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Rap Review Rendezvous - neue Platten mit Megaloh

Jeden Monat hören wir mit einem Vertreter aus dem HipHop-Kosmos aktuelle Rap-Veröffentlichungen und reden darüber. Heute mit Megaloh.
daniel-schieferdecker


 In dieser Kolumne geht es um einen Dialog. Um ein Zwiegespräch zwischen Redakteur und Rapper. Und kaum einem MC wird für 2013 von dermaßen vielen Seiten das gereimte Wort erteilt, wie Megaloh aus Berlin-Moabit. Schon mit seinen ersten musikalischen Lebenszeichen wie „Reim geschäftlich“ hat er sich in HipHop-Kreisen einen Namen gemacht und ließ Großes erwarten. Bis heute ist er den ganz großen Beweis an sein unumstrittenes Können schuldig geblieben, doch mit seinem neuen Album „Endlich unendlich“ im Gepäck, einem Label wie Nesola und Universal als Vertriebspartner im Rücken sowie prominenten Fürsprechern wie Samy Deluxe und Max Herre müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn 2013 nicht Megalohs Jahr wird.  

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Aber jetzt geht es los mit dem Rap Review Rendezvous und

  Roc Marciano – Reloaded 

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 jetzt.de: Wie hat dir die Platte gefallen?
Megaloh: Ich finde die gut. Der Typ macht ja schon recht lange Musik, hat auch mit Leuten wie Pete Rock zusammengearbeitet, aber so richtig habe ich den erst seit seinem letzten Album „Marcberg“ von 2010 auf dem Zettel. Am Anfang war der mir ja ein bisschen zu laid back, aber der zeichnet schon miese Bilder in seinen Texten – mittlerweile feiere ich den. Der macht ja auch alle seine Beats selber, oder?  

Auf seinem ersten Album war das noch so. Für seine aktuelle Platte hat er auch ein paar Beats von Leuten wie Alchemist oder Q-Tip gepickt.
Ja, das hört man – und das gefällt mir deutlich besser. Roc Marciano hat ja einen sehr eigenen Style in Bezug auf seine Produktionen. Und diese neue Vielfalt ist eine musikalische Aufwertung zum Vorgänger.  

Worauf achtest du denn vor allem, wenn du Beats pickst?
Eigenständigkeit ist das A und O. Es sollte nie nach jemand anderem klingen. Außerdem ist es mir als altem Boom-Bapper wichtig, dass die Drums schön knallen und es eine anständige Bassline gibt.  
 

 

Roc Marciano wird von vielen Leuten als Fackelträger des alten New Yorker East-Coast-Raps verstanden. Verortest du ihn auch in der entsprechenden Tradition?
Ja, die Tradition führt er schon weiter, aber als Fackelträger würde ich ihn nicht bezeichnen – dafür spittet er mir nicht krass genug, ist seine Delivery zu speziell. Der positioniert sich eher als Zen-Meister, der es nicht mehr nötig hat, noch viele Styles auszupacken und richtig Welle zu machen. Mir fehlt da ein bisschen das Feuer. 

 Mit „Nine Spray“ gibt es eine Adaption des Jeru-the-Damaja-Klassikers „My Mind Spray“ auf der Platte. Gelungen oder eher nicht?
Ich muss sagen, dass Jeru ein bisschen an mir vorbeigegangen ist. Ich bin damals bei Snoop Dogg und N.W.A. eingestiegen und von dort aus direkt weiter zu Wu-Tang – da habe ich Jeru irgendwie übersprungen. Jeru ist mir vom Style auch ein kleines bisschen zu hölzern. Aber dieser „Nine Spray“-Beat ist echt killer!    
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Big Boi – Vicious Lies And Dangerous Rumors 

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Bist du ein Outkast-Fan?
Ja, seit deren ersten Album „Southernplayalisticadillacmuzik“ von 1994. Mittlerweile sind die mir allerdings ein kleines bisschen zu abgedreht. Bis zum dritten Album „Aquemini“ habe ich die gefeiert, aber als dann deren geteiltes Doppelalbum „Speakerboxxx/The Love Below“ rauskam, war mir das zu abgespacet. Das sind einfach Crazy Motherfuckers.  

Inwiefern stellt dich, als Anhänger der alten Outkast-Sachen, so ein Soloalbum eines Outkast-Mitglieds zufrieden?
Ach, es geht so. Mich stören vor allem der viele Gesang und die Indierock-Einflüsse. Auf der Platte gibt es für meinen Geschmack zu wenig Rap. Ein bisschen mehr Härte hätte dem Album gut getan.  

http://vimeo.com/56574748

 Big Boi hätte nicht nur gerne André 3000 mit auf der Platte gehabt, sondern auch Leute wie Kate Bush oder Terry Riley. Meinst du, die hätten dem Album gut getan?
Kate Bush wäre krass gewesen – etwas für Feinschmecker. Und ein Song mit André hätte bestimmt auch nicht geschadet. Dafür hätte man einen der anderen Song wie „She Hates Me“ ruhig weglassen können.  

Stattdessen sind Rapper wie T.I., Ludacris und KidCudi dabei, genauso wie Leute wie Kelly Rowland oder Little Dragon. Ist dir eines der Features besonders aufgestoßen oder positiv hängen geblieben?
Ludacris ist auf dem Track „In The A“ nicht schlecht, aber Big Boi und T.I. präsentieren sich darauf so stark, dass Ludacris echt der schlechteste ist. KidCudi geht mir in „She Hates Me“ auf den Sack, Kelly Roland nervt mich voll und Little Dragon find ich auch nicht so geil.

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Herr Sorge – Verschwörungstheorien mit schönen Melodien  

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Anlass für die Veröffentlichung war der angekündigte Weltuntergang am 21.12.12, der nicht stattgefunden hat. In Anbetracht der Tatsache, dass dieser Tag nun vorbei ist: Wie beurteilst du das inhaltliche Konzept des Albums?
 Ich hab das gar nicht so sehr auf den Weltuntergang bezogen, sondern hatte eher den Eindruck, dass Samy damit den Zeitgeist einfangen und darauf einwirken wollte. Und ich finde es mutig und gut und wichtig, dass er das gemacht hat.  

Samy benutzt auf der Platte viel Auto-Tune. Wie stehst du dazu?
Daran scheiden sich die Geister und ich fürchte, dass viele Leute ein Problem damit haben. Mag sogar sein, dass Samy sich damit ein bisschen was verbaut hat. Aber ich sehe die Platte ein bisschen wie Kanyes „808s & Heartbreaks“ – das konnte man eigentlich nicht haten, weil eben jemand dahinter steckt, der Ahnung von Musik hat. Insofern gebe ich Samy für das, was er da auf die Beine gestellt hat, uneingeschränkt Respekt.  

 

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