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Shahak Shapira und "Die Partei" kapern 31 AfD-Facebook-Gruppen

Uns hat Shapira erklärt, wie sie das geschafft haben.
Von Teresa Fries

„Liebe Mitbürger, mein Name ist Shahak Shapira – machen Sie sich keine Sorgen, das ist ein altpreußischer Name. Wenn Sie dieses Video sehen, sind Sie eines von 180.000 Mitgliedern der 31 geheimen AfD-Facebook-Gruppen, die von nun an unter der Führung der sehr guten Partei ‚Die Partei’ stehen.“

 

So beginnt das Video, das Shahak Shapira, Satiriker und „Beauftragter für neue Medien“ von „Die Partei“ heute auf seiner Facebook-Seite veröffentlich hat.

Aber nicht nur dort. Dieses Video wurde heute auch in 31 eigentlich geheimen AfD-Facebook-Gruppen gepostet. 31 Gruppen, die von Shahak Shapira und seinem Team gekapert worden sind. Eine Liste der Gruppen haben sie auch veröffentlicht. Allerdings auch gleich mal alle umbenannt. Die früheren AfD-Unterstützergruppen heißen nun „I <3 Antifa“, „Boateng-FanGRUPPE“ oder „SCHAKIRA – Wann man wieder in Deutschland?“. Vor allem aber haben die Spaßvögel von "Die Partei" die geheimen Gruppen zu öffentlichen gemacht. Das hat zur Folge, dass nun Scharen von AfD-Gegnern diese Gruppe fluten und Anti-AfD-Inhalte posten können und – dass für jeden einsehbar ist, wer seit wann Mitglied dieser Gruppe und damit potentieller AfD-Unterstützer ist.   

 

Wie genau es die Satiriker geschafft haben, sich dieser Gruppen zu ermächtigen, da bleibt das Video sehr vage. Von „infiltrieren“ und „übernehmen“ ist die Rede. Wir haben Shahak Shapira deswegen angerufen und ihn gefragt: „Da wurde nichts gehackt und keine illegalen Mittel benutzt, das geschah alles freiwillig und das zeigt nur, was für Pfeifen das sind“, sagt er. Die Gruppen hätten vor allem auf Fake-Accounts basiert, die automatisiert Freundschaftsanfragen versendet, User in die Gruppen eingeladen und die Timeline mit AfD-Werbung und Fake-News bestückt hätten. Nur einige wenige der Admin-Accounts seien echt, also von einem echten Menschen gewesen, damit die Gruppe weiter bestehen könne, wenn die Fake-Accounts gelöscht werden sollten.

 

So einfach, so effektiv

 

„Wir haben im November letzten Jahres angefangen, uns mit eigenen Fake-Accounts in die Nazi- und AfD-Szene einzuschleusen und dann einfach gewartet, bis die Zeit reif war. Es war nicht so viel Arbeit, weil alle Gruppen von den gleichen Menschen betrieben werden. Man musste also nur deren Vertrauen gewinnen. Es wurden immer mehr Fake-Account-Admins gelöscht, weil wir sie einer nach dem anderen bei Facebook gemeldet haben. Irgendwann haben sie uns zu Moderatoren und dann zu Administratoren der Gruppen gemacht, weil viele ihrer Admin-Accounts weg waren und sie Angst hatten, ganz gelöscht zu werden“, erklärt Shapira die Strategie der Übernahme. So einfach, so effektiv.

 

In dem Enthüllungsvideo wird AfD-Mitglied Anne Teska als ehemalige Administratorin aller 31 Gruppen genannt. In einem Telefonat mit jetzt bestätigte sie, dass das so stimmt. „Ich weiß nicht, wie das passiert ist“, sagt Teska weiter. Sie habe erst von Shapiras Aktion mitbekommen, als sie sich nicht mehr als Admin in die Gruppen einloggen konnte. Dass die Gruppen von Fake-Accounts und Bots betrieben worden sein sollen, könne sie sich nicht vorstellen: „Bei zwei Gruppen kann ich mit Sicherheit sagen, dass die Admins echte Menschen waren, ich habe mit ihnen gesprochen.“

 

Der Vorwurf, die AfD benutze Social-Media-Bots, besteht schon seit längerem. Die FAZ hat ihn in dieser Recherche ausführlich untersucht und sehr viele Hinweise darauf gefunden, wenn auch keinen endgültigen Beweis.

 

„Welche Partei kümmert sich schon darum, solche Dinge aufzuzeigen?“

 

„Die Menschen in diesen Gruppen sollten sich überlegen, ob die, die sie mit Algorithmen und Fake-Profilen manipulieren, wirklich die Leute sind, die für sie im Bundestag sitzen sollen“, sagt Shahak Shapira. Wobei nicht sicher ist, dass hinter den Gruppen und möglichen Bots wirklich Parteimitglieder der AfD stecken und nicht zum Beispiel parteiexterne Anhänger. Auf die Frage, was denn nun mit den Gruppen passieren soll, sagt Shapira nur: „Naja, wir haben die Gruppen jetzt für uns, wir werden schon unseren Spaß damit haben. ‚Die Partei’ weiß, wie man ein bisschen Leben in die Bude bringt.“

 

Aber so lustig die Aktion alle AfD-Gegner gerade finden, für den Satiriker steckt schon auch eine ernsthafte Botschaft dahinter. „Man muss sich mal durch den Kopf gehen lassen, wie gefährlich diese Scheiße ist. Was für Dimensionen das annehmen könnte, was die machen und wie die Menschen manipulieren. Und alles, was die großen Parteien machen, ist sich selbst zu promoten. Welche Partei kümmert sich schon darum, solche Dinge aufzuzeigen?“

Mehr ernster Spaß und spaßiger Ernst: 

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