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Alles hat ein Dende

Dendemann hört beim Neo Magazin Royale auf – mit der besten Verabschiedung, seit es Deutschrap gibt.
Von Max Sprick

Jan Böhmermann macht gerade seine üblichen Witzchen zum Anfang seiner Show, es geht um Lena Meyer-Landrut und um McDonald's, als der Moderator plötzlich ein „T“ mit seinen Händen formt, „Spielstopp!“ ruft und einen der gleichzeitig besten und traurigsten Fernseh-Momente des Jahres einleitet. „Ey Dende, heute ist deine letzte Sendung“, sagt Böhmermann. „Ja, ich weiß“, antwortet Dendemann, der seit zwei Jahren als Böhmermanns Sidekick für die musikalische Begleitung sorgt. Kurzer Moment der Stille. Ein „oooooooooaaaaaahhh“ ertönt aus dem Publikum. Und dann geht’s los. Eine halbe Stunde lang folgt die beeindruckendste Verabschiedung, seit es Deutschrap gibt.

Eben jenen Deutschrap hatten Böhmermann und Dendemann im Mai 2015 schon einmal durchgespielt, als sie ein unfassbares Medley aus 25 Jahren deutscher Hip-Hop-Geschichte präsentierten. Damals wurden jede Menge Musiker per Skype-Video zugespielt. Nun, in der letzten Sendung des Neo Magazin Royale im Jahr 2016 (hier geht's zur Sendung in der Mediathek), der „Dendung 65“, ist die Gästeliste gemischt aus aktuellen Hip-Hop-Größen wie Kollegah, Chefket oder den Orsons, Hip-Hop-Klassikern wie Fettes Brot, Roger von Blumentopf und Schowi von Massive Töne – „die einzigen Musiker, die das Jahr 2016 überlebt haben“, witzelt Böhmermann.

 

Sie alle huldigen Dendemann, dem besten Wortspieler der deutschen Sprache in der Moderne. Sein letztes Album, „Vom Vintage verweht“, war 2010 erschienen. Seitdem erzählt er immer wieder, das nächste komme nächste Woche, oder übernächste. Nun macht der frühere MC der Kombo Eins Zwo offenbar ernst. „Bitte was wird das dann für eine Sendung, Jan? Ohne Motherfucking Dendemann“, fragen Fettes Brot. ​ 

Sie, Kollegah und Roger rappen mit Dende zu seinen alten Beats von „Es geht mir gut“ und „Hand aufs Herz“, sie feiern den inzwischen 42-Jährigen, der eigentlich Daniel Ebel heißt. Bürger Lars Dietrich, Olli P, Nana und Böhmermann covern „Stumpf ist Trumpf“, Böhmermann rappt plötzlich alleine – gar nicht so schlecht vom Flow her und mit Zeilen wie: „Wenn ich reime, wird’s ‘ne Staatsaffäre“ – und es fühlt sich wieder an wie früher, als Deutschrap noch nicht aus aneinandergereihten Beischlaf-Aufforderungen mit irgendwelchen Müttern bestand. 

 

Aber, das weiß ja jeder, alles hat ein Dende. Und so stehen sie alle am Ende der Show auf der Bühne, liegen sich in den Armen und Dendemann rappt zum letzten Mal seinen Neo Magazin Royale Jingle. Die nächste Show wird dann Anfang Februar ausgestrahlt. Ohne ihren musikalischen Bessermacher. Wann denn nun tatsächlich dessen Album erscheint? Unklar. „Aber David Bowie, Lemmy, ... Die sind alle gestorben, damit du nächstes Jahr dein Album rausbringen kannst“, sagt Böhmermann. „No pressure, Dende.“ 

Dende spricht:

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