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Das sind ... die Designer hinter dem arabischen Leinenbeutel

Und die das Internet auf den Kopf gestellt haben. Mit einer einfachen, aber genialen Idee.
Von Melanie Wolfmeier

Das sind ...

... Haitham Haddad (27) und Sana Jammalieh (29), zwei Designer, die eine Leinentasche erfunden haben, deren Foto viral ging. Gesichtet wurde der provokante Beutel in Berlin, abfotografiert und online verbreitet - was den Bekanntheitsgrad des Stück Stoffs durch die Decke gehen ließ. Was auf der Tasche zu sehen ist? Dieser Spruch auf Arabisch: "Dieser Text hat keinen anderen Zweck als diejenigen zu erschrecken, die sich vor der arabischen Sprache ängstigen." Vergangenen Mai haben Haitham und Sana das Designstudio "Rock Paper Scissors" in Haifa in Israel, gegründet. Die zwei sind schon seit dem College befreundet und haben bereits Tassen, Taschen und T-Shirts mit Sprüchen versehen, die sowohl soziale als auch gendermäßige Missstände anprangern - auf humorvollem Weg.

Die können ... 

... mit ihrer Kunst richtig provozieren. Obwohl die Leinentasche eigentlich für die Unterstützung der arabischen Minderheit in Israel gedacht war, hat sie auf der ganzen Welt Menschen erreicht. Die Stofftasche der beiden hat eine Diskussion ausgelöst, ob denn das Herauskehren des Fremdseins und des Unverstandenseins der richtige Weg sei, eine Annäherung zwischen der arabischen und europäischen Welt zu schaffen. In einem Interview mit Al Jazeera erklärt Haitham: "Es sollte eine In-your-face-Message sein, um sich über Leute lustig zu machen, die sich vor der arabischen Sprache fürchten und Angst davor haben. Denn Menschen, die nicht groß nachdenken, verbinden diese direkt mit, ihr wisst schon - Terrorismus." Die Designer wollen somit zeigen, wie engstirnig man denken kann, und halten mit ihrem Sarkasmus dagegen.

Die gehen ... 

... gerade wohl nicht mehr aus der Werkstatt, um mit der Produktion hinterherzukommen. Nachdem das Foto der Tasche viral gegangen war, bekamen die zwei Freunde über 500 Facebooknachrichten, wo man denn die Stofftasche kaufen könne. Außerdem haben sie noch eine andere Aufgabe: die Diebe ihres Designs ausfindig zu machen. Nach dem Durchbruch ihres Werkes tauchten kurz darauf T-Shirts mit dem Spruch auf. Um das zu stoppen, haben Sana und Haitham bereits einen Aufruf gestartet, das Kopieren sein zu lassen - und einen Onlineshop eingerichtet, wo man die Originale erstehen kann.

Die kommen ... 

... beide aus dem arabischen Raum, genauer gesagt: aus Palästina, wohnen nun aber in Haifa in Israel. Sana erzählt im Interview: "Es gab eine Zeit, da war die arabische Sprache nicht gerade angesagt. Sie verschwand beinahe, als die ganzen neuen Kommunikationswege auftauchten. Man konnte nämlich keine arabischen Schriftzeichen eingeben." Damals wurde "Arabeasy" erfunden: Anstatt arabische Schriftzeichen standen nur die Buchstaben des lateinischen Alphabets zur Verfügung - was zur Folge hatte, dass das Arabische zurückgedrängt wurde. Mittlerweile jedoch kann man auch arabische Zeichen eingeben. So steigt auch das Bewusstsein der Leute für die Sprache wieder und Sana sagt: "Ich hoff, 'Arabeasy' wird wieder verschwinden." Dem australischen Nachrichtenportal SBS sagte Sana, dass jedoch auf den Schildern und Plätzen in Israel die arabische Schrift kaum noch auftauchen würde. Und auch deshalb wollen Sana und Haitham die arabische Schrift fördern - um die eigene Kultur zu bewahren und zu unterstützen.

Wir lernen daraus, ...

... dass Kommunikation alles ist. So sagt Sana: "In Europa herrschen gerade schlechte Konditionen durch die Angst vor allem Arabischen und vor dem Terrorismus. Und Arabisch ist für die Europäer offensichtlich damit verbunden. Es ist für sie also fast ein- und dasselbe. Die arabische Sprache wird dadurch schikaniert, die ganze arabische Nation wird das und automatisch mit Terrorismus in Verbindung gebracht, was aber falsch ist." Ihre Aussage macht klar, dass es nach wie vor viel zu tun gibt, wenn es darum geht, Berührungsängste abzubauen. Vor allem aber, den eigenen Vorurteilen zu begegnen und sich zu fragen: Wie kann es sein, dass ich vor einem mir fremden Schriftzug Angst habe? Oder vor einem Kleidungsstück? Und wenn ich weiß, dass diese Angst irrational ist: Wie kann man eine Annäherung schaffen, zwischen zwei unterschiedlichen Kulturen, ohne dass man von dem jeweils anderen eine komplette Selbstaufgabe verlangt?

Nur Google weiß, ...

... dass das Studio der Designer offen für alle Menschen in Israel und auf der Welt ist - was man in diesem Video zur Eröffnung ihres Ladens sieht:

Mehr Insiderwissen: 

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