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Eine Transsexuelle berichtet, was sie nach ihrer OP erlebt hat

Und wie andere jetzt auf sie reagieren.
Von Max Sprick
  • TimToppik / photocase.de

Über ihre Identität sagt die Frau nicht viel. Nur, dass sie etwas über 30 Jahre alt ist und in der IT-Branche arbeitet. Und sie gibt preis, dass sie ihre Identität gewechselt hat. Neuer Name, neuer Job, neues Geschlecht. Sie ist kein Mann mehr. Auf Reddit nennt sich die Transsexuelle "reborn_in_bangkok". Vor einigen Wochen hat sie sich "untenrum operieren lassen", schreibt sie. Für die OP ist sie nach Thailand geflogen, weil dort die Chirurgen fachlich weiter sind als in Deutschland. Sie schreibt das alles, weil sie sich im Netz Fragen stellen will – zu ihrer eigenen Verwandlung, aber auch zu Transgender-Themen allgemein.

Sie antwortet auf alle Fragen. Auf die Frage, wie das so ist, mit ihrer neuen Vagina, wie diese funktioniert und welche neuen Krankheiten sie als Frau nun bekommt. Blasenentzündung zum Beispiel. "Man bekommt 'the real deal' mit allem was (manchmal auch leider) dazugehört", schreibt reborn_in_bangkok.“ Mit Ausnahme der Menstruation, "was aber nicht notwendigerweise etwas ist, was Transfrauen glücklich macht, diese nicht zu haben." Die Monatsblutung hat schließlich etwas mit Gebärmutter und Eierstöcken zu tun; mit der Möglichkeit, schwanger zu werden. Transfrauen bleibt diese Möglichkeit verwehrt. 

 

Interessant ist vor allem, was sie über ihre geistige Veränderung schreibt. "Ich hatte die psychologische Wirkung der OP doch ein wenig unterschätzt", schreibt reborn_in_bangkok. "Ich stellte anschließend fest, dass es eben nicht nur eine körperliche Veränderung ist, sondern auch etwas mit meiner Psyche getan hat, mich noch sicherer als Frau hat werden lassen, die – nie ganz abzustellenden – Zweifel weitgehend aufgelöst hat und mir auch so ein bisschen einen Startschuss gab, mich jetzt endgültig als Frau zu geben und zu leben."

 

Doppelte Diskriminierung

 

Ihre äußerliche Veränderung hatte weitreichende Konsequenzen für ihr Denken und Handeln. Nicht nur, weil sie sich in Bangkok erstmal neue Kleider, Kosmetik und viel Schmuck kaufte. Sie stellte vor allem fest, dass sie anders wahrgenommen wird. Klar, zum einen als Frau. Zum anderen als transsexuelle Frau. Nicht alle würden ihr mit Akzeptanz begegnen, schreibt sie - und berichtet von  Menschen, die mit Blick auf sie "offen und lautstark" kommentiert hätten: "Dass sowas frei rumlaufen darf.“ Oder von blöden Anmachen in Discos, wo besonders verbohrte Menschen unterwegs seien.

 

Sie erfährt nun aber auch eine Form von Diskriminierung, mit der sie nicht gerechnet hätte. Es geht nicht um Transphobie oder Homophobie, sondern um Sexismus. "Das ist dann häufig  keine Diskriminierung von Transfrauen im Allgemeinen ist, sondern der generelle Umgang unserer Gesellschaft mit Frauen“, schreibt reborn_in_bangkok. "Als Mann ist man es nicht gewohnt, dass die eigene Meinung angezweifelt wird. Als Frau erlebe ich das durchaus öfter, dass meine Meinung nicht oder weniger ernst genommen wird, insbesondere auch in meiner Arbeit in der IT."

 

Sie stellt außerdem fest, dass ihr Interesse an Technik weniger geworden ist. "Es ist nun nicht so, dass ich es völlig uninteressant finde, zumal ich ja in dem Bereich arbeite. Aber es ist weniger 'Selbstzweck'." So seien irgendwelche Elektronikgadgets nun für sie nicht mehr so spannend,  der neue WLAN-Router mit schneller CPU fasziniert sie auch nicht mehr. "Tatsächlich interessiert mich jetzt eher was man denn an 'Schönheit' mit solcher Technik erzeugen kann, also z.B. auf den Gebieten der Kunst."

 

Und auch ihre sexuelle Orientierung hat sich geändert. Früher als Mann habe sie nur Interesse an Frauen gehabt, den Gedanken an Homosexualität fand sie komisch. "Ich habe nunmehr primär Interesse an Männern, aber es handelt sich dabei durchweg um heterosexuelle (oder bisexuelle) Männer, die mich dann auch 'wie eine Frau' behandeln." Und das gefällt ihr sehr gut. 

 

reborn_in_bangkok hat auf diesen Text (und die Kommentare dazu) inzwischen reagiert. Ihre Antwort lest ihr hier.

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