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Laut ist Trumpf

Sind Donald Trumps rassistische Witze Absicht? Könnte man sich so einen wie Trump ausdenken, wenn es ihn nicht gebe? Das fragten wir Ralf Kabelka, Gag-Schreiber und Comedy-Autor bei der "heute-show".
Von Friedemann Karig
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    Foto: Reuters

Donald J. Trump ist laut. Seit der schwerreiche Unternehmer seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2016 verkündete, liefert er jede Woche einen politisch inkorrekten Aufreger. Oder wenigstens eine saftige Beleidigung. Und das Netz gießt so genüsslich Spott über ihn, dass der Guardian Trump als "greatest meme generator that god has ever created" bezeichnete.

Also: Was ist mit dem? Was kann der? Warum ist der so unterhaltsam?

 

Ralf Kabelka war Redaktionsleiter der "Harald Schmidt Show" und ist derzeit Reporter und Autor bei der „heute-show“ (ZDF). Als Dr. Udo Brömme schlüpfte er selbst in die Rolle eines machtgeilen Politikers. Wenn einer diesen Donald Trump erklären kann, dann er. Kabelka als Dr. Udo Brömme in Berlin:

jetzt.de: In letzter Zeit kommt man an Donald Trump nicht vorbei. Wie kann der, obwohl er noch nicht einmal als republikanischer Präsidentschaftskandidat nominiert wurde, so präsent sein?

Ralf Kabelka: Indem er sich auf allen möglichen Kanälen zu allen möglichen Themen äußert. Und eher selten zu Politik. Wenn er Ernährungsphilosophie twittert wie "I´ve never seen a slim person drink diet coke" oder sich mit einem Satz wie "Robert Pattinson should not take back Kristen Stewart. She cheated on him like a dog & will do it again--just watch“, dann ist Aufmerksamkeit garantiert. In Deutschland könnte man sich so etwas höchstens von Norbert Blüm vorstellen.

 

Aber warum ignoriert man den Mann nicht einfach?

Weil diese Aufmerksamkeit allen nutzt. Wenn er Heidi Klum als "not a 10 anymore" bezeichnet, und sie mit einem Video antwortet, in dem sie sich als „9,99“ darstellt, dann profitieren alle Akteure in dieser Aufmerksamkeitsökonomie von seiner Rüpelhaftigkeit. Die ihnen ja, übrigens auch einer Zeitung wie der Süddeutschen, erst ein Thema gibt.

 

Und für Ihre Kollegen ist er doch ein Gottesgeschenk.

Natürlich sind die amerikanischen Gag-Schreiber glücklich, Trump zu haben. Sie müssen nur jede Woche die besten Aussagen zusammenschneiden. Beispielsweise: "Watching the sky is like eating ice cream on a rollercoaster made of blowjobs." Oder seine Haare! Allein davon lebt das halbe amerikanische Comedy-Business seit Jahrzehnten. Und wir? Wir haben Andrea Nahles.

 

Die immerhin mal Pippi Langstumpf singt. Aber sogar politische Kontrahenten scheinen von ihm so provoziert zu werden, dass sie ihn nicht ignorieren können.

Senator Lindsey Graham, dessen Telefonnummer Trump öffentlich verlesen hatte, entblödete sich nicht, ein Video zu veröffentlichen, in dem er sein heißgelaufenes Handy zertrümmert. Trump ist aber vor allem deshalb so viral, weil seine Attacken zwar inhaltlich fragwürdig, an sich aber oft einfach originell und lustig sind. Und sicher nicht aus Versehen passieren. Sondern wohl gesetzt werden.

 

Sie glauben, jemand schreibt ihm diese Punchlines? Wie den rassistischen Satz, dass die in den USA lebenden Mexikaner kriminell wären und Vergewaltiger, manche aber auch nette Kerle?

Gut möglich. Solche Aussagen sind so eindeutig, kalkulieren so gezielt die Medienresonanz und passen zu dem bisschen politischen Programm, das man von ihm kennt, dass ich nicht glaube, dass es unüberlegte Ausraster sind. Das zielt ja auch auf ein Wählerpotenzial im Mittleren Westen, die so etwas gerne hören.

Politisch fordert er unter anderem eine zehn Meter hohe Mauer, "The Wall" oder womöglich sogar "Trump Wall" genannt, zwischen den USA und Mexico, die das Immigrationsproblem lösen soll.

Und neuerdings sagt er kackfrech, dass das Mexikaner-Zitat aus dem Zusammenhang gerissen wurde, obwohl die Belege ziemlich eindeutig sind. Ganz dreiste Nummer. Würde sich ansonsten niemand trauen. Außer Horst Seehofer im ZDF-Sommerinterview.

 

Aber was macht Trump im Gegensatz zu Seehofer irgendwie doch lustig?

Trump, dieser Bulldozer, zieht seine Komik aus der Konsequenz seiner Regelverletzungen. Er rudert eigentlich nie zurück. Wie bei seinen frauenfeindlichen Äußerungen, wo statt einer Rechtfertigung oder gar einer Entschuldigung irgendwann nur ein "was soll's?" kommt.

 

Seine Komik scheint ihm aber wirklich politisch zu nutzen, oder täuscht das? Liegt er trotz oder gerade wegen seinen Entgleisungen zwölf Prozentpunkte vor allen anderen republikanischen Kandidaten?

Es gibt genug Blöde, die das nicht nur lustig, sondern wirklich toll finden. Seine hohen Popularitätswerte zeigen: Viele würden ihn unterstützen, und wenn nur um einen Feind des Establishments weiter gegen dessen Regeln verstoßen zu sehen. Auch aus Frust über die etablierten Politiker. Und als Spaßpolitiker, von dem man weiter unterhalten werden will.

 

Will man ihn nicht auch Scheitern sehen?

Das ist ein eher deutscher Gedanke, weil wir solche Großmäuler nicht mögen. Viele Amerikaner schätzen ihn als angeberischen, aber mutigen Antagonisten einer politischen Korrektheit, für die er – ein weiteres Bonmot – "keine Zeit" hat. Endlich mal einer, der die Schnauze aufmacht, die anderen Loser als Loser bezeichnet, mit seinen Milliarden prahlt.

 

Kann man also zu seiner Ehrenrettung wenigstens sagen, da ist einer mal "ehrlich"?

Ja. Auch in Deutschland gibt es ja immer wieder den Ruf nach Politikern mit mehr Ecken und Kanten. Die liefert er, keine Frage.

 

Wäre ein solcher Typ in Deutschland, wie Sie mehrmals angedeutet haben, nicht vorstellbar?

Die Lust am Typ Haudrauf gibt es hier auch. Wir haben ja auch einen Dieter Bohlen oder Robert Geiss. Wobei das gegenüber Trump wiederum ziemliche Loser sind, insofern man vom Einkommen ausgeht. Und Bohlen nur arme Teenager auseinander nimmt, die nicht singen können. Die politische Entsprechung zum Unternehmer Trump wäre eher Wolfgang Grupp von Trigema, der aber ein viel zu netter Kerl ist. Oder damals ein Franz Josef Strauss, egal was für ein Hund er wohl gewesen ist. Der schimpfte sehr unterhaltsam auf Studenten: "Dreckige Vietcong-Anhänger, die öffentlich Geschlechtsverkehr betreiben".

 

Könnte man denn solch eine Figur, deren Name auch noch "Trumpf" bedeutet, auf der dünnen Grenzlinie zwischen Realität und Satire eigentlich besser schreiben?

Es wäre einen Versuch wert. Manche deutschen Medien würden so einen "endlich sagt's mal einer!"-Kerl vermutlich feiern. Und die Pegida-Idioten und "Mainstreammedien"-Gegner bekämen ihre Lichtgestalt. Vielleicht lässt man es also besser.

 

Einen Autoren der New York Times, der ihn nur als Multi-Millionär, nicht als Milliardär bezeichnete, verklagte Trump wegen Diffamierung auf fünf Milliarden Dollar. Würde man sich als Comedy-Autor überhaupt trauen, so etwas Absurdes auch nur zu denken?

Gute Frage. Man mag Sachen nicht, wenn sie zu gestellt sind. Und dieses Prahlen mit Geld ginge jedenfalls nur im protestantischen Amerika. Man müsste also schon sehr geschickt vorgehen.

 

Die wichtigste Frage zum Schluss: Würde sich Til Schweiger mit ihm treffen?

Nein. Zwei Populisten auf einem Haufen, das ginge nicht gut. Und unser Til ist dann doch zu geerdet für diesen abgehobenen Multimilliardär.

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