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3200 Euro brutto für den Landwirt

Phillip, 31, will den Ruf der konventionellen Landwirtschaft verbessern und erklärt, warum er zur Zeit noch Glyphosat verwendet.
Von Tami Holderried
  • job cover landwirt
    Foto: Privat; Collage: Daniela Rudolf

Die Motivation

Landwirt sein, das war schon immer mein Traum: Ich in einem landwirtschaftlichen Betrieb in Schleswig-Holstein groß geworden und als kleiner Junge wollte ich, ganz klischeehaft, immer nur Trecker fahren. Später habe ich dann meine Schulferien bei der Ernte auf dem Feld verbracht – das konnten meine Freunde nie verstehen, ich fand es einfach super.

 

Seit fast zwei Jahren bewirtschafte ich nun einen Betrieb in Sachsen-Anhalt mit insgesamt 350 Hektar Fläche. Dort bin ich eigentlich für alles zuständig: den Ein- und Verkauf von Saatgut und Ertrag, die Planung des Anbaus und der Ernte und die tägliche Kontrolle der Pflanzen und Böden. Außerdem kümmere ich mich natürlich um unsere Maschinen. Wir sind ein reiner Ackerbau-Betrieb, bei uns wachsen Raps, Weizen, Gerste, Mais und Zuckerrüben. 

Der Weg dahin

Ich habe nach der Schule eine Ausbildung zum Landwirt gemacht. Als ich die abgeschlossen hatte, wusste ich noch nicht genau, in welchem Bereich ich arbeiten möchte. Außerdem hatte ich Lust, noch mehr zu lernen. Also habe ich Agrarwissenschaften in Kiel studiert. Das war klasse: Wir haben dort nicht nur die Grundlagen wie Biologie, Chemie und BWL gelernt, sondern konnten uns auch spezialisieren, zum Beispiel auf Ökologie, Pflanzenkunde oder Tiere. Ich habe meinen Schwerpunkt auf Ökonomie gelegt, aber gleichzeitig versucht, so viel wie möglich aus den anderen Fachbereichen mitzunehmen. Besonders Spaß gemacht haben mir außerdem die Exkursionen zu verschiedenen Betrieben und der Austausch mit den Kommilitonen. Zu vielen von ihnen habe ich bis heute Kontakt. 

 

Der typische Arbeitstag

Mein Tag beginnt um 7 Uhr morgens im Büro. Hier dokumentiere ich zum Beispiel, welchen Dünger wir für welche Flächen einsetzen, wie hoch der Ertrag ist, welche Krankheiten die Pflanzen vielleicht haben. Oder ich plane die nächsten Maßnahmen wie zum Beispiel die Ernte. Außerdem muss ich den Ertrag vermarkten, dafür schaue ich mir auch jeden Morgen die Börsenwerte an.

 

Danach fahre ich aufs Feld. Hier ist die Arbeit, je nach Saison, ganz unterschiedlich. Im Frühling muss ich zum Beispiel Dünger streuen und mich um den Pflanzenschutz kümmern, das heißt ich spritze zum Beispiel Mittel gegen Unkraut. In der Erntezeit, also von Juli bis August, fahren wir immer mit einem Team aus fünf Leuten aufs Feld und ernten dann mithilfe eines Schleppers und eines Mähdreschers bis in die Nacht. Das ist für mich auch das Tolle an meinem Job: Kein Tag ist wie der andere und die Arbeit ist je nach Wetter und Saison ganz unterschiedlich.

 

Der Stress

Ich liebe meine Arbeit, deshalb gibt es selten Situationen, in denen ich mich gestresst fühle. Die Saison dieses Jahr war allerdings so hart, das selbst ich an meine Grenzen gestoßen bin. Das Wetter hat einfach nicht mitgespielt: Es war viel zu nass. Durch den vielen Regen waren die Ackerflächen nicht befahrbar, also konnten wir kaum ernten. Gleichzeitig war da die ständige Anspannung, denn wenn es dann doch mal längere Zeit trocken war, mussten wir sofort auf den Acker fahren und loslegen.

 

Wegen dieser Probleme war der Ertrag sehr niedrig und auch mit der Qualität der Ernte bin ich nicht zufrieden. Das ist zum einen für mich persönlich enttäuschend, zum anderen ist es natürlich auch für den gesamten Betrieb katastrophal: Wir brauchen schließlich den Ertrag, damit wir als Unternehmen überleben können. Dieses Jahr sind wir aber zum Glück noch mal mit einem blauen Auge davongekommen.

Die Zukunft

Meine Zukunft liegt auf jeden Fall in der Landwirtschaft – ich habe noch so viele Ideen, die ich umsetzen will! In unserer Branche tut sich gerade sehr viel, besonders was Ökologie und Umweltschutz angeht. Mein Ziel ist es, langfristig, den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln deutlich runterzufahren und dabei den Ertrag und die Qualität zu erhalten. Das geht nur, wenn ich lerne, den Boden und die Pflanzen noch besser zu verstehen. Gerade arbeite ich deshalb viel mit Mikroorganismen. Das sind mikroskopisch kleine Lebewesen, die helfen, das Bodenleben zu verbessern – dadurch nehmen die Pflanzen die Nährstoffe besser auf und brauchen weniger Dünger.

 

Die Kritik

Ich hoffe, dass ich mit solchen Dingen auch den Ruf der konventionellen Landwirtschaft verbessern kann, denn der hat in den letzten Jahren gelitten. Wir Landwirte sind angeblich Schuld am Klimawandel, quälen Tiere und verschmutzen die Umwelt. Dabei kann man auch in der industriellen Landwirtschaft nachhaltig arbeiten – da versuche ich mit gutem Beispiel voranzugehen und Aufklärung zu betreiben. Besonders das Thema Glyphosat hat in der letzten Zeit für viele Diskussionen gesorgt. Ich persönlich nutze das Unkrautbekämpfungsmittel nur für fünf bis zehn Prozent meiner Flächen, weil es in manchen Fällen einfach noch keine gute Alternative gibt. Ich wünsche mir, dass wir in Zukunft ganz darauf verzichten können. Dafür müssten aber ganz grundsätzliche Dinge in der Landwirtschaft umgestellt werden – das kostet und dauert. 

 

Das Geld

Mit meiner Arbeit verdiene ich brutto etwa 3200 Euro im Monat. Dazu kommen allerdings noch Prämien, die vom Betrieb ausgezahlt werden, wenn es sehr gut läuft. Ich finde das Gehalt vollkommen ausreichend und komme damit gut über die Runden. 

 

Die Frage auf Partys

Wenn ich fremden Leuten erzähle, dass ich Landwirtschaft studiert habe, reagieren die meisten erstaunt und fragen dann sowas wie: „Was gibt's denn da zu studieren?“ Das finde ich nicht schlimm, im Gegenteil: Ich freue mich, wenn ich dann die Chance habe zu erklären, dass mein Beruf nichts mit dem Klischee vom „dummen Bauern“ zu tun hat. 

 

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