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Die drei Phasen, wenn deine Eltern die Schwiegereltern zum ersten Mal treffen

Es gibt wenig, das komplizierter ist.
Aus der jetzt-Redaktion*
  • elternkolumne lernen sich kennen
    Illustration: Federico Delfrati

Das erste Aufeinandertreffen von Partnern und zukünftigen Schwiegereltern wurde schon diverse Male popkulturell behandelt. Filme wie „Das Schwiegermonster“, „Meine Braut, ihre Eltern und ich“ oder „Monsieur Claude und seine Töchter“ handeln davon und auch die Ratgebergeberliste mit Titeln wie „Hilfe, ich heirate eine Familie“ ist lang.

 

Dabei wird viel Kreativität und Lebenszeit auf eine Kombination verschwendet, die in Wahrheit gar nicht so heikel ist, wie alle immer tun. Denn selbst wenn die Eltern deines Partners sich als totale Freaks entpuppen, hast du danach immer noch etwas über den Menschen gelernt, den du liebst – und sei es nur, warum er da nicht so häufig hinfahren möchte.

 

Die wahre Königsdisziplin des sozialen Minenfelds ist hingegen eine ganz andere: Wenn deine Eltern deine zukünftigen Schwiegereltern treffen. Diese Kombination ist derart unnatürlich, es gibt nicht einmal ein Wort für dieses Nicht-Verwandtschaftsverhältnis – und das völlig zu Recht.

 

Phase 1: Die Anbahnung eines Treffens

 

Wenn ihr darüber nachdenkt, dass eure Eltern sich auch mal kennenlernen sollten, ist eines ziemlich klar: Irgendetwas in eurer Beziehung ist „ernst“ geworden, sei es, dass eine Hochzeit oder ein Baby anstehen oder ihr gemeinsam nach Australien auswandern wollt und deshalb denkt, eure Eltern brauchen jemanden, der sie versteht. Ihr hattet also aus welchen Gründen auch immer das Gefühl, „es“ nicht länger rauszögern zu können und das ist schon mal Problem Nummer eins: An diesem Treffen ist nichts natürlich. Der einzige Grund, dass sich jetzt vier Menschen kennenlernen müssen, die sonst nie etwas miteinander zu tun gehabt haben, ist, dass ihre Kinder nicht die Finger voneinander lassen konnten.

 

Was direkt zu den nächsten Fragen führt: Wo sollt ihr euch treffen? Und: Unter welchem konstruierten Anlass? Seid ihr nicht zufällig im gleichen Ort aufgewachsen (und dann kennen eure Eltern sich vermutlich eh schon seit Kindheitstagen) wird eine Reise für dieses Treffen notwendig sein, was jede Menge Konfliktpotenzial mitbringt. Kein Mensch kommt zufällig an Ortschaften wie Rheda-Wiedenbrück, Sandhausen oder Isny im Allgäu vorbei, und das sind nun mal Orte, an denen deine Schwiegereltern im Zweifelsfall wohnen. Was wieder die Frage nach dem konstruierten Anlass stellt. „Wenn ihr zufällig in den Sommerurlaub nach Italien fahrt, können wir uns ja am total netten Autobahndreieck Holledau treffen“ sagt kein Mensch. „Ihr wolltet doch beide unser neues Sofa sehen, also kommt doch alle zu uns“ – ebenfalls nicht. Alle müssen also schon einmal im Vorfeld zugeben: Dieser Trip wird nur unternommen, damit diese vier Menschen sich kennenlernen. „Kein Druck“ sieht anders aus.

Phase 2: Worüber sollen die reden?

 

Sind die Ortsdetails geklärt, man trifft sich zum Beispiel im Harz, weil irgendjemand angeblich schon immer die Altstadt von Quedlinburg sehen wollte, kommt die Diplomatie dazu. Anders als du dir deinen Partner, haben deine Eltern sich ihre Gegenschwiegereltern nicht ausgesucht. Mit gemeinsamen Interessen ist also nicht automatisch zu rechnen. Papa Heinz liebt beispielsweise tiefergelegte Karren, während Papa Ernst am liebsten mit Radlerhose Fahrrad fährt und für Attac demonstriert. Keine vielversprechende Kombination. Mutter Helene packt wiederum hingegen gerne ihre CSU-Mitgliedschaft aus, während Mama Ingrid nach deinem Auszug direkt drei Syrer in deinem Kinderzimmer aufgenommen hat. Auch suboptimal. Dementsprechend werden du und dein Partner vor diesem Treffen viel Zeit damit verbringen, eure Eltern über mögliche Konfliktthemen zu briefen. Besondere No-Gos: Erziehungsmethoden („Was, eure Tochter durfte ihren Geburtstag immer bei McDonald’s feiern?“), mögliche Ex-Partner (sowohl der Kinder als auch der Eltern) und potenzielle Rivalitäten zwischen den Elternpaaren („Also wir haben die Kinder ja schon vor Jahren zum gemeinsamen Mallorca-Urlaub eingeladen“). Aber auch hier darf man sich keine Illusionen machen: Spätestens, wenn eure Eltern 20 Minuten in peinlicher Stille in ihrem Kuchen rumgestochert haben, werden genau diese Themen auf den Tisch kommen.

 

Phase 3: Was von dem Treffen bleibt

 

Wenn es gut läuft: Nicht viel. Die Eltern haben sich beschnuppert, Ingrid hat mit großem Interesse Heinz’ Karre bestaunt und Ernst mit Helene überraschende Gemeinsamkeiten zwischen der CSU und Attac entdeckt. Am Ende verabschiedet man sich mit Floskeln wie „Bis bald mal wieder“ oder „Wir sehen uns dann auf der Hochzeit“ und alle wissen: Nach einer ausführlichen Telefonnachlese wird dieses Treffen schnell in Vergessenheit geraten, so häufig läuft man sich ja doch nicht über den Weg.

 

Der sehr viel schlimmere Fall: Eure Eltern verstehen sich blendend und bereits nach fünf Minuten hast du Dinge über deinen Partner gelernt, die er dir bisher erfolgreich verheimlicht hatte („WAS? DEINE EX WAR SCHWANGER VON DIR?“). Während deine Beziehung also gerade von Liebe zu Misstrauen kippt, haben eure Eltern sich längst miteinander verbandelt, tauschen Kinderfotos und Handynummern aus und diskutieren, bei wem man das kommende Weihnachtsfest feiern könnte. Klingt natürlich toll und ist sicher, wenn man dann mal Kinder hat, auch praktisch. Bedeutet aber auch: Zukünftig wirst du stets vier anstatt zwei Eltern bewirten müssen. Vier anstatt zwei Menschen einplanen müssen, wenn der kommende Familienurlaub ansteht. Und, das Allerschlimmste: Bei Grundsatzdiskussionen steht es zukünftig auch vier zu zwei – eure Eltern gegen euch. Brace yourself!

 

*Unsere Autorin möchte hiermit noch mal festhalten, dass sie ihre Eltern und Schwiegereltern natürlich liebt. Hallo Mama, hallo Papa!

 

 

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