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Heute in der Wortschatztruhe: Die so genannten "Fauxmosexuals" - Wenn Heteromädchen einen auf Homo machen
xifan-yang

Die derzeit genesende Britney Spears und Pop-Oma Madonna waren vielleicht nicht die Ersten, aber sie machten vor fünf Jahren vor, was eine Bühnenknutscherei von Frau zu Frau bei den MTV Awards sein kann: Wochenlanges Gesprächsthema und ein Karrierekick (zumindest für Britney). Gleiches gilt für „Celesbian“ der Stunde Lindsay Lohan. Seit sie und Samantha Ronson, DJane und Schwester von Musikproduzent Mark Ronson, nur noch Hand in Hand durch New York und Los Angeles spazieren, ist sie wieder mit etwas anderem als Alkoholfahnen und Koksvideos in den Schlagzeilen. Aber La Lohan ist, nimmt man die Meldungen um eine baldige Hochzeit mit ihrer DJ-Freundin ernst, immerhin wirklich lesbisch – im Gegensatz zu berühmten Zeitgenössinnen, die in den letzten Monaten und Jahren als „Fauxmosexuals“ Aufsehen erregen: Im Mai 2006 tauschte Kate Moss einen minutenlangen Zungenkuss mit Hugh Grants damaliger Freundin Jemima Khan aus. Natürlich für wohltätige Zwecke: der Kuss wurde für umgerechnet 88.000 Euro zu Gunsten palästinensischer Flüchtlingskinder versteigert. Scarlett Johansson gab Natalie Portman auf dem roten Teppich der diesjährigen Berlinale einen dicken Kuss auf den Mund. Katy Perry landete mit Girl-On-Girl-Action den Hit des Jahres und kam indirekt damit sogar ins Guinness Buch der Rekorde: 240 weibliche „Paare“ trafen sich, inspiriert von Perrys „I kissed a girl“, Anfang September irgendwo in Neuseeland zum Knutschwettbewerb – äh, Weltrekord!

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Auch viele andere Promis wie Black Eyed Peas-Fergie, Nelly Furtado oder Drew Barrymore kokettieren seit neustem gerne damit, schon mal mit Frauen rumgemacht zu haben. Die plakative Bekanntmachung „Ich habe in meiner Vergangenheit schon lesbische Erfahrungen gesammelt“ gehört unter weiblichen Größen des Showbusiness mittlerweile genauso zum guten Ton wie das Geständnis, „früher mal mit Drogen experimentiert zu haben“. Eine billige Schlagzeile und eine große Portion Aufmerksamkeit (von überwiegend männlichem Publikum) ist damit jedenfalls garantiert. Echte Homosexuelle sind von diesen Möchtegerns allerdings ziemlich genervt. In schwulesbischen Internetforen sind die „Fauxmosexuals“ derzeit das Aufregerthema schlechthin. Diskutiert wird vor allem, was dieser Boulevard-Trend für die gesellschaftliche Wahrnehmung von Homosexualität bedeutet. Die vermeintlich wachsende Toleranz durch prominente „Outings“ sei aber im Grunde ein Trojanisches Pferd: Vordergründig, so die Klage, suggerieren sie, dass Lesbischsein in den Medien mittlerweile offen thematisiert wird. Berühmte Frauen würden aber nur zu Lanzenbrechern für Homosexuelle erklärt, weil sie gut aussehen und Männern gefallen. Mit echter Akzeptanz hat das wenig zu tun. Vielmehr transportieren prominente Knutschbilder eine Vorstellung von Homosexualität, die der normalen Lebenswelt von Schwulen und Lesben gar nicht entsprechen würde. Die Folge sei, dass immer mehr Mädchen glaubten, auf Parties betrunken miteinander intim werden zu müssen, nur um sich interessant zu machen. Andersherum funktioniert diese Strategie natürlich immer noch nicht: Orlando Bloom würde wohl kaum bei der Oscar-Verleihung mit Jude Law knutschen, um seiner Popularität bei Fans etwas auf die Sprünge zu helfen. Das fänden die meisten, die sich an „Celesbians“ aufgeilen, nämlich nicht heiß, sondern nach wie vor einfach nur „total schwul“.

Text: xifan-yang - Illustration: Christian Fuchsberger

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