Partner von

"Schulz-Hype" zum Hören

Jetzt bekommt Martin Schulz sogar einen eigenen Podcast gewidmet. Gibt es denn schon so viel über ihn zu sagen?
Von Britta Rybicki
  • schulzcast
    Illustration: Lukas Westner

Alle wollen Martin –  den Eindruck erweckt der Hype um den Kanzlerkandidaten der Sozialdemokraten. „Gottkanzler“ wird er genannt, und: „Ein Zug ohne Bremsen.“ Es gibt Martin Schulz-Memes-T-Shirts-Songs und jetzt sogar einen eigenen Podcast – den „Schulzcast“. Am 22. März gingen Christian Schiffer, 38, und Christian Alt, 28, mit ihrer ersten Folge online. Im echten Leben sind sie Hörfunkjournalisten beim Bayerischen Rundfunk. Auf ihrem Podcast wollen sie den SPD-Kanzlerkandidaten auf seinem Weg zur Bundestagswahl begleiten: Hinter die Kulissen blicken, dem Gossip aus dem Parlament nachgehen und von den kleinen Absurditäten rund um einen Politikbetrieb erzählen. In jeder Folge laden sie außerdem einen Gast ein, der sich ebenfalls mit seiner „schmutzigen Geschichten“ über einen Abgeordneten einbringen darf. „Eigentlich ist der Politikbetrieb nämlich auch nichts anderes, als ein verrückter Zirkus“, sagt Alt.

  • Als Radiojournalisten bevorzugen sie natürlich Politik zum Hören, statt einer Show auf Youtube. „Wir labern einfach unheimlich gerne und unheimlich viel“, sagt Alt. Und obwohl die Podcast-Szene gerade boomt, fällt das Angebot von politischen Programmen in Deutschland eher mager aus. Schiffer wollte das ändern. Ihn begeisterten US-amerikanische Formate wie „The Daily“ zur Präsidentschaft von Donald Trump. Mittlerweile gibt es sieben Podcast-Reihen in den Staaten, teils begleiteten sie bereits seinen Wahlkampf. Aktuell laufen diese als Trump-Amerika-Analyse-Podcast weiter. Statt lückenlosen Erklärungen und geschlossenen Meinungen, wollen diese Podcasts gemeinsam mit Zuhörern und Gästen die Ursachen für das Verhalten und die politische Forderungen Donald Trumps erforschen.  „In Deutschland gab es bis dato nichts Vergleichbares“, sagt Schiffer. Er wollte das Pendant dazu entwickeln und zog seinen Kollegen zu Rat: „Es dauerte keine halbe Stunde, nachdem ich Christian Alt von meiner Idee erzählte, bis er eine Domain kaufte.“

 

Das war die Geburtsstunde ihres Projekts und der Anfang vieler elaborierter Theorien über den Wahlkampf der Sozialdemokraten, die sie seither gemeinsam mit ihren Gästen über ihren Podcast verbreiten. Zum Beispiel in der ersten Folge über die Rolle Sigmar Gabriels in der ganzen Debatte. „Für die Lorbeeren, die Martin aktuell erntet, kann er sich bei seinem Beschützer Gabriel bedanken“, sagt Alt am Telefon. Als diesem schnell durch eine Umfrage klar geworden wäre, dass sein Kollege aus Europa besser ankommt, sei er charmant zurückgetreten. „Trotzdem schuftet er sich weiterhin im staubigen Maschinenraum ab, damit die SPD-Lokomotive auf Höchstgeschwindigkeit mit Schulz vorne drauf weiter fahren kann“, sagt Alt. Diese Konstellation funktioniere allgemein wunderbar. Auch wenn das schlechte Wahlergebnis im Saarland nicht gerade dafür spräche. In der ersten Folgen waren außerdem noch die Schulzenbrothers, eine Ein-Mann-Band, deren Songs – wie der Namen schon verrät – einzig und allein vom Kanzlerkandidaten handeln.

 

Ist der Schulzcast ein SPD-Fancast?

 

Der Gast in ihrer zweiten Sendung, ist dann Michael Richel, der in der Vergangenheit häufig Wahlkampagnen für die SPD organisierte. In ihrer aktuellen Folge gehen sie auf ihren ersten Hausbesuch: Sie treffen Hans-Jochen Vogel auf einen Kaffee im Münchener Seniorenstift. Mit 91-Jahren gilt er als SPD-Urgestein. Sie verfallen in alte Zeiten, sprechen über seine Amtszeit als Münchener Oberbürgermeister und über die ersten U-Bahn-Fahrten am Rotkreuzplatz. 

 

Nach einem Blick auf ihre Gästeliste, stellt sich einem die Frage: Ist der Schulzcast also ein SPD-Fancast? Den Vorwurf weisen die Journalisten zurück. Alt kann sich schließlich nicht mehr daran erinnern, wann er sein letztes Wahlkreuz für sie setzte. Und auch Schiffer ist für immer unentschlossen; er ist Wechselwähler: „Ich kann mich nicht entscheiden, ich mag viele Parteien.“ Trotzdem teilen sie eine verdächtige Vergangenheit: Schiffer ist vor 13 Jahren aus der SPD ausgetreten. Sein Kollege hat das Parteibuch nach eigenen Angaben zwar lange verloren, ist offiziell aber noch Mitglied. „Ich bin da aber wirklich eine Karteileiche“, sagt Alt. Der Grund für seine fortlaufende SPD-Mitgliedschaft: Seine Faulheit. „Ich weiß nicht mal mehr, in welchem SPD-Ortsverein ich gemeldet bin“, sagt Alt. Bürokratie sei schließlich ziemlich anstrengend. Und auch der Grund dafür, dass er zwar überzeugter Atheist sei, aber weiterhin in der Kirche.

 

Dass ihre politische Haltung aber manchmal durchschlägt, lasse sich gar nicht vermeiden –egal ob mit oder ohne Parteibuch. Ihre Grenzen kennen sie trotzdem: „Ich würde nie zur Wahl einer bestimmten Partei aufrufen“, sagt Schiffer.

 

Martin Schulz ist zweifelslos ein Held für die Journalisten. „Allein wie er die Sozialdemokratie wieder aufleben hat lassen, ist schon beeindrucken“, sagt Schiffer. Perfekt sei der Mann mit dem Brillengestell aus den 70er Jahren aber lange nicht. Insbesondere sein „Geschwafel“ von einem Leben nach Regeln, nervt die Journalisten. „Ständig plädiert er dafür, sich an Regeln zu halten. Was diese Regeln sind, weiß aber keiner“, sagt Schiffer. Außerdem befürchten sie, dass er sich gerade seine eigene Falle stelle. Dass er den Hype genieße, sei völlig legitim. Ihn selber zu pushen aber etwas befremdlich. „Seine Anhänger zu bitten, seinen Namen zu rufen, ist überheblich“, sagt Alt.

 

Ihr Ratschlag für seinen künftigen Wahlkampf: Anstatt einen politischen Schauplatz nach dem anderen zu eröffnen, sollte er lieber auf die Bremse treten. Denn mit der Formulierung konkreter politischer Maßnahmen sei der SPDler noch zu bescheiden. Seine bisherigen Vorschläge findet Schiffer trotzdem nicht utopisch. Die Forderung "Rente mit 63 Jahren" sei vor dem Hintergrund der aktuellen demographischen Lage und der Gegenwehr einer CDU-Mehrheit zwar schwierig, aber nicht unmöglich: „Vor drei Jahren war das noch eine völlig normale politische Forderung.“

 

Viel über Martin Schulz zu erzählen, gibt es also noch nicht. Für handfeste Inhalte müsse man noch bis Juni warten: „Kommt dann das Wahlprogramm, werden wir uns gezielt auf Inhalte stürzen“, sagt Alt. Wie sie die Sendungen bis dahin füllen, verraten sie nicht. Es bleibt also spannend!

 

Die Sendungen erscheinen in unregelmäßigen Abständen auf:  https://soundcloud.com/user-270408955

 

 

Mehr über den Kanzlerkandidaten der Sozialdemokraten und seinen Hype:

Zur Startseite

Die besten Geschichten von jetzt -

täglichen Newsletter bestellen

oder auf WhatsApp abonnieren