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Hilfe, ich date eine Familie!

Unser Autor ist mit seiner Freundin zusammengezogen. Sie ist sechs Jahre älter und hat zwei Kinder. Der Start unserer neuen Kolumne.
Von Maximilian Reich
  • kolumne zusammenziehen jetzt
    Illustration: Lucia Götz

Unser Autor ist vor Kurzem mit seiner Freundin Sonja zusammengezogen. Sie ist sechs Jahre älter und hat zwei Kinder. Dante (11) und Paul (8). Damit sie zusammen sein können, sind die drei extra von Hamburg nach München gezogen . Was eigentlich schön ist - aber auch viele neue Situationen für unseren Autor mit sich bringt. Papa war der nämlich noch nie. Davon handelt diese Kolumne. Folge eins: Cola trinken und aufs Klo gehen, wenn Kinder da sind.

 

Oh, Mann. Jetzt soll ich eine Kolumne schreiben und mir fällt nichts ein, weil ich mich überhaupt nicht konzentrieren kann. Ich bin total auf Zucker- und Koffein-Entzug. Viele hatten mir im Vorfeld gesagt: „Wow, direkt vom Single zum zweifachen Stiefvater – krasse Veränderung.“ Ich dachte: Och, halb so wild. Ich hatte ja keine Ahnung.

 

Zum Beispiel darf ich jetzt keine Cola mehr trinken. Früher hab ich davon zwei Liter am Tag runtergekippt. Aber sobald ich jetzt eine Flasche aufmache und Paul das Zischen hört, kommt er angerannt und möchte auch einen Schluck. Darf er aber nicht. Weil das ungesund ist. Sagt Sonja. Leider ist das Paul total schnurz und ein Sixpack strebt er auch nicht an. 

Mittlerweile habe ich gelernt, dass Kinder wie Pegida-Anhänger sind

 

Also fragt er:

„Warum darf ich nicht?”

„Weil es ungesund ist."

„Ich geb dir drei Euro.“

„Nein.“

„Fünf Euro.“

„Nein.“

„Warum nicht?“

„Weil es ungesund ist.“

„Bitte.“

„Nein.“

„Warum nicht?“

„Weil es ungesund ist.“

„Und warum darfst du?“

„Weil ich älter bin.“

„Und wenn ich älter bin?“

„Dann darfst du.“

„Und jetzt?“

„Nein.“

„Warum?“

 

Mittlerweile habe ich gelernt, dass Kinder wie Pegida-Anhänger sind: Man sollte sich nicht auf eine Diskussion mit ihnen einlassen, das bringt einfach nichts. In meiner Not habe ich die Cola-Flaschen unten im Keller im Abstellabteil versteckt und dort heimlich zwischen meinem ausrangierten Schlafzimmerfernseher (Sonja: „Das ist so ungemütlich“) und dem ehemaligen Wohnzimmer-Teppich (Sonja: „Macht den Raum so klein“) getrunken, während ich auf einem Umzugskarton mit überflüssigen Töpfen meine Kolumne schrieb. Aber das ging auch nicht, weil das Licht alle fünf Minuten automatisch ausgeht und das noch mehr genervt hat als die Diskussionen mit Paul. Deswegen sage ich jetzt schon mal Sorry, falls euch dieser Text nicht gefällt. Ich habs auch nicht leicht.

Ich kann nicht mal mehr aufs Klo gehen wie früher, weil Sonja alle Schlüssel von den Türen abgezogen hat, damit die Jungs sich nicht ausversehen einschließen. Wenn ich jetzt für kleine Stiefväter muss, kündige ich das auf dem Weg ins Badezimmer immer lautstark an wie ein Marktschreier auf dem Fischmarkt, damit niemand hereinplatzt. Außerdem setze ich mich nicht mehr hin – ich hocke mich darüber, in so einer „Hab-Acht-Stellung“. Sieht ein bisschen aus wie ein Schwimmer auf dem Startblock und geht saumäßig in die Oberschenkel, aber dafür kann ich im Notfall blitzschnell meine Hose wieder hochziehen. Entspannung sieht anders aus, aber es geht eben nicht mehr um mich, sondern um die Kinder. Was ja irgendwie auch ganz schön ist.

 

Zum ersten Mal hat mein Leben einen Zweck – nämlich zwei Menschen auf das Leben vorzubereiten. Und es fühlt sich verdammt gut an gebraucht zu werden – sogar wenn es nur darum geht, Dante beim Bruchrechnen zu helfen. Dafür nehme ich auch in Kauf, dass ich mir am Samstagabend “Klein gegen Groß” mit Kai Pflaume im Fernsehen ansehen muss anstatt “Departed”. Das ist auch nichts für Kinder. Hat Sonja gesagt. Naja, das werden wir noch sehen. Ab morgen muss sie für eine Woche nach Berlin. Heißt: ich bin mit den Kids alleine.

 

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