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Julia betreibt eine Facebook-Partnerbörse für Landwirte

"Bauer sucht Frau" minus die Menschenverachtung.
Interview: Katharina Mau
  • Julia Gillner
    Foto: Julia Gillner

Julia Gillner (26) arbeitet auf dem Biobauernhof ihrer Schwiegereltern. Auf Facebook hat sie die Seite „Spotted: Landwirtschaft“ gegründet, auf der sie und ihre Freundinnen täglich mehr als zehn Kontaktanzeigen posten. Im Interview verrät sie, warum die Partnersuche für Landwirte so schwierig ist, und wie sie mit ihrer Seite helfen kann.

 

jetzt: Wieso braucht man eine extra Kontaktbörse für Landwirte?

Julia Gillner: Nicht jeder mag das Leben in der Landwirtschaft. Landwirte arbeiten nicht von acht bis fünf Uhr, sondern müssen rund um die Uhr einsatzbereit sein. Damit muss man klarkommen und es ist schwierig, einen Partner zu finden, der damit einverstanden ist. Bei „Spotted: Landwirtschaft“ weiß man, dass die, die sich melden, mit dem Beruf klarkommen. Das heißt dann noch lange nicht, dass es in der Beziehung klappen muss, aber das Grundgerüst funktioniert schon mal.

Aber es gibt doch schon „Bauer sucht Frau“.

Davon halte ich gar nichts, muss ich sagen. Für mich ist das Quotenmache, weil die Landwirtschaft furchtbar durch den Dreck gezogen wird. Manche sind nicht einmal wirkliche Bauern, und dann werden extra die klischeehaftesten Junggesellen rausgesucht und noch mal auf alt getrimmt. Da macht sich jeder nur lustig über die Landwirte. Das hat für mich nichts mit ernsthafter Partnersuche in der Landwirtschaft zu tun.

 

Wie kamst du darauf, „Spotted: Landwirtschaft“ zu gründen?

Ich habe eine Facebook-Seite, „Fräulein Deere“, mit der ich sozusagen Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirtschaft betreibe. Ich berichte über mein Leben in der Landwirtschaft. Über die Seite habe ich regelmäßig Nachrichten von Leuten bekommen, die gefragt haben, ob ich ihr Gesuch schalten kann. Das hatte mit meiner  Seite nichts zu tun, deshalb habe ich eine eigens dafür aufgemacht.  

 

Wie viele Paare habt ihr denn schon zusammengebracht?

Etwa zehn haben sich zurückgemeldet, die durch uns zusammengekommen sind. Ich denke aber, dass es mehr sind, vielleicht 20 bis 30 Paare. Wir sind aber wirklich nur der vermittelnde Part. Auf das, was nach der Kontaktanzeige ist, haben wir keinen Einfluss. 

Die Kontaktanzeigen sind ohne Foto und anonym. Warum?

Wir wollen nicht, dass jemand nach seinem Aussehen beurteilt oder sogar gehänselt wird. Genauso wenig soll jemand dafür ausgelacht werden, dass er über Facebook eine Kontaktanzeige schaltet. Außerdem kann man von jedem angeschrieben werden, wenn man nicht anonym bleibt. Auf unserer Seite kann der Anzeigensteller gezielt diejenigen aussuchen, die er anschreiben möchte.

 

Du hast selbst Landwirtschaft studiert. Haben deine Kommilitonen keine Partner gefunden?

Im Studium war das keines unserer Hauptthemen. Alle waren relativ jung, da war die Suche nach einem festen Partner weniger ein Thema. Partys waren wichtiger und viele hatten einen Freund oder eine Freundin. Ich denke, wenn man eine Lehre gemacht, ausgelernt hat und arbeitet, dann ist das etwas anderes. Aber dass die Partnersuche in der Landwirtschaft für viele so schwierig ist, habe ich eigentlich erst über meine facebook-Seite mitbekommen.

 

Denkst du, dass Landwirte ein zu schlechtes Image haben?

Ja, einerseits das schlechte Image von Verbraucherseite, wenn es zum Beispiel um Massentierhaltung geht. Da werden Landwirte schnell als Tierquäler dargestellt. Und auf der anderen Seite das Image, das bei „Bauer sucht Frau“ eine große Rolle spielt. Da werden einfach Klischees ausgeschlachtet.

 

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