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Was der Terror mit uns macht

Ergebnisse dieser Jugendstudie zeigen: Wir bleiben optimistisch, sorgen uns aber mehr wegen der Zuwanderung.
Von Charlotte Haunhorst
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    Foto: una knipsolina / photocase

Der Juli 2016 war ein schlimmer Monat. Der Terroranschlag am Nationalfeiertag in Nizza, der Angriff in einer Regionalbahn bei Würzburg, der Anschlag auf ein Musikfestival in Ansbach, der Amoklauf in München. Fünf Gewalttaten in Deutschland und Frankreich gab es im Juli. In den Medien waren auf einmal Meldungen wie "Der islamistische Terror ist in Deutschland angekommen" zu lesen, Regierungen verkündeten Sofortmaßnahmen, um zukünftige Anschläge zu vereiteln. Gefühlt war die Welt ein Stückchen unsicherer geworden – aber ist dieses Gefühl auch messbar?

 Die europaweite Jugendstudie "Generation What", die seit März dieses Jahres knappm 900.000 junge Menschen zwischen 18 und 34 zu ihrer Lebenssituation befragt hat, überprüft genau das. Mithilfe des Sinus-Instituts konnte ausgewertet werden, inwiefern junge Deutsche wegen der Terroranschläge mehr Zukunftsängste oder Sorgen wegen der Zuwanderung haben.

  • Statistik über Zustimmung zur Zuwanderung vor und nach den Anschlägen im Juli
    Generation What / Sinus-Institut

Und damit jetzt nicht alle in kollektive Depressionen verfallen, die gute Nachricht zuerst: Unser Blick auf die Zukunft ist durch die Anschläge nicht getrübt. So gaben auf die Frage "Wenn du an die Zukunft denkst, bist du eher optimistisch oder pessimistisch?" vor den Anschlägen 56 Prozent der Teilnehmer an, eher optimistisch zu sein – dieser Wert blieb auch nach den Anschlägen gleich. Nur die 18- bis 19-Jährigen zeigten sich durch die Anschläge etwas unsicherer über ihre Zukunft. Auch glaubt weiterhin knapp ein Drittel, dass unser Leben besser wird als das unserer Eltern.

 

Kritischer zur Zuwanderung aber mehr Vertrauen in die Polizei

 

Was sich hingegen seit den Anschlägen messbar verschlechtert hat, ist die Haltung junger Menschen zu Zuwanderung. Antworteten vor den Anschlägen noch 78 Prozent auf die Aussage "Zuwanderung von Menschen aus anderen Ländern bereichert unsere kulturelle Vielfalt" mit "stimmt", waren es danach nur noch 73 Prozent. Aber auch hier muss man differenzieren: Ältere Menschen zeigten sich von den Anschlägen weniger verunsichert als junge, Männer stärker als Frauen. Und auch der Bildungsgrad ist entscheidend: Menschen mit Universitätsabschluss halten Zuwanderung weiterhin für eine kulturelle Bereicherung (87 Prozent Zustimmung vor den Anschlägen, 85 Prozent danach) während Menschen mit niedrigerer Bildung nur noch zu 67 Prozent dieser Aussage zustimmten - sieben Prozentpunkte weniger als vor den Anschlägen.

 

Gleichzeitig gaben 18 Prozent der Befragten nach den Anschlägen "Zuwanderung" als einen der drei Punkte an, der ihnen derzeit am meisten Sorgen bereite, wobei insbesondere Männer und junge Menschen sich hier bedroht fühlen. Vor den Anschlägen nannten nur 15 Prozent Zuwanderung als eine ihrer größten Sorgen. Auch die Antworten auf die Frage nach offenen Grenzen in Europa haben sich durch die Terrorgefahr leicht verändert. Zwar ist sich der junge Teil der Bevölkerung immer noch einig, dass es offene Grenzen geben soll. Nur drei Prozent wollen "niemanden ins Land lassen". Allerdings zeigt sich auch hier eine leichte Verunsicherung durch die Anschläge: Nur noch 35 Prozent finden, wir sollten unsere Grenzen für Kriegsflüchtlinge öffnen, 31 Prozent finden eine Öffnung "für alle" richtig. Das sind jeweils drei Prozentpunkte weniger als vor den Anschlägen.

 

Angst vor sozialen Unruhen steigt

Was sich ebenfalls verändert hat, ist das Vertrauen junger Menschen in die Polizei - überraschenderweise allerdings in die positive Richtung. Gaben vor den Anschlägen 14 Prozent an, der Polizei "völlig" zu vertrauen, waren es danach 19 Prozent. Das Sinus-Institut zieht daraus die Schlussfolgerung, dass viele junge Menschen mit der Arbeit der Polizei bei den Attentaten zufrieden waren.

  • Die drängendsten Ängste und Sorgen
    Generation What / Sinus-Institut

Gefragt nach den aktuell drängendsten Sorgen gaben die meisten "soziale Unruhen" an - nach den Anschlägen waren das zeitweise sogar 41 Prozent. Das Sinus-Institut vermutet dahinter die Befürchtung, dass der Umgang mit der Terrorbedrohung die Gesellschaft spalten könne. Eine Angst, die so mancher vielleicht bei der Kneipendiskussion oder auf der Familienfeier schon als dieses ziemlich ungute Gefühl gespürt hat.

Generation What  ist die größte europaweite Jugendstudie, die es je gab. Durchgeführt wird sie von einer Gruppe europäischer Rundfunksender, in Deutschland sind das der BR, der SWR und das ZDF. Erwartet werden etwa eine Million Teilnehmer aus ganz Europa.  Auch wir sind als Kooperationspartner daran beteiligt und begleiten die Studie mit Berichterstattung und  Geschichten.

 

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