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Junge Menschen haben häufig befristete Arbeitsverträge

Und sind dadurch eher von Armut bedroht.
Von Max Sprick
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    Foto: WSI

Überrascht war er nicht, als er die Erkenntnisse seiner Studie zusammenfasste, sagt Dr. Eric Seils, Leiter des Referats Vergleichende Sozialpolitik beim Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Seils Ergebnissen zufolge hat fast jeder fünfte abhängig Beschäftigte unter 35 Jahren nur einen befristeten Arbeitsvertrag, mehr als 60 Prozent aller befristet Beschäftigten in Deutschland sind jünger als 35.

Junge Menschen sind demnach insgesamt am stärksten von befristeten Anstellungen betroffen: 19,3 Prozent aller unter 35-Jährigen haben nur einen zeitlich begrenzten Arbeitsvertrag – Auszubildende, Praktikanten oder Umschüler herausgerechnet. Klammert man auch die Altersgruppe zwischen 15 und 20 Jahren aus, in der es viele Ferienjobs geben dürfte, liegt die Befristungsquote der 20 bis 34-Jährigen immer noch bei 18,4 Prozent. Sie ist etwa doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller Altersgruppen (9,3 Prozent).

 

„In den 90er-Jahren ist die Anzahl der befristet Angestellten kontinuierlich gestiegen“, sagt Seils, der als Wissenschaftler selbst lange nur befristete Verträge bekommen hat. „Seit es wirtschaftlich wieder besser aussieht, sinkt die Anzahl aber wieder“ – auch wenn er seit der vorangegangenen Erhebung etwas gestiegen ist. Von 18,8 Prozent im Jahr 2014 auf nun 19,3  Prozent. "Aber daraus lässt sich kein Trend ableiten", sagt Seils. Im Jahre 2013  seien es auch 19,3 und ein Jahr davor 19,7 Prozent gewesen.

 

Zwei Hauptmotive lassen sich für den Arbeitgeber feststellen, seine Mitarbeiter nur auf Zeit einzustellen: Das Probezeit-Motiv, nach dem normalerweise eine unbefristete Anstellung folgt. Und das Unsicherheits-Motiv – der Arbeitgeber weiß nicht, ob er eine dauerhafte Beschäftigung bieten kann.

 

Für die befristet Beschäftigten heißt das: Sie haben deutlich niedrigere Nettoeinkommen als Arbeitnehmer im gleichen Alter mit unbegrenztem Vertrag. Und sie sind trotz Arbeit doppelt so häufig von Armut bedroht. Junge Beschäftigte in befristeten Arbeitsverhältnissen sind außerdem seltener verheiratet und haben deutlich weniger Kinder als unbefristet Beschäftigte.

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    Foto: WSI

„Der offenkundige Nachteil einer befristeten gegenüber einer unbefristeten Beschäftigung besteht darin, dass die Betroffenen mit erheblicher Planungsunsicherheit konfrontiert sind, die sich auch lebensweltlich auswirkt“, sagt Seils. „Häufige Stellenwechsel, zum Teil verbunden mit Ortswechseln, erschweren die Bildung stabiler Partnerschaften. Und Kinder kosten Geld, daher dürften viele Paare die Realisierung ihres Kinderwunsches aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheit verschieben.“

 

Wie sich die Zahlen befristeter Verträge entwickeln, sei schwer zu sagen. Sie hängen stark mit der Konjunktur und dem demografischen Wandel zusammen. Sicher ist aber, dass die Aussicht auf einen unbefristeten Vertrag oft Hauptargument in Job-Verhandlungen ist.

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