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Das ist: Yusra, aus Syrien geflohene Schwimmerin

Sie will mit dem ersten Refugee-Team zu Olympia.
Von Charlotte Haunhorst
  • das ist yusra mardini foto michael sohn ap photo
    Michael Sohn, AP

Das ist

Yusra Mardini, 18-jährige Schwimmerin aus Syrien und seit vergangenem Sommer Mitglied der „Wasserfreunde Spandau 04“. Und seit Kurzem auch begehrte Interviewpartnerin von Medien aus aller Welt, weil ihre Lebensgeschichte spannend, traurig und motivierend zugleich ist.

Die kann...

... ziemlich gut Freistil schwimmen. So gut, dass das International Olympic Committee (IOC) sie nun offiziell bei ihrem Versuch unterstützt, sich für die Olympischen Spiele 2016 in Rio zu qualifizieren. Sollte das klappen, wird Yusra für das neu geschaffene Team of Refugee Olympic Athlethes (ROA) antreten. Die Idee dahinter: Auch die 60 Millionen Menschen, die aktuell weltweit auf der Flucht und somit heimatlos sind, sollen bei den Spielen vertreten sein. Das ROA soll dabei in Rio noch vor dem brasilianischen Team einlaufen und die olympische Flagge tragen.  

 

Die kommt…

… ursprünglich aus Syrien, genauer aus Damaskus. Dort schwammen Yusra und ihre Schwester Sarah (20) bereits für das syrische Nationalteam, ihr Vater ist Schwimmtrainer. Nachdem ihr Zuhause zerbombt wurde, flohen die beiden Schwester nach Deutschland, ihre Familie blieb zunächst zurück. Dafür mussten sie unter anderem mit einem Schlauchboot von der Türkei nach Griechenland übersetzen. Was dabei passierte, klänge nach einem spannenden Film, wäre es nicht so dramatisch und leider wahr: Das Boot war leck und nur drei der 20 Menschen an Bord konnten schwimmen – darunter Yusra und ihre Schwester. Gemeinsam zogen sie also immer wieder Menschen aus dem Wasser und schoben das Boot an, bis sie nach dreieinhalb Stunden völlig erschöpft Griechenland erreichten. Von dort ging es über Serbien und Ungarn nach Deutschland. Kurioserweise gibt es von der Flucht sogar Bilder – die beiden jungen Frauen wurden zeitweise zufällig von Reportern begleitet.

 

Die geht…

… mittlerweile in Berlin auf eine Elite-Sportschule im ehemaligen olympischen Dorf. Der Unterricht dort richtet sich nach Yusras Trainigszeiten – nicht umgekehrt. Und trainieren muss sie derzeit viel: Aktuell liegt ihre Zeit für 200 Meter Freistil noch bei 2,11 Minuten, ideal  für eine Qualifikation wären acht Sekunden weniger. Momentan hat das IOC nämlich noch 43 Kandidaten für das Refugee-Team in der engeren Auswahl, mitfahren dürfen am Ende aber nur fünf bis zehn.

 

Dass Yusra es überhaupt so weit gebracht hat, ist auch viel Glück: Gerade in einer Berliner Flüchtlingsunterkunft angekommen, fragte sie einen Übersetzer, ob sie hier irgendwo schwimmen gehen könnte. Dieser stellte den Kontakt zu den Wasserfreunden Spandau her, die die junge Schwimmerin natürlich erst einmal begutachten wollten. Ihr jetziger Trainer Sven Spannekrebs erzählte am Freitag bei einer Pressekonferenz: „Sie war zwei Jahre raus aus dem Training. Wir haben sie deshalb erst einmal in eine Gruppe für Jüngere gesteckt mit dem Fernziel, dass sie sich vielleicht 2020 für Olympia in Tokyo qualifizieren kann. Dass sie dann innerhalb von so kurzer Zeit so große Fortschritte macht – damit hat niemand gerechnet.“

 

Daraus lernen wir...

... dass es eben nicht „die Flüchtlinge“ gibt, die man sich ja gerne als diffuse graue Masse vorstellt. Sondern dass dahinter Menschen mit ganz eigenen Schicksalen und Fähigkeiten stecken. Es muss sich nur jemand finden, der sie nach so einem grauenhaften Erlebnis wie einer Flucht an sie glaubt und sie fördert.

 

Nur Google weiß über Yusra…

… dass sie trotz großer Schwimmambitionen natürlich ein ganz normales Mädchen ist. Vergangene Woche wurde sie 18, auf ihrer Facebookfanpage hat sie dazu ein Bild von ihrem Geburtstagsgeschenk gepostet: Einem Handtuch. Auf die Frage einer Journalistin, wie sie denn nun ihren 18. Geburtstag verbracht habe, antwortete sie auf der Pressekonferenz ganz cool: „Na, mit einer normalen Party.“

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