Kann man mit überzeugten Trump-Anhängern reden?

Die Late Night-Talkerin Samantha Bee hat es zumindest versucht.
Von Christina Waechter
Bild: ap/Jason Decrow

Frage: Geht das, mit überzeugten Anhängern des republikanischen Kandidaten Donald Trump reden, als Vertreter der sogenannten liberalen Medien-Elite? Antwort: Das geht. Aber man muss den Gesprächspartnern versprechen, im Anschluss an das Interview eine (kostenlose) Party zu schmeißen. Samantha Bee hat sich mit zehn jungen, gebildeten, attraktiven Trump-Fans zusammengesetzt und versucht zu verstehen, was diese Menschen an dem Mann mit der Föhnfrisur so fasziniert. Ohne jetzt zu viel vorwegnehmen zu wollen: Es gelingt ihr nur schwer, die Fassung zu wahren. 

Nicht nur im Gespräch mit überzeugten Trump-Fans zeigt Samantha Bee ihre Nehmer-Qualitäten. Alleine die Existenz ihrer Show ist ein Zeugnis der Hartnäckigkeit dieser Frau. Denn dass eine Frau überhaupt eine Late-Night-Talkshow moderiert, ist auch 2016 noch eine absolute Nachricht wert. Auch wenn sie, wie Bee, zuvor zwölf Jahre lang als "Correspondent" für Jon Stewarts "Daily Show" gearbeitet hat.

In Amerika ist die Besetzung eines vakanten Late Night-Talk-Postens nämlich in etwa so wichtig wie die des Bundestrainers in Deutschland. Jeder hat eine Meinung und hält sich für befugt, diese auch mit allen zu teilen. Als der jungenhafte Dauergrinser Jimmy Fallon Jay Leno bei der "Tonight Show" beerbte, wurde das in den USA so kontrovers diskutiert wie hierzulande ein Einsatz von Lothar Matthäus als Trainer der Nationalmannschaft.

Und als Jon Stewart seinen Job als Late-Night-Host der "Daily Show" aufgab, zerbrach sich das halbe Land den Kopf über seine Nachfolge. Ein Thema wurde dabei ganz besonders intensiv diskutiert: Die Tatsache, dass der Job auch heute noch fast ausschließlich von Männern übernommen wird. Dieser Anachronismus, kombiniert mit der Nachricht, dass Amy Schumer ("Dating Queen") ein Angebot für die Moderation bekommen und sofort abgesagt hatte, führte zu einer intensiven öffentlichen Diskussion: Liegt es am Format? Sind sich Frauen zu schade dafür, täglich 14 Stunden zu arbeiten? Oder liegt da eine strukturelle Diskriminierung vor?

Tatsache ist, dass von den knapp 60 Show-Hosts, die es seit Erfindung des Formats in den USA gab, nur sechs weiblich waren (und von denen schaffte es alleine Chelsea Handler auf mehr als zwei Staffeln). Und es sah lange Zeit nicht danach aus, als stünde da eine große Revolution an, auch wenn weibliche Comedians in den vergangenen Jahren auf anderen Gebieten große Erfolge gefeiert haben. Im Kino liefen "Dating Queen", "Taffe Mädels“ und "Brautalarm" sehr erfolgreich – mit Frauen in der Hauptrolle. Fernsehserien wie "Broad City", "30 Rock" oder "Unbreakable Kimmy Schmidt" haben alle weibliche Protagonisten und liefen, beziehungsweise laufen sehr erfolgreich. 

Samantha Bee ist nun vielleicht die erste ernstzunehmende weibliche Stimme im Chor der Late Night-Talker – wenn auch nur einmal wöchentlich. Samantha Bee geht mit ihrer Show "Full Frontal With Samantha Bee" jeden Montagabend zur besten Late-Night-Sendezeit um 22:30 Uhr auf Sendung und widmet sich politischen, gesellschaftlichen und relevanten Themen.

Wie der Titel ihrer Show schon vorspricht, ist Bee kein Kuschel-Host, der lockere Interviews mit Schauspielern führt, die gerade einen Film oder ein Produkt vermarkten müssen. Dieses typische Format kommt in ihrer Show nicht vor. Statt dessen nimmt sie sich, ähnlich wie Jon Oliver (übrigens ebenfalls ein ehemaliger "Daily Show-Correspondent“) politisch relevanter Themen an und bereitet sie so auf, dass man trotz der oft schockierenden Erkenntnisse über die Welt da draußen sehr viel lachen kann.

Ihre Themen sind sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, der Umgang der USA mit syrischen Flüchtlingen oder die Versuche konservativer Politiker, das Recht auf Abtreibung weiter einzuschränken. Bei all diesen Themen hat Bee immer eine klare, meist liberal-feministische Weltsicht.  Sie konfrontiert Interview-Gäste mit offensichtlichen Falschaussagen, führt konfrontative Interviews mit Politikern – oder versucht, wie in der aktuellen Ausgabe ihre Sendung, überzeugte Trump-Anhänger zu verstehen.

Samantha Bees Format ist für viele die große Hoffnung, dass sich da vielleicht schön langsam eine Trendwende abzeichnen könnte. 

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