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"Ich will nicht, dass Köln so einen schlechten Ruf bekommt"

In "Domplatten Massaker" rappt Eko Fresh über die Übergriffe in seiner Heimatstadt.
Interview: Christina Waechter
  • eko fresh horst ossinger dpa
    Foto: Horst Ossinger/dpa

jetzt: Eko Fresh, mit „Domplatten Massaker“ hast du die Vorfälle an Silvester in Köln thematisiert.  Warum hattest du das Bedürfnis, ausgerechnet darüber einen Track zu machen?

Eko Fresh: Das Bedürfnis hatte ich eigentlich sofort, aber ich wusste lange nicht, wie der Track aussehen sollte. Es musste eine Kombination sein: Einerseits wollte ich die Tat verurteilen, aber gleichzeitig nicht die Herkunft der Leute. Auf der anderen Seite wollte ich auch den „normalen“ Ausländern und Arbeitern, zu denen ich mich auch zähle, auch Props und Respekt zeigen – und so ein Wir-Gefühl schaffen.

Wie wurden die Vorfälle in Köln in deiner Umgebung diskutiert? 

Das ist ständig Thema bei uns – ständig! Eigentlich sollte ich vor zwei Wochen mit Promotion für mein neues Album anfangen. Aber ich kam über die Vorfälle von Silvester einfach nicht hinweg. Ich habe dann ein Statement auf Facebook veröffentlicht und die Promotion erst mal auf Eis gelegt. Ich konnte mir einfach nicht nehmen lasse, dazu etwas zu machen. Ich sehe mich als Sprecher der einfachen Leute auf der Straße. Denn die haben gar nicht die Lobby, da etwas zu sagen, was auch gehört wird. 

Dein Track „Domplatten Massacker“ hat einen extrem expliziten Titel – und ist doch eigentlich sehr differenziert. Warum die Verkaufe?

 Aber den Titel habe ich doch extra danach ausgewählt. Ich bin nun mal Rapper, ich muss Klartext reden. Und wenn ein Track so einen Titel hat, dann ist das ein Hinweis darauf, dass da etwas Krasses angesprochen wird. Und natürlich ist der Titel auch eine Reaktion auf die ganze Reizüberflutung im Internet. Da müssen die meisten Titel erst mal etwas Negatives haben, damit die Leute gleich darauf schauen. Wenn ich so eine wichtige Message habe, dann wäre es ja schade, wenn das untergeht.

 

Auch Angela Merkel kommt in deinem Track vor. Du warnst davor, nach ihrem Ende zu schreien. Warum?

Ich bin kein Politikwissenschaftler und bekomme so viel mit wie jeder Bürger auch. Aber ich glaube, man macht es sich sehr leicht, wenn man immer nur auf die Politiker schimpft, wie scheiße die sind. Es ist schwieriger, zu differenzieren und sich damit zu beschäftigen, was Frau Merkel jetzt genau gut gemacht hat und was schlecht. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie immer versucht, im Interesse von uns allen zu handeln. Ich will hier auch nicht nur Props an Angela Merkel verteilen und nur davon reden, wie super die ist. Aber ich warne eben auch: Wenn man nur auf sie hatet, dann ist man auch immer empfänglich für die Rechten.

 

Hast du lange gebraucht, um „Domplatten-Massaker“ zu schreiben?

Das ging mir total leicht von der Hand – schneller als ich sonst arbeite. Weil das Thema immer in meinem Kopf war. Ich musste dann nur noch überlegen, wie ich den Song gliedere und welche Form er haben sollte. Ich habe im ersten Vers die Tat verurteilt, auch damit die Deutschen Bürger das mal aus dem Mund eines Migranten – nämlich meinem – hören. Im zweiten Vers gehe ich speziell auf die deutschen Bürger zu und sage: Denkt nicht falsch über uns. Und im dritten Vers musste ich auch meine nordafrikanischen Freunde in Schutz nehmen. Denn die betrifft das natürlich am meisten – wenn die so unter Generalverdacht stehen. Und damit stand die Form. Dann haben wir uns gedacht, aus dem Track eine Art Hymne zu machen. Das hielten wir für besser, als einen düsteren Track. So kam die Idee, den Track auf der Köln-Melodie aufzubauen. Genauso wie beim Text ging es uns darum, es so einfach wie möglich zu machen. Es muss leicht eingängig und nicht zu kompliziert sein, damit der Song nicht an der Form scheitert – und die Message direkt durchkommt.

 

Was willst du denn rüberbringen?

Ich will sagen, dass Köln schon immer eine Multikulti-Stadt war und dass wir so etwas einfach nicht kannten in unserer Stadt. Ich will nicht, dass Köln so einen schlechten Ruf bekommt, dass es so krass gespalten ist. Ich habe meine Jugend in Köln-Kalk verbracht, ich bin dort großgeworden – und ich habe so etwas vorher nie erlebt. Die Mischung dort besteht aus den deutschen Ur-Kalkern, dann gibt es noch ein erste Generation von Ausländern, oft Türken oder Italiener, und dann kamen später noch Menschen aus anderen Ländern dazu, wie zum Beispiel aus Nordafrika. Aber die, mit denen ich dort Seite an Seite gewohnt habe, die benehmen sich nicht so.

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