, quasi übermenschlich.

So lässt es die Wahlkämpfer im besten Fall aussehen:

Und so im schlechtesten: 

Und wer hat es bisher am besten genutzt? 

  • dpa fotograf david ebener
    Bild: dpa / David Ebener

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