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Wie viel Idealismus braucht ihr für euren Job?

Und was motiviert euch? Ein Gespräch mit zwei ehren- und zwei hauptamtlichen Flüchtlingshelfern.
Interview von Nadja Schlüter
  • cover idealismus
    Foto: Johannes Englmann; Illustration: Katharina Bitzl

Wofür arbeiten wir eigentlich? Für Geld? Oder um die Welt zu verbessern? Und welchen Unterschied macht das überhaupt? Um das besser zu verstehen, haben wir mit vier Menschen gesprochen, die Flüchtlingen helfen. Mit einem Unterschied: Magdalena und Korbinian engagieren sich ehrenamtlich, Mirjam und Lena verdienen mit ihrer Arbeit Geld. Was treibt sie an? Und hat das Auswirkungen darauf, wie sich das Arbeiten anfühlt? Ist man motivierter, wenn man Geld verdient oder wenn man freiwillig hilft? Eine Diskussion. 

    • magdalena
      Foto: Johannes Englmann; Illustration: Katharina Bitzl

    Magdalena, 27, ist seit 2014 ehrenamtliche Koordinatorin für Freizeitaktivitäten in der McGraw-Kaserne, einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in München. Sie engagiert sich im Schnitt etwa zwei bis drei Stunden pro Woche. 

    • mirjam
      Foto: Johannes Englmann; Illustration: Katharina Bitzl

    Mirjam, 27, hat Soziale Arbeit studiert und ist seit zwei Jahren pädagogische Mitarbeiterin im Projekt LOK Arrival, einer Freizeitstätte für geflüchtete Kinder und Jugendliche des Kreisjugendrings München-Stadt. Sie arbeitet 30 Stunden in der Woche und studiert berufsbegleitend Interkulturelle Bildung.

    • korbininan
      Foto: Johannes Englmann; Illustration: Katharina Bitzl

    Korbinian, 25, hat 2014 gemeinsam mit der Katholischen Hochschulgemeinde der LMU die Münchner Ehrenamtsgruppe „Aktiv für Flüchtlinge“ gegründet. Die Freiwilligen organisieren Freizeitaktivitäten wie Fußballspiele oder helfen bei Behördengängen und beim Deutschlernen. Korbinian engagiert sich durchschnittlich vier Stunden pro Woche. 

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      Foto: Johannes Englmann; Illustration: Katharina Bitzl

    Lena, 33, arbeitet seit April 2016 für eine Jugendhilfeeinrichtung in der Nähe von München. In einem Übergangswohnheim betreut sie 32 Stunden pro Woche unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Sie ist Bezugsperson und unterstützt die Jugendlichen bei der Bewältigung ihres Alltags und der Planung ihrer Zukunft.

(Um das Lesen des Gesprächs zu erleichtern und die Personen besser unterscheiden zu können, sind die Aussagen der Ehrenamtlichen in kursiver, die der Hauptamtlichen in normaler Schrift gehalten.)

 

jetzt: Magdalena und Korbinian, warum habt ihr angefangen, euch ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren?

Magdalena: Bei mir war die Pegida-Bewegung ausschlaggebend: Ich wollte nicht einfach sagen, dass sie unrecht hat, ohne mich mit der muslimischen Kultur, die sie kritisiert, auseinanderzusetzen. Ich wollte also den Idealismus, den die Pegidisten bei mir hervorgerufen haben, meine Überzeugung, dass die meisten Menschen gute Menschen sind, hinterfragen. Und wurde am Ende darin bestätigt: Ich habe nicht nur, aber eben doch sehr viele tolle Menschen kennengelernt.

Korbinian: 2014 war die damalige Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in München so überfüllt, dass Menschen auf dem Boden schlafen mussten. Da dachte ich: Das kann doch nicht wahr sein, da muss man doch was tun! Und ich wollte zu diesem abstrakten Begriff „Flüchtlinge“ einzelne Gesichter sehen, individuelle Schicksale kennenlernen, mit den Menschen in Kontakt kommen.

Mirjam und Lena, wie war es bei euch?

Lena: Ich war vorher Referentin bei einer anderen Jugendorganisation. Als die Themen Flüchtlinge und Pegida in den Medien immer präsenter wurden und auch bei Kindern und Jugendlichen auf einmal viele Vorurteile da waren, haben wir angefangen, Haltungsarbeit zu machen, also zum Beispiel Kampagnen für Toleranz und Offenheit zu planen und umzusetzen. Irgendwann habe ich gemerkt, dass es mir nicht reicht, nur am Schreibtisch zu sitzen und mir Gedanken zu machen, sondern dass ich mit den Menschen arbeiten will, über die wir da sprechen.

Mirjam: Nach meinem Studium gab es eine große Welle an Jobs in diesem Bereich, vor allem Sozialarbeiter wurden dringend gebraucht, darum bin ich da gelandet. Es hat mir aber direkt sehr gut gefallen, denn als ich anfing, war gerade eine wahnsinnige Dynamik und Motivation da: Die Flüchtlinge haben sich total gefreut, dass wir sie unterstützten, es gab viel politisches Interesse, viel Geld von der Stadt, viele Möglichkeiten, das Projekt auf- und auszubauen, und sehr viel ehrenamtliches Engagement.

 

Und die vielen Ehrenamtlichen haben dich motiviert?

Mirjam: Total! Am Anfang hatten wir nur positive Leute um uns, wir konnten uns nicht retten vor Helfern.

 

Das kann aber auch anstrengend sein, oder?

Mirjam: Ja, manchmal ist das schwierig. Es ist wahnsinnig schön, wenn die Leute sich engagieren wollen, und man sollte ihnen den Kontakt zu den Flüchtlingen unbedingt ermöglichen. Trotzdem muss man ihnen manchmal, wenn sie sich zum Beispiel nur um Menschen einer bestimmten Nationalität kümmern oder eine Patenschaft vermittelt haben wollen, sagen: „In dem Rahmen, den Sie sich wünschen, geht das bei uns leider nicht.“

 

„Als Sozialarbeiterin ist meine Rolle klar: Ich gehe nach der Schicht nach Hause und bin nicht erreichbar“

 

Werden die Erwartungen, die Ehrenamtliche an ihre Tätigkeit haben, oft enttäuscht?

Lena: Viele sind hoch motiviert – und stoßen dann bei uns auf die Realitäten der Geflüchteten. Es kam zum Beispiel öfter vor, dass Ehrenamtliche zur Hausaufgabenbetreuung kamen und die Jugendlichen nicht da waren oder noch geschlafen haben, weil sie nachts nicht schlafen konnten. Viele haben das persönlich genommen und kamen dann nicht mehr. Enttäuschungen haben wahrscheinlich die meisten Ehrenamtlichen schon einmal erlebt, aber es gibt auch immer wieder sehr schöne Momente zwischen Freiwilligen und Jugendlichen.

Korbinian: Ich habe es auch schon erlebt, dass ich mir den gesamten Samstagnachmittag freigehalten habe, um mit Jungs aus einer Unterkunft Fußball zu spielen – und dann komme ich hin und keiner ist da. Aber man lernt mit der Zeit besser, damit umzugehen.

Mirjam: Wenn in meiner Arbeit jemand keine Lust auf Fußballspielen hat, nehme ich das nicht persönlich. Man weiß nie, warum jemand doch nicht mitmachen will. Ich habe dafür aber auch nicht meine Freizeit eingeplant. Aber als Ehrenamtlicher investiert man eben privat sehr viel.

Magdalena: Viele Ehrenamtliche erwarten deswegen total viel Dankbarkeit von den Geflüchteten. Das finde ich falsch. Aber ich denke trotzdem, dass man das Ganze nicht völlig selbstlos machen sollte. Wenn sich zum Beispiel jemand mir gegenüber blöd verhält, dann denke ich nicht: „Ach egal, ich mache das ja für  einen höheren Zweck …“, sondern spreche es an. Damit ich danach nicht das Gefühl haben muss, etwas von mir gegeben zu haben und dafür unfair behandelt worden zu sein.

 

Und als Hauptamtliche hat man mehr Distanz zur eigenen Tätigkeit?

Mirjam: Zumindest ist meine Rolle ganz klar: Ich bin Sozialarbeiterin, ich gehe nach der Schicht nach Hause, wenn ich Feierabend oder Wochenende habe, bin ich nicht erreichbar. Wir geben auch nicht unsere privaten Handynummern raus. Wir haben ein Dienst-Handy, über das wir per Whatsapp für die Geflüchteten erreichbar sind, und jeder hat einen Dienst-Facebook-Account, um Kontakt halten zu können. Das ist für die Menschen extrem wichtig, weil wir ja gerade am Anfang wichtige Bezugspersonen für sie waren. 

 

Und wenn doch mal jemand privat Kontakt will?

Mirjam: Das ist eine Gratwanderung. Es kam schon mal vor, dass Geflüchtete als Dank unser Team zum Essen eingeladen haben. So was ist natürlich total nett! Gleichzeitig ist es ein schmaler Grat zwischen beruflicher Distanz und privatem Kontakt. Wir sind dann als Team hingegangen, aber alleine würde ich das nicht machen.

 

Wie haltet ihr Ehrenamtlichen es mit dem privaten Kontakt?

Korbinian: Bei Minderjährigen ist es ganz klar und wichtig, dass man keine Handynummern rausgibt, sie nicht nach Hause einlädt und so weiter. Wenn es um Erwachsene geht, muss das jeder selbst entscheiden. Ich sage mir immer: Wenn ich im Audimax neben jemandem sitze, gebe ich dem auch nicht gleich meine Handynummer und werde sein bester Freund.

Magdalena: Mit ein paar, die ich im Ehrenamt kennengelernt habe, habe ich noch privaten Kontakt, weil es sich einfach so ergeben hat.

Mirjam: Viele Ehrenamtliche suchen auch eher den persönlichen Kontakt, weil es was sehr Befriedigendes hat, wenn man sich speziell um eine Person kümmern kann. Das ist ja auch das Schöne am Ehrenamt: dass man oft eher auf einer freundschaftlichen Ebene ist, sich auf Augenhöhe begegnet. Das ist etwas sehr Wertvolles für die Geflüchteten.

 

Mirjam und Lena, habt ihr auch schon mal ehrenamtlich gearbeitet?

Mirjam: Ja, während des Studiums habe ich einmal die Woche in einer Flüchtlingsunterkunft einen Spielenachmittag betreut.

Lena: Ich habe aktuell eine Patenschaft für einen jungen Mann.

 

„Das Negative am Ehrenamt: Dir ist keine Grenze gesetzt, wie viel du machen kannst. Jeder könnte immer mehr machen“

 

Wenn ihr das Ehrenamt und eure Jobs vergleicht – wo sind die Unterschiede?

Mirjam: Mein Job ist natürlich viel verbindlicher. Als ehrenamtliche Studentin in der Prüfungszeit konnte ich sagen: „Diese Woche mache ich den Spielenachmittag nicht.“ Vor allem ist aber die Verantwortung eine ganz andere. In meinem Job habe ich Verantwortung gegenüber den Geflüchteten – die haben die Ehrenamtlichen auch. Gleichzeitig habe ich aber auch die Verantwortung gegenüber meinem Arbeitgeber, den Ehrenamtlichen, die bei uns im Einsatz sind, und gegenüber der Bevölkerung, der ich vermitteln möchte, wie bereichernd die Begegnungen mit Geflüchteten sein können. 

Lena: Ich fühle mich aber auch in der Patenschaft verantwortlich, denn für diesen jungen Menschen bin ich im Moment die einzige Ansprechpartnerin. Er hat ähnliche Probleme und Fragen wie die Jugendlichen, die ich hauptamtlich betreue – aber er ruft mich eben privat an und natürlich auch, wenn ich im Urlaub bin, am Wochenende oder nachts um drei. Das Schöne ist aber, dass wir frei entscheiden können, wie wir die Freizeit gestalten wollen oder wie die nächsten rechtlichen Schritte aussehen sollen. Da muss ich keinen Chef und keine Behörde fragen.

 

Wie viel nehmt ihr alle von eurer Tätigkeit mit nach Hause, an Belastungen oder an Sorgen?

Magdalena: Am Anfang total viel, das war bei mir ganz schlimm. Ich habe mir viele Schicksale sehr detailliert erzählen lassen. Das hat mich extrem mitgenommen. Ich habe ständig gedacht, ich müsste mehr tun, um diesen Menschen zu helfen. Irgendwann war ich emotional völlig erschöpft und musste für mich selbst beschließen, das nicht zu nah an mich ranzulassen.

 

Funktioniert das?

Magdalena: Mal gut und mal nicht so gut. Aber das ist halt das Negative an der Freiheit, die man als Ehrenamtliche hat: Dir ist keine Grenze gesetzt, wie viel du machen kannst. Jeder könnte immer mehr machen.

Korbinian: Mich beschäftigt es immer am meisten, wenn ich politische Diskussionen oder Nachrichten zum Thema verfolge, bei denen vergessen wird, dass es dabei um Menschen geht. Wenn ich so was lese wie „20 Afghanen wurden abgeschoben“, und selbst eben auch afghanische Flüchtlinge kenne, macht mich das jedes Mal traurig und nachdenklich.

 

Kann man als Hauptamtlicher eher sagen: Ich denke erst morgen früh wieder über das Schicksal dieser Menschen nach? 

Mirjam: Ich nehme schon Sachen mit heim. Niemand ist ja ein Roboter, der sich einfach ausschalten kann. Das Problem an der sozialen Arbeit ist, dass man schnell als unprofessionell gilt, wenn man es nicht schafft, einen klaren Schnitt zu machen. 

Lena: Bei meiner privaten Patenschaft fällt es mir schwerer, abzuschalten. In meinem Job weiß ich: Wenn ich heimgehe, ist der nächste Kollege da, und die Jugendlichen sind nicht alleine. Da bin ich keine Einzelkämpferin: Ich kann Probleme mit meinen Kollegen diskutieren oder auch mal Dampf ablassen, und wir haben regelmäßig Supervision. Trotzdem gibt es natür-

lich Dinge, die die Jugendlichen erzählen, oder Sachen, die passieren, die mich auch noch nach Feierabend beschäftigen. 

Hilft der bürokratische Rahmen eines hauptamtlichen Jobs dabei, einzelne Schicksale nicht so nah an sich ranzulassen?

Lena: Na ja, das System, das einen umgibt, unterstützt einen schon auf eine gewisse Art. Du hast feste Strukturen, die du dir nicht erarbeiten 

musst, sie sind einfach da. Dafür ist vieles aber auch sehr viel behäbiger als im Ehrenamt.

 

Korbinian und Magdalena, könntet ihr euch vorstellen, euer Ehrenamt zu  einem hauptamtlichen Job zu machen?

(Beide denken lange nach.)

Korbinian: Die Tätigkeit gefällt mir schon, und es wäre sicher cool, wenn ich dafür Geld bekäme und vor allem noch mehr Zeit dafür hätte. Aber mir persönlich ist das gesellschaftliche Statement des Ehrenamts sehr wichtig. Sagen zu können: Ich verdiene mein Geld mit was ganz anderem – aber in meiner Freizeit engagiere ich mich für Flüchtlinge, weil sie mir am Herzen liegen und weil ich für eine offene Gesellschaft eintreten will, die sich den Schwachen und Hilfsbedürftigen zuwendet.

Magdalena: Ich glaube, mich würde zu sehr stören, welche Rahmenbedingungen vorgegeben sind, um in diesem Bereich hauptamtlich zu arbeiten. Weil der Arbeitgeber oft an bestimmte politische Parteien und Entscheidungen gebunden ist, die ich nicht unterstützen kann und will. Als Ehrenamtliche bin ich da unabhängiger.

Mirjam: Aber so was wie das neue Integrationsgesetz, das betrifft doch alle, Ehrenamtliche genauso wie Hauptamtliche.

Magdalena: Klar, aber als Ehrenamtliche kann ich mich aus dem ganzen Apparat eher rausziehen. Wenn ich mich ärgere, muss ich nicht am nächsten Tag gleich wieder hin und sehe, dass wieder irgendwelche Gelder nicht bewilligt wurden. Das würde mich emotional zu sehr mitnehmen.

 

„In der Flüchtlingshilfe mischt sich gesellschaftlich sehr viel. Ich habe da Leute kennengelernt, die ich sonst nie getroffen hätte“

 

Braucht ihr einander? 

(Alle stimmen gleichzeitig zu.)

Mirjam: Auf jeden Fall. Als 2015 die vielen Menschen am Münchner Bahnhof ankamen, gab es einfach nicht genug Hauptamtliche, um all diese Menschen zu versorgen, und Tausende Ehrenamtliche haben sich engagiert. Allein daran hat man gemerkt, wie wichtig das ist. Die Stellen können bürokratisch gar nicht so schnell geschaffen werden, wie auf einmal Bedarf da ist – und die Ehrenamtlichen sind einfach zur Stelle. 

Lena: Für mich sind die Ehrenamtlichen auch ein Link zur Gesellschaft. Wir Hauptamtliche sind Ansprechpartner, Verwalter, Organisatoren. Ehrenamtliche bieten den Flüchtlingen eine Chance, über sie in unsere Gesellschaft zu finden. Darum ist das, was sie machen, genauso wichtig wie das, was wir machen.

Korbinian: Für mich sind Hauptamtliche auch eine Brücke, nur eben andersrum: Wenn ich in eine Unterkunft komme und da ist jemand, der den Laden im Griff hat, der organisatorisch was kann, auf den ich mich verlassen kann, dann fällt es mir viel leichter, mich da einzubringen.

Magdalena: Und als Ehrenamtliche brauchst du ja auch jemanden, mit dem du Rücksprache halten kannst. Außerdem sind die Hauptamtlichen auch noch da, wenn wir weg sind. Gerade jetzt, wo ich sehe, dass der Kreis an Ehrenamtlichen schrumpft, ist es beruhigend zu wissen: Die Hauptamtlichen bleiben.

Korbinian: Ich finde es interessant, dass sich in der Flüchtlingshilfe gesellschaftlich sehr viel mischt. Ich habe da unter den Helfern Leute kennengelernt, die ich sonst nie getroffen hätte. Wir sind total unterschiedlich, aber wir haben dieses eine gemeinsame Ziel. Und darüber verstehen wir uns. 

Lena: Das hab ich auch schon oft gedacht! Ich habe durch die Flüchtlingshilfe jetzt eine Freundin, die 81 ist!

(Alle lachen.)

Magdalena: Ich glaube, das zeichnet nach, wo gesellschaftliche Spaltungslinien im Moment verlaufen: nicht mehr unbedingt schichtspezifisch oder nationengebunden – sondern eher entlang der Einstellung und Haltung gegenüber der Gesellschaft, in der wir leben. Ohne jetzt zu pathetisch zu werden.

 

Also verbindet euch euer Idealismus, eure Idealvorstellung einer Gesellschaft?

Korbinian: Vielleicht. Ich bin zum Beispiel gläubig. Und ich mache es nicht nur deswegen, aber der Glaube spielt für mich schon eine wichtige Rolle. Wir haben aber auch Leute im Team, für die die Kirche ein rotes Tuch ist. Im Gespräch merken wir dann, wie unterschiedlich wir sind, auch von der Weltanschauung her. Aber wir können uns gut so stehen lassen, wie wir sind, und zusammenarbeiten. Das hat mich überrascht, ich hätte das vorher nicht gedacht.

Magdalena: Genau das meinte ich! Allerdings bin ich etwas unglücklich mit dem Begriff „Idealismus“. An sich ist das was ganz Tolles und Wichtiges – aber ich sperre mich sehr dagegen, dass Idealismus dauernd mit Naivität gleichgesetzt wird.

Korbinian: „Bahnhofsklatscher“!

Magdalena: Genau! Ich denke schon, dass eine Art Idealismus etliche Menschen, die in der Flüchtlingshilfe arbeiten, antreibt. Aber ich erlebe bei so vielen Ehrenamtlichen, dass sie ein total realistisches Bild von der Situation haben. Da gibt es keine Verklärung. Beziehungsweise bei manchen gibt es die schon – aber wer dabei bleibt und das drei Jahre lang macht …

Korbinian: … der ist kein naiver Gutmensch. Oder: Ein Gutmensch ist er schon, aber naiv ist er nicht.

Für noch mehr (oder auch weniger) Sinn in der Arbeit:

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