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Lesbische Mädchen, wen macht ihr an?

Gibt es da Szenecodes, die wir nicht checken? Oder doch so etwas wie einen Gaydar?
Von Charlotte Haunhorst und Madeleine Ludwig
  • lesbische maedchen jetzt
    Illustration: Lucia Götz

Die Mädchenfrage:

In einem Club gibt es meiner Meinung nach drei Arten der Anmache: die verbale („Möchtest du einen Drink?“), die körperliche (antanzen, anfassen und ja, das geht meist schief) und die non-verbale (sehr tief in die Augen schauen und hoffen, dass man bemerkt wird). Und obwohl ich alle drei schon erlebt habe, muss ich feststellen: Sie kamen immer von Männern. Egal, ob in der Durchschnittsdorfdisko meiner Jugend, auf einer Uniparty oder in einer Münchner Standarddisko – mich hat wirklich noch nie eine Frau angemacht.

Nun kann man natürlich leicht argumentieren: Falscher Ort, falsches Aussehen, falsche Attitüde. Aber das kann gar nicht alles stimmen, denn: Meine (heterosexuelle) Freundin K., mit der ich in vielen dieser Läden unterwegs war, wird andauernd von Frauen angemacht. Und auch auf den wenigen Queer-Partys, auf denen ich in meinem Leben war, haben die Frauen mich stets links liegen lassen. 

Was zu der Frage führt, liebe lesbische Mädchen: Warum ist das so? Habt ihr tatsächlich auch so etwas wie den viel diskutierten „Gaydar“, der die Welt für euch direkt in hetero- und homosexuelle Mädchen unterteilt und nur bei Zweiteren versucht ihr euer Glück? Oder gibt es Codes in der lesbischen Szene, die Hetero-Mädchen einfach nicht checken und sie deshalb schon direkt als potenzielle Flirtpartnerinnen ausfallen? Macht ihr andere Frauen vielleicht tatsächlich nur an solchen Orten an, an denen ihr euch sicher seid, eine hohe Trefferquote zu haben? Und wenn dem allen so ist: Ist es dann nicht auch fucking kompliziert, als Frau eine Frau in einem Club klarzumachen?

 

Also lesbische Mädchen, erklärt uns doch bitte: Warum macht ihr mich nicht an (und Witze über „zu hässlich“ bitte für die Kommentarspalte aufheben).

 

Eure Mädchen

 

Die Antwort der lesbischen Mädchen:

  • maedchenfrage

Liebe Mädchen,

 

das hört sich jetzt aber schon arg beleidigt an. Warum wollt ihr überhaupt von uns lesbischen Frauen angemacht werden? Um erzählen zu können, dass euch eine Lesbe angemacht hat und ihr euch daraufhin Gedanken macht, ob ihr wie eine Lesbe ausseht und dann eine Begründung habt, warum ihr keinen vernünftigen Kerl abbekommt? Oder ist das so eine Egonummer, von der ich nichts verstehe?

 

Wie auch immer. Auf Queer-Partys ist das „Angebot“ so groß, da filtert man einfach anders. Die Vorlieben werden da aufs Minimum reduziert. Auf was stehe ich? Kurze Haare, lange Haare, groß, klein, dick, dünn, Hemd, Bluse, maskulin, feminin. Auf diesen Partys muss ich mich nicht auf meinen „Gaydar“ verlassen. Ich gehe schlicht davon aus, dass alle lesbisch sind, die ich gut finde.

 

Warum wir euch trotzdem nicht ansprechen? Nun ja, da muss ich der Kommentarspalte jetzt leider doch zuvorkommen. Es könnte sein, dass wir euch an diesem Abend nicht attraktiv genug finden um euch anzumachen. Oder wir haben das Gefühl, ihr seid auf der Suche nach einer Frau um „es“ endlich einmal auszuprobieren. Leicht festzustellen an den Fragen, die da von euch kommen: „Hattest du schon einmal etwas mit einer Heterofrau?“ „Wie war das für dich?“ „Würdest du es wieder tun?“ Das nervt, weil du dich wie ein Versuchsobjekt fühlst. Nach dem Motto: Nichts Fickbares in Sicht, könnte man es ja mit einer Frau probieren. Hatte man ja eh schon mal vor. Zieht bestimmt beim nächsten Date, sagen zu können, man sei offen für alles. Bei so einer Anmache könnte Adriana Lima vor mir stehen und ich würde mich umdrehen und gehen.

 

Wenn ich mich in Bars und Clubs rumtreibe, die nicht als ein Treffpunkt für die Szene gelten, sind für mich alle Frauen erst einmal „hetero“. Dort hat mich mein „Gaydar“ bisher auch noch nie im Stich gelassen. Mit Codes hat das nichts zu tun. Ich merke relativ schnell, wer sich angezogen fühlt. Auch wenn sie gar nicht an Frauen interessiert zu sein scheint. Es fällt einfach auf, wenn eine Frau der anderen hinterherschaut oder immer wieder zu mir blickt.

 

Für die Anmache selbst, muss das Drumherum stimmen. Damit meine ich jetzt nicht die Location, sondern mit wem ihr da gerade unterwegs seid. Hängt ihr mit euren männlichen Heterofreunden ab, die den Eindruck erwecken, sie würden sich auf einer Klassenfahrt befinden, denke ich nicht einmal daran, euch eine Coke Zero über den Tresen zu schieben. Denn eins wäre vorprogrammiert: Dumme Sprüche, die witzig sein sollen. Hier spreche ich aus Erfahrung. Dies gilt übrigens auch für Frauen, die sich nicht minder wie pubertierende Teenager benehmen können: „Bist du 'ne Lesbe?“ Nach solchen Erlebnissen überlegt man es sich zweimal, ob man eine „Heterofrau“ anspricht.

 

Sind in diesem Moment allerdings coole Leute um dich herum, spreche ich dich an. Dazu muss ich mir auch erst Mut antrinken. Ich möchte nicht ins Stottern kommen, sondern schon cool wirken. Um dich anzusprechen, brauche ich auch eindeutige Signale. Blickkontakt, ein Lächeln, Zuprosten über die Entfernung. Ich möchte mir ja sicher sein, das du auch Interesse hast. Da hat deine Freundin K. wohl mehr Freude ausgestrahlt als du.

 

Sollten wir beide im Laufe des Abends dann gemeinsam an der Bar stehen und merken, wir möchten uns noch näher kommen, nehme ich dich vielleicht mit nach Hause oder du mich.

Es könnte aber auch sein, dass ich einen anstrengenden Tag hatte und einfach keine Lust habe, neue Leute kennenzulernen.

 

Also - wollen wir was trinken gehen?

 

Eure lesbischen Mädchen

 

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