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An der Kopenhagener Universität gibt es jetzt ein Seminar über Beyoncé

Der Professor erklärt, warum er sie für so wichtig hält.
Interview von Josef Wirnshofer
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    Foto: Matt Sayles / AP

jetzt.de: Herr Steinskog, in Ihrem Seminar „Beyoncé, Gender and Race“ soll es um Gender und ethnische Zugehörigkeit gehen. Warum eignet sich Beyoncés Musik, um darüber zu sprechen?

Erik Steinskog: Ich finde es besser, wenn die Studenten einen klaren Fokus haben, statt allgemein über solche Themen zu sprechen. Beyoncé hat dazu in ihren Songs und Videos genügend Stoff geliefert, besonders aus feministischer Sicht. Sie ist wohl die größte und wichtigste Pop-Künstlerin unserer Zeit. Das macht es sehr interessant, sie in Bezug zu unserer Welt zu analysieren.

Was können wir von Beyoncé denn über die Welt lernen?

Durch sie können wir unter Feminismus mehr verstehen als nur einen theoretischen Diskurs. Ich hoffe, dass wir dadurch darüber diskutieren, was Feminismus eigentlich ist. Dass wir uns fragen, wie wir uns in unserer Welt verhalten, außerhalb des Seminarraums, außerhalb der Universität. Ich glaube, in Europa ist es gerade heute wichtig, sich Gedanken zu machen, wie wir mit kulturellen Unterschieden umgehen. Vielleicht können wir durch Beyoncés Musik über unsere Gesellschaft nachdenken und darüber, wie wir zum Beispiel mit Immigranten umgehen. Das hoffe ich zumindest. 

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    Foto: privat

Was werden die Studentinnen und Studenten konkret im Unterricht machen?

Wir analysieren natürlich ihre Texte und Musikvideos, vor allem die ihrer letzten Alben. Auch Live-Videos werden wir analysieren. Dazu lesen wir feministische Theorien, besonders von schwarzen Feministinnen. Danach versuchen wir, diese Theorien in Bezug zu ihrer Musik zu setzen. Im Abschlussexamen werden die Studenten dann ihre Musikvideos analysieren.

 

Gibt es für Sie einen Beyoncé-Song, der Feminismus besonders deutlich thematisiert?

Ich denke, ihr Album „Lemonade“ von 2016 ist voll davon. Besonders die Songs „Formation“ und „Freedom“. Aber es fällt mir schwer, einzelne Songs rauszugreifen. Die Stücke gehören zusammen, wie die Szenen eines langen Films. Als „Lemonade“ rauskam, war mir klar, dass ich dazu ein Seminar halten will. Es ist ein Meisterwerk. Ein wichtiges kulturelles Werk darüber, wo wir im frühen 21. Jahrhundert stehen. 

 

Sie haben auch schon Seminare zu Michael Jackson und Lady Gaga gehalten. Wird Pop an der Uni inzwischen ernst genug genommen?

Ich denke schon. Aber nachdem das Seminar viral gegangen ist, nachdem ich Anrufe von Medien aus der ganzen Welt bekommen habe, habe ich mich gefragt, ob Pop auch außerhalb der Universität ernst genug genommen wird. Eigentlich ist das ja kein so großes Ding. Ich bin auch nicht der Erste, der ein Beyoncé-Seminar hält, es gab schon mindestens drei andere Wissenschaftler. Aber vielleicht muss man die Menschen daran erinnern, dass Pop zwar Unterhaltung ist, dass es Spaß macht, aber dass Pop natürlich auch genutzt werden kann, um gesellschaftliche Themen zu diskutieren oder um Ideologien zu kritisieren. Pop ist ein wichtiger Teil im Leben sehr vieler Menschen, also sollten wir darüber nachdenken, was er für unsere Gesellschaft bedeutet.

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