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Abgelehnter Werbespot geht viral

Adidas winkte ab – doch jetzt wird der Clip eines Filmstudenten im Netz gefeiert. Was der dazu sagt.
Von Charlotte Haunhorst

Werbung ist ein hartes Business. Da kann man noch die besten Unis besucht und die tollsten Ideen haben: Am Ende zählt nur, dass man wahrgenommen wird. Dass man sich durchsetzt inmitten all der Filme und Clips, die einem täglich im Netz entgegengeschleudert werden. Einen Viral-Hit zu landen ist somit der Traum eines jeden Filmstudenten.

Der Werberegie-Student Eugen Merher, 26 und im dritten Jahr an der Filmakademie Baden-Württemberg, erlebt gerade, wie sich so ein Viralhit anfühlt. Bereits im Januar 2015 drehte er gemeinsam mit seinen Produzenten Karli Baumann und Karl Heidelbach sowie dem Kameramann Mortimer Hochberg seinen Semesterfilm "Break free". In dem Clip versucht ein älterer Herr in seinen alten Adidas-Schuhen einem Altersheim zu entfliehen. Inspiration für den Spot war ein vergangenes Jahr verstorbener, aber stets sportlich aktiver Bekannter von Eugen.

 

Seit Dezember 2016 steht der Spot nun auf Youtube und Vimeo, aber erst seit einigen Tagen explodieren die Zuschauerzahlen. "Quasi ab dem Moment, in dem ausländische Medien darauf aufmerksam geworden sind", sagt Eugen am Telefon. Mehr als zwei Millionen Views hat der Spot auf Youtube. Zum Vergleich: Einer der erfolgreichsten Adidas-Running-Spots hat fünf Millionen Klicks – und steht bereits seit einem Jahr online (Update: Der Spot von Eugen Merher hat mittlerweile die Sieben-Millionen-Klick-Marke überschritten und damit den Vergleichsspot weit hinter sich gelassen). Nach der Berichterstattung in Branchenmedien und der amerikanischen Huffington Post überschütten auch deutsche Medien Eugen mit Interviewanfragen.

  • Filmstudent Eugen Merher
    Foto: Privat

Der Erfolg seines Spots beruht allerdings nicht allein auf seiner anrührenden Geschichte. Klar fiebert man als Zuschauer mit, ob der alte Mann im grauen Heim, unterstützt von Opis und Omis, die Flucht schaffen wird.

 

Adidas wollte den Spot nicht, auch andere vor dem Dreh angefragte Sporthersteller winkten ab

 

Hinzu kommt aber, dass der Clip an sich zunächst keine Erfolgsgeschichte war: Adidas wollte den Spot nicht, auch andere vor dem Dreh angefragte Sporthersteller winkten ab. "Die bekommen natürlich viele solche Anfragen und produzieren auch eigene Inhalte. Dass man da als Student offiziell unterstützt wird, kommt in unserem Studiengang eher selten vor", sagt Eugen.

 

Dabei hätten sie als Team finanzielle Unterstützung dringend nötig gehabt: 3500 Euro hat sie der Clip gekostet, 2000 davon mussten sie aus eigener Tasche bezahlen. Darsteller und Mitarbeiter erhielten dafür keine Gagen. "Vor der Farbkorrektur, die auch sehr teuer ist, haben wir den Spot dementsprechend nochmal an Adidas geschickt, mit der Bitte um Sponsoring. Aber da kam wieder eine Absage", sagt Eugen.

 

Umso ärgerlicher ist es auf den ersten Blick für Eugen, dass er jetzt mit seinen vielen Zuschauern auch noch kostenlos Werbung für den Sportartikelhersteller macht. "Aber ich versuche mich da jetzt nicht zu sehr zu ärgern. Die jetzt entstandene Aufmerksamkeit hilft mir ja vielleicht zukünftig für Jobs", sagt Eugen. Tatsächlich hat Adidas sich jetzt, wo der Clip um die Welt geht, noch einmal bei ihn gemeldet. "Sie haben Interesse signalisiert, dass wir doch noch einmal miteinander reden", sagt Eugen.

 

Übrigens ist Eugen mit seiner Geschichte um den abgelehnten Spot nicht der erste an der Filmakademie Baden-Württemberg. Auch Mercedes-Benz war zunächst nicht begeistert, als der junge Regisseur Tobias Haase 2013 deren neues Bremssystem in einem Spot bewarb, in dem das Auto selbstständig Adolf Hitler überfährt. Der Spot wurde weltweit kontrovers diskutiert, Mercedes distanzierte sich öffentlich in einer Pressemitteilung. Den Spot und Tobias Haases Werk kannte danach jeder.

 

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