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Das beste Faschingskostüm: ein Meme!

Über eine Verkleidung, die die Menschheit vereint.
Von Dirk von Gehlen
  • bildschirmfoto 2016 02 04 um 12 39 24
    Screenshot Instagram

Es ist dies, das kann man schon vor Beginn des Straßenkarnevals sagen, die mit Abstand lustigste Verkleidung des Jahres 2016. Ein junger Mann trägt vor dem Bauch ein tellergroßes durchsichtiges Plastikschild mit weiß gepunktetem Rand. Darauf stehen in der Mitte drei Großbuchstaben, die aus dem fremden jungen Mann aus Rio einen Freund machen.

Er hat sich als "GIF" verkleidet. Dazu trägt er nicht nur ein ausgedrucktes Facebook-Vorschaubild vor dem Bauch, über den rechten Arm hat er sich zudem einen Mantel gelegt. Die langen dunklen Haare sind zu einem Zopf gebunden, die linke Hand ist suchend ausgestreckt. Dieser junge Mann aus dem Karneval in Rio geht als "Confused Travolta". Sein Bild wird dieser Tage unter Freunden dieses Memes im Netz geteilt und jedes Mal, wenn ich das animierte Bild seiner Verkleidung sehe, muss ich beglückt lächeln. 

 

Das Gif eines Mannes, der sich als Gif verkleidet hat, erinnert mich daran, was für eine großartige, menschenverbindende Erfindung das Internet ist. Ich fühle mich dem fremden Karnevalsfreund von der anderen Seite der Erde auf eine erstaunliche Art verbunden. Ich fühle mich verstanden und humoristisch aufgehoben. Spüre die Kraft, mit der nur Kultur Verständnis unter Menschen begründen kann. Und dieses Gif ist ein Symbol für die jüngste und vitalste Form der Popkultur: die des Netzes.

 

Sie erzeugt ein Gefühl von Zugehörigkeit, das vergleichbar ist mit dem (Wieder-)Erkennen einer Melodie, mit der Erinnerung an einen besonderen Duft oder dem Dechiffrieren einer Referenz in einem Text oder Film. Es ist dieser besondere Moment, wenn zwei Menschen einen Witz verstehen, wenn sie erkennen: Wir lachen gerade über das Gleiche, wir verstehen einander!

 

Das Internet ist in seinen besten Momenten ein Netzwerk des Erkennes und der Geborgenheit – es gibt stets jemanden, der mich versteht und den ich verstehe.

 

Dieser Zauber – und es ist unbedingt wichtig, hier nicht an Pathos zu sparen – ist einer der Gründe für einen universellen Humanismus, eine Grundlage für Verständigung und Menschlichkeit. Dieser Zauber des Lachens ist das wirksamste Gegengift gegen Hass und die fröhlichste Antwort auf Rassismus und Unterdrückung: Gleich, welchem Verständnis von Heimat, Liebe oder Gott sie nacheifern, Menschen sind in der Lage gemeinsam zu lachen. Vielleicht macht sie sogar genau diese Fähigkeit erst zu Menschen.

 

Das Internet, das dieser Tage mal wieder als Katalysator des Hasses und der Wut von sich reden macht, ist auch ein weltumspannender Übungsraum für diese Fähigkeit. Es ist in seinen besten Momenten – und daran erinnert das Gif-Kostüm aus Rio – ein Netzwerk des Erkennens und der Geborgenheit. Denn es gibt stets jemanden, der mich versteht und den ich verstehe – selbst, wenn wir keine gemeinsame Sprache sprechen und er oder sie auf der anderen Seite der Erde ist:

 

Wir sind nicht allein! Wir erkennen und verstehen die gleichen Symbole (ein Gif-Vorschaubild von Facebook), wir freuen uns über die gleichen Referenzen (Confused Travolta als Geheimsprache der Gif- und Meme-Fans überall auf der Welt) und das Beste: Wir versichern uns damit unserer Gemeinsamkeiten, die Landes-, Sprach- und Religionsgrenzen überwindet. Weil nur wir verstehen, was es auf sich hat mit diesem wunderbaren Schwachsinn, der funktioniert wie ein Shibbotleth: ein Passwort der digitalen Teilhabe – das wir öffentlich mit allen teilen, die die Fähigkeit zum Lachen nicht verlernt haben.

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