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Was braucht es für die perfekte Trump-Stimme?

Das haben wir den Trump-Imitator gefragt, der die meisten der "Every Second Counts"-Videos gesprochen hat.
Interview von Quentin Lichtblau
  • trump imitator
    DPA

Bis vor ein paar Tagen war Shaun Streeter ein Radiomoderator und professioneller Sprecher, dessen Stimme ausserhalb der Hörerschaft seiner Morningshow bei "Kick'n Country 103,5", einem Sender aus Panama Beach, Florida, nur wenigen bekannt gewesen sein dürfte.

 

Neben dem Moderieren und Vertonen von Hörbeiträgen hat Streeter aber noch ein weiteres Talent: Seine perfekte Stimmimitation des neuen US-Präsidenten Donald Trump. Mit dieser ist er nun in vielen Ländern zu hören, die sich im Stile der Niederlande ein "America-First-xxx-Second"-Video zugelegt haben, darunter auch die deutsche Böhmermann-Version.

Wir haben ihn gefragt wie es dazu kam - und nach einer Anleitung für die perfekte Trump-Stimme. Und weil Streeter bei vielen Antworten in spontane Trump-Imitationen verfiel, gibt es die auch direkt zum Anhören.

jetzt: Shaun, soweit wir richtig mitgezählt haben, hast du bisher die Trump-Parodie-Videos für die Schweiz, Portugal, Deutschland und Dänemark gesprochen. Wie kam es dazu?

Shaun Streeter: Der erste Kontakt nach Europa kam über über Dänemark zustande, die Late-Night-Show hatte offenbar Wind bekommen von meinen Trump-Imitationen. Sie zeigten mir das Video aus den Niederlanden (das nicht von Shaun Streeter, sondern Greg Shapiro gesprochen wurde Anm. d. Red.), ich hatte das vorher noch nie gesehen, fand es aber ziemlich witzig. Ich habe dann zugesagt und mein erstes Video gesprochen. Von dort aus ging es schneeballmäßig weiter. Dänemark hat meine Kontaktdaten weiter nach Deutschland geschickt, von dort kamen sie in weitere Länder. Es ist aber noch lange nicht vorbei, gerade arbeite ich an Videos für Finnland, Kroatien und noch ein paar weitere.

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    Foto: privat

Wie entstehen dabei die Texte über die Vorzüge der einzelnen Ländern? Werden sie dir vorgegeben oder verfasst du sie selbst mit?

Haha, ich wünschte, ich könnte behaupten, dass diese Texte von mir stammten. Aber nein, sie wurden mir von den jeweiligen Shows zu Verfügung gestellt. Manchmal habe ich aber ein bisschen was hinzugefügt, in erster Linie natürlich trump-typische Formulierungen oder Wörter. Die Schweiz hatte zum Beispiel geschrieben "Switzerland has the best mountains in the world", daraus mache ich dann ein "Switzerland has the best mountains in the world, okay, believe me, truly."

Wie fühlte sich dieser Moment an, als du merktest, dass dass du die perfekte Trump-Stimme hast? Und schlummern in dir noch andere Politiker?

Es war schrecklich! Es gibt definitiv Menschen, nach denen ich lieber klingen würde: zum Beispiel nach Barry White, oder irgendeinem anderen Sänger mit einer schönen, tiefen Stimme. Angefangen habe ich ursprüglich mit Bill Clinton (er imitiert Bill Clinton). Aber Trump ist definitiv derjenige, dem ich mit meiner Stimme am Nächsten gekommen bin. Ob das gut oder schlecht ist, da bin ich mir nicht so sicher.

Was genau muss man denn tun, um Trumps Stimme zu treffen? Kannst du uns eine Anleitung geben? (im Folgenden unbedingt die Audio-Antwort hören!)

Ok, bei jeder Trump-Imitation gibt es drei wichtige Grundelemente: Das Erste sind die Hände, egal ob du vor einer Kamera stehst oder nur hinter einem Mikrofon. Während man Trump imitiert, muss man diese kleinen Bewegungen mit den Händen machen, die ein bisschen so aussehen, als würde er ein Orchester dirigieren. Außerdem muss man die Lippen anspitzen und die Augen zusammenkneifen, das gibt einem diesen getragenen Trump-Ton. Dazu muss man noch ein bisschen flüstern und ein bisschen knurren, diese Kombination ist wichtig. Ach ja, außerdem sollte man ein paar Dinge absolut übertrieben betonen.

Trump sagt ja gerne, er habe "the best words" - der Wortschatz ist also auch ziemlich wichtig, oder?

Ja stimmt, die Wörter sind fast das Wichtigste. Bevor ich Trump imitiere, muss ich mich in seinen Charakter hineinversetzen. Und zwar, indem ich einzelne Trump-Signature-Wörter wiederhole, zum Beispiel "huuuge", "okay", "terribly", "tremendous", "absolutely", "fantastic", "very very wonderful". Außerdem liebt er es über "great people" zu sprechen. Wenn man also beim Imitieren über einen Menschen redet, kann man gar nicht genug beschreiben, wie großartig dieser Mensch ist, das kann richtig ausufernd werden, so macht es Trump ja schließlich auch: "I love people, they're such great people, terrific people, the best people, wonderful people, I truly love those people, they're the best, I think they're truly terrific, okay?" Wiederholen, wiederholen, wiederholen!

Von deinem Imitations-Talent mal abgesehen: Wie stehst du als Amerikaner eigentlich selbst du deinem neuen Präsidenten?

Ohjee, das soll ich beantworten? Ich stehe wahrscheinlich eh schon auf der Liste der Menschen, über die Trump heute Abend böse Tweets ablassen wird, insofern, ähm.. nächste Frage bitte!

 

Na gut. Viele sagen ja, dass es nicht ausreicht, sich nur über Trump lustig zu machen, dass man ihn und seine Politik ernster nehmen sollte. Glaubst du, dass du mit deiner Stimm-Satire einen Beitrag zur Trump-Kritik leistest?

Ich bin mir sicher, dass man mit Comedy und Satire in der Politik etwas bewegen kann. Zuallererst macht sie es möglich, über unangenehme Dinge zu sprechen, zum Beispiel mit Freunden oder Familie, die politisch anderer Meinung sind. Solche Diskussionen können schnell sehr ernst werden. Wenn man sich aber eines dieser Videos anschaut, lacht man gemeinsam und beide Lachenden bemerken unabhängig von ihrem politischen Standpunkt die im Video enthaltene Kritik. Und vielleicht sagt dann einer: "Ich bin zwar anderer Meinung, aber ich verstehe jetzt ein bisschen mehr. Und außerdem war das ziemlich witzig."

 

Wie alles anfing:

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