Partner von

3200 Euro netto als Restauratorin

Das klingt viel, doch die Arbeit kommt auch mit einem Risiko daher – die neue Folge der Job-Kolumne.
Von Eva Fritsch
  • sde job restauratorin
    Illustration: Katharina Bitzl

Carina ist 29 Jahre alt und Restauratorin. Sie kommt aus Brilon im Sauerland und hat nach ihrem Studium an der Technischen Universität in München ein einjähriges Volontariat am Doerner Institut der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen absolviert. Seitdem arbeitet sie als Freiberuflerin. Momentan pendelt sie von München ins Allgäu, wo sie als freiberufliche Mitarbeiterin für eine Restauratorin aus Kaufbeuren arbeitet. Restauriert werden großformatige Leinwandgemälde in einem Benediktinerkloster.

Der Reiz

 

Ich habe Abitur mit dem Schwerpunkt Kunst gemacht und wusste seit der Oberstufe, dass ich Restauratorin werden möchte. Nicht zuletzt durch mein Kunst-Abi habe ich ein besonderes Interesse an Kunst und schönen Gegenständen entwickelt. Der ideelle und historische Wert von Kunstwerken ist mir sehr wichtig. Die meisten Bilder sagen viel über die jeweilige Gesellschaft und Epoche aus. Mich freut es dazu beizutragen, die Geschichte zu bewahren.

 

Dass mir das filigrane Arbeiten sehr viel Spaß macht, habe ich bei einem Ferienpraktikum beim Zahntechniker gemerkt. Irgendwann später habe ich einen Zeitungsartikel über Restauratoren gelesen. Der Beruf wurde mit dem des Zahntechnikers verglichen. Da war ich natürlich sofort begeistert, weil es all das vereint, was mir Spaß macht: Kunst und Filigranes.

 

Ich finde es toll, mit meiner Arbeit Kunstwerke für spätere Generationen zu erhalten und dazu beizutragen, die Qualität der Malerei und deren Bildinhalte zu bewahren.

Jeden Pinselstrich zu sehen und die Maltechnik des Künstlers nachvollziehen zu können - das ist einfach spannend. Oft arbeitet man auch mit einem Mikroskop: Da siehst du, wie die Malerei entstanden ist und wie der Künstler unterschiedliche Effekte erzeugte. Bei dem Portrait „Herzog Georg des Bärtigen“ von Lucas Cranach dem Älteren konnte ich zum Beispiel sehen, dass jedes einzelne Barthaar mit einem einzigen Pinselstrich gemalt wurde.

 

Der Weg

 

Bevor ich anfing, Restaurierung zu studieren, musste ich zwei Jahre Praktika machen. Das ist Voraussetzung für das Studium. Das Praktikum kann in Ateliers freiberuflicher Restauratoren, in Denkmalämtern oder Museen absolviert werden. Das fand ich super, da ich nach dem Abitur nicht sofort studieren wollte. Das erste Praktikumsjahr habe ich in einem Restaurierungsatelier in Würzburg verbracht. Das zweite Jahr war ich im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München. Man kann in neun Städten in Deutschland Restaurierung studieren, ich habe mich für München entschieden.

 

Nach dem Studium begann mein Volontariat am Doerner Institut der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München. Spezialisiert hatte ich mich auf alte Malerei.

 

Natürlich ist es im ersten Moment etwas bitter, nach zwei Jahren Vorpraktikum und sechs Jahren Studium noch ein Volontariat zu machen. Mein erstes Ziel war deshalb auch nicht unbedingt das Volontariat. Im Nachhinein hat es sich aber als gute Entscheidung erwiesen, da ich während dieser Zeit neue Kontakte knüpfen konnte.

 

Vorpraktika werden ganz unterschiedlich bezahlt. In der Regel kann man davon allein nicht leben, deshalb haben mich zu dieser Zeit meine Eltern unterstützt. Das Studium habe ich mir größtenteils selbst finanziert. Ich habe oft an Forschungsprojekten oder als wissenschaftliche Hilfskraft gearbeitet oder in den Semesterferien bei Restaurierungsprojekten mitgeholfen. Fachfremde Arbeiten musste ich eigentlich nie machen.

 

Die Wirklichkeit

 

Seit dem Ende des Volontariats arbeite ich als freiberufliche Mitarbeiterin bei einem Restaurierungsprojekt mit. Ich bin sehr froh, direkt im Anschluss ans Volontariat etwas gefunden zu haben, auch wenn es bei der Arbeit im Kloster ziemlich kalt werden kann.

Anders als in anderen Bereichen gibt es bei den Restauratoren eine größere Nachfrage, weshalb die Freiberuflichkeit auch nicht so prekär ist, wie man vielleicht meint. Natürlich schwanken die Aufträge immer: Im Sommer gibt es mehr zu tun, weil man zum Beispiel auf Baustellen arbeiten kann. Im Winter ist es dann schon schwieriger. Manche Arbeiten können bei Kälte gar nicht gemacht werden, weil beispielsweise Leim erhitzt werden muss, um verarbeitet werden zu können. Diese Arbeit kann in kalter Umgebung nur sehr schwer ausgeführt werden, da das Medium auf dem Weg vom Pinsel zum Gemälde dann schon mal geliert. Im Winter ist die Auftragslage auch schlechter, weil am Ende des Jahres die Gelder abgerechnet werden und viele neue Projekte erst wieder zu Beginn des kommenden Jahres anlaufen.

 

Wenn man freiberuflich arbeitet, hat man entweder ein eigenes Atelier oder ist freiberuflicher Mitarbeiter und hat mit verschiedenen Restauratoren zu tun, die schon länger in dem Bereich tätig sind und für große Projekte teilweise auf freie Mitarbeiter angewiesen sind.

 

Oft muss in Kirchen, Klöstern oder Schlössern gearbeitet werden, da Kunstwerke oft nicht transportiert werden können. So, wie es momentan bei mir der Fall ist. Unter der Woche wohne ich in einer Ferienwohnung im Allgäu, die ich mir mit einer Arbeitskollegin teile. Wir kannten uns schon von anderen Projekten und treffen uns auch privat. Die Restauratoren sind eine kleine Community, wo eigentlicher jeder jeden kennt und Kontakte sehr wichtig sind.

 

Unser Tag fängt momentan um 8 Uhr an, um 18 Uhr ist Feierabend. Am Wochenende fahre ich wieder nach München. Im Kloster arbeiten wir an Gemälden, die im Treppenhaus hängen und etwa 4 mal 3,5 Meter groß sind. Die Mönche, die dort wohnen, bleiben im Vorbeigehen oft stehen und fragen, was wir gerade machen, wie es läuft, und haben vor Weihnachten auch mal Plätzchen vorbeigebracht.

 

Bei einem Praktikum habe ich einen ganzen Winter in einer Kirche gearbeitet, in der es nur 4 Grad hatte. Ich wusste also, worauf ich mich bei der Arbeit im Kloster einlasse – hier ist es sogar fast luxuriös, wir haben Heizstrahler und können ab und zu in einem beheizten Raum arbeiten.

 

Die wechselnden Orte machen den Beruf auch spannend: Es ist nie langweilig, weil man für ein paar Monate mal in einer Stadt ist, dann wieder in einer anderen oder in wechselnden Ateliers arbeitet. Das hat natürlich auch Nachteile. Der Alltag ist unsteter und ungeregelter. Mich persönlich stört es bislang noch nicht: Wenn das Team oder die Arbeitsumgebung mal nicht so passen sollte, weiß man, dass man in ein paar Monaten wieder weg ist.

 

Außerdem habe ich momentan auch keine andere Wahl: Eine Festanstellung mit regelmäßiger Arbeit zu bekommen, ist sehr schwierig. Deshalb ist die Reise zum Kunstwerk gerade die einzige Lösung. Ich hätte natürlich gerne eine feste Stelle. Dies ist in München und Umgebung, wo mein Mann und ich bleiben möchten, jedoch nicht einfach zu realisieren. Hin und wieder gibt es, teilweise auch in anderen Städten, auf ein oder zwei Jahre befristete Stellen, zum Beispiel als Schwangerschaftsvertretung. Aber für eine so kurze Zeit ein neues Leben in einer fremden Stadt aufbauen? Das möchte ich nicht. Mal im Ausland zu arbeiten, kann ich mir dagegen gut vorstellen. Mein Mann ist Halb-Italiener und ich bin auch Italien-Fan, deshalb schließen wir nicht aus, in Zukunft für eine gewisse Zeit dort zu leben.

 

Das Geld

 

Ich verdiene als freiberufliche Restauratorin etwa zwischen 2 400 und

3 200 Euro netto im Monat, wenn ich Vollzeit arbeite. Im Volontariat war es natürlich deutlich weniger. Momentan entscheide ich selbst, wie viele Stunden ich im Monat arbeite. Im Dezember fällt durch Weihnachten viel weg. Aber in der Regel arbeite ich um die 40 Stunden die Woche. Momentan weiß ich noch nicht, was ich nach der Arbeit im Kloster machen werde.

 

Klar habe ich Angst, mal kein Projekt zu finden, an dem ich mitarbeiten kann. Man weiß eben nie, was als nächstes kommt. Zwei Wochen ohne Arbeit könnte ich sicher mal überbrücken. Trotzdem habe ich vor, mich parallel zur Stadtführerin ausbilden zu lassen. Falls ich eine Zeit lang nichts finde.

 

Seit ich verheiratet bin, bezahlt mein Mann unsere Miete. Er arbeitet als Wirtschaftsinformatiker. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, finanziell abhängig von ihm zu sein, da ich weiß, dass ich auch ohne ihn mit meinem Geld auskommen würde - schließlich schaffen die anderen, die mit mir studiert haben, das ja auch.

 

Das Privatleben

 

Bislang schränkt mich Freiberuflichkeit nicht besonders ein. Es gehört dazu, dass in einer Partnerschaft jeder ein bisschen seine Freiheiten hat und man im Berufsleben flexibel sein muss. Mein Mann ist zum Beispiel beruflich gerade eine Woche in China, das ist auch in Ordnung. Momentan arbeite ich von Montag bis Donnerstag, habe also ein langes Wochenende. Das ist recht entspannt und ich kann in Ruhe Freunde treffen.

 

Die flexiblen Arbeitszeiten sehe ich als Vorteil, wenn ich mal Kinder habe: Dann kann ich zum Beispiel sagen, ich komme nur Dienstag und Mittwoch an den Vormittagen. Das geht natürlich nicht, wenn die Auftragsarbeit an einem Ort ist, der schlecht zu erreichen ist. 

 

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

  •  
  • Die Standardfrage auf Partys ist wirklich immer: Das kann man studieren? Es ist eben nicht der 08/15-Beruf. Danach fragen die meisten, an welchen Kunstwerken man schon gearbeitet hat. Mit einem Da Vinci kann ich dann leider nicht dienen.

 

 

Hier erzählen junge Menschen von ihren Jobs

Zur Startseite

Die besten Geschichten von jetzt -

täglichen Newsletter bestellen

oder auf WhatsApp abonnieren