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Wie Menschen mit Emojis über Sex reden

Zwei Forscher haben Millionen Emojis analysiert - hier die Highlights der Studie.
Von Hakan Tanriverdi, Austin
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Jeden Tag werden weltweit sechs Milliarden Emojis verschickt  – und Ben Medlock kann Millionen davon analysieren, und uns sagen, wofür wir all die Herzen und Tränen lachenden Mondgesichter verwenden. Gemeinsam mit der Linguistin Gretchen McCulloch hat er analysiert, welche Emojis am häufigsten genutzt werden, wie sich das nach Regionen aufteilt und dass Auberginen als Penis - Ersatz nur eine von vielen kreativen Möglichkeiten darstellt, um über Sex zu reden. 

 

Medlock ist Mitgründer eines Start-ups für intelligente Tastaturen auf Smartphones, Swiftkey. Seine App wurde 300 Millionen mal installiert, Medlock verfügt also über einen recht guten Einblick. Microsoft hat 250 Millionen US-Dollar gezahlt und die Firma Anfang Februar aufgekauft. Entsprechend heiter sitzt Medlock nun mit McCulloch auf einer Bühne in Austin, bei der Technikmesse South by Southwest. McCulloch setzt sich insbesondere mit Internet-Speak auseinander, und wird darüber demnächst ein Buch veröffentlichen. Der Datensatz, den die beiden untersucht haben, ist riesig.

 

Hier also ein paar Highlights aus ihrer Studie (mit dem Hinweis, dass die Daten verzerrt sind, weil sie nur von einer Firma kommen – und die Erklärungen von McCulloch eher Tipps sind als wissenschaftlich belegte Thesen). 

  • Mehr als zwei Drittel aller Emojis, die verschickt werden, verbreiten positive Stimmung. Wer das nicht glaubt, kann ja kurz auf Emoji Tracker gehen und sich die oberste Reihe reinziehen. Als Grund gibt McCulloch an, dass Emojis einen grundlegend spielerischen Charakter haben. Wer ein ernstes Gespräch führt, wird eher nicht das entsprechende Emoji verwenden. Aus ähnlichen Gründen sind die neu eingeführten "Reactions" auf Facebook überwiegend positiv
  • 20 Prozent aller Emojis sind "Tears of Joy". Das ist auch laut dem Oxford Dictionary Wort des Jahres 2015. Passend dazu: Werden Emojis kombiniert, sind zwei Tränenlacher auf Platz 1. Platz 2 geht ebenfalls an "Tears of Joy", dreimal hintereinander. Auch Platz 3. McCulloch sagt: "Wir schreiben es ja auch Ha-Ha und nicht etwa nur Ha!". Smartphone-Chats sind Orte des Kaputtlachens.
  • Kaum hat DJ Khaled in seinen Snapchat-Stories damit begonnen, mehrere Schlüsselweisheiten zum Besten zu geben, haben deutlich mehr Menschen damit angefangen, das entsprechende Emoji zu verwenden: Anstieg von 500 Prozent.
  • Emojis sind ortsabhängig. In Hawaii gibt es mehr Palmen, in Schweden viele Weihnachtsmänner, in Nevada vor allem Sex (vermutlich, weil Las Vegas in diesem Bundesstaat liegt) - und in Idaho das iPhone-Emoji. Da kann aber keiner so wirklich erklären, warum. 
  • Emojis sind zwar jugendfrei, aber natürlich werden sie auch zum Sexting benutzt. Die Aubergine ist ein Penis, die Zunge steht für Cunninlingus, das Smiley mit dem offenen Mund für einen Blowjob, der Pfirsich für die Vagina - wer mehr wissen will, hier entlang.
  • Emojis werden oft mit Hieroglyphen verglichen, zum Beispiel hier. McCulloch widerspricht. Sie sagt, dass Emoji kein eigenes Sprachsystem sind. Sprache sei mehr als das Benennen eines Objektes (ein Tisch zum Beipiel), sie besitze auch abstrakte Bedeutungen. Das codierte Reden über Sex ist ein Beispiel dafür, sich die Nägel zu lackieren als Synonym für "Haters gonna hate" ein weiteres. So oder so: Es sind Ausnahmefälle. "Emoji sind viel eher als Ergänzung zur Sprache zu verstehen", sagt McCulloch. 

 

Zu Beginn wollten beide Redner übrigens den ganzen Talk in Emojis halten -ähnlich wie der Guardian die jährliche Ansprache des US-Präsidenten in Emojis übersetzte. "Das haben wir nach zehn Sekunden wieder aufgegeben". Niemand hätte es verstanden.

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