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Mädchen, was würdet ihr machen, wenn ihr einen Bart hättet?

Rasieren, trimmen, färben, wachsen?
Von Friedemann Karig und Nadja Schlüter
  • frauen baerte cover
    Foto: emlugafi / photocase.de

Liebe Mädchen,

 

Neulich habt Ihr uns gefragt, welche Frisuren wir gerne hätten, wenn wir Mädchen wären. Und der Kollege hat darauf eine wunderbare lustige, tolle Antwort geschrieben. Jetzt drehen wir den Spieß, oder besser gesagt das Haar einmal um. Denn: Männer haben Bärte. Frauen nicht. In aller Regel. Und mit einem Bart, insofern er halbwegs regelmäßig und deckend wächst, kann man einige ulkige Dinge anstellen. 

 

Nur, wenn etwas so selbstverständlich ist wie Haarwuchs an, nun ja, für uns selbstverständlichen Stellen, dann nutzt sich diese Sensation ab. Aber stellt Euch mal vor, ihr hättet einen Bart. Einen schönen, zur Haarfarbe passenden, die Backen und das Kinn und den Hals und den namenlosen Teil zwischen Oberlippe und Nase bedeckenden Haarteppich. Den Ihr rasieren, trimmen, färben und wachsen lassen könnt. Wie. Ihr. Wollt.

 

Was würdet Ihr so gesichtsmäßig auftragen?

 

Sehr interessiert: Eure Jungs.

  • maedchenfrage

 

Liebe Jungs,

 

anfassen. So lautet die erste und kürzeste Antwort. Wenn wir plötzlich Jungs wären und einen Bart hätten, würden wir diesen Bart erstmal die ganze Zeit anfassen. Um endlich zu wissen, wie sich das anfühlt, raues Haar im Gesicht zu haben. Oder Haut, aus der raues Haar wächst und die deswegen so ein bisschen schmirgelpapiermäßig ist. Immer wieder würden wir da drüberfahren, mit der ganzen Hand und mit nur den Fingerspitzen und mit dem Handrücken auch, und dabei „Aaah“ und „Oooh“ sagen. Und als nächstes: angucken. Auch ganz viel.

 

Im Folgenden würden wir ihn dann erstmal wachsen lassen, den Bart. So lang und so weit wie es geht. Und unseren Bartwuchs mit dem der anderen Herren vergleichen: dichter? Dünner? Kringeliger? Filziger? Wenn er dann endlich lang wäre, würden wir darauf achten, wie sich die Umgebung zum Bart verhält. Damit meine ich jetzt nicht, wie unsere Mitmenschen darauf reagieren würden (wobei: das auch), sondern, was zum Beispiel passieren würde, wenn wir Kartoffelsuppe löffeln oder grade extremer Pollenflug ist. Wie viel wir dann von all den Sachen später im Bart wiederfänden. Überhaupt würden wir versuchen, Sachen darin oder darunter zu verstecken. Wir würden den Bart anheben und daran riechen und uns damit selbst an der Nase kitzeln. Und dann würden wir bei Minusgraden ganz schnell Fahrrad fahren, bis uns die Nase vor lauter Kondenswasser liefe, das dann in unserem Bart zu Eistropfen und -zapfen gefröre.

 

Wir würden uns natürlich Bartpflegeprodukte kaufen, einfach, weil das die einzige Pflegeproduktekategorie ist, die wir sonst nie benutzen können. Wir würden dann ölen und  shampoonieren und kämmen, vielleicht auch erst mal nur die eine Hälfte, und danach Millimeter für Millimeter überprüfen, wie viel weicher und geschmeidiger die gepflegte Seite dann wäre. Anschließend würden wir noch ein paar Frisuren ausprobieren. So einen geflochten Zopf unterm Kinn und so Zwirbel rechts und links am Schnauzer. Nur färben würden wir nicht – wir sind ja nicht bekloppt und lassen irgendwelches chemisches Färbemittel in die Nähe unserer Gesichtshaut! Die ist ja immerhin keine Kopfhaut! Stattdessen würden wir etwas kochen und dabei so eine Barthaube tragen, damit keine Haare ins Essen fallen.

 

Barbiere sind für uns das, was für euch Gynäkologen sein müssen

 

Dann käme die große Rasur. Die aber eher in kleinen Schritten verliefe. Denn wir würden natürlich unbedingt ausprobieren wollen, was ihr alle auch schon mal ausprobiert habt: Jede erdenkliche Art von Bartfrisur mal ein paar Minuten stehen lassen, im Spiegel bewundern und lustige Selfies machen, die wir an alle unsere Freunde schicken. Den scharfkantig getrimmten Vollbart. Den Abraham-Lincoln-Bart. Den Backenbart. Den Henriquatre. Den Musketier-Bart. Den Porno- und den Super-Mario-Schnauzer. Den Ziegenbart. Vorher würden wir natürlich eine ausgefeilte Chronologie erstellen, damit wir uns nicht aus Versehen die Möglichkeit einer Variante schon wegrasieren, während wir gerade eine andere erstellen.

 

Dann würden wir ihn wieder wachsen lassen. Und uns einen Tick angewöhnen: Beim Nachdenken würden wir uns immer durch den Bart fahren. So ganz erwachsen und intellektuell. Aber eigentlich würden wir den Bart nur noch mal wachsen lassen, um dann nicht selbst zu rasieren, sondern zum Barbier zu gehen. Barbiere finden wir spannend, weil das Menschen sind, zu denen wir nie gehen. Ungefähr das, was für euch Gynäkologen sein müssen. Und, weil Barbiere früher auch Aderlässe und Zahnbehandlungen durchgeführt haben. Irrer Beruf also! Vom Barbier würden wir uns dann verwöhnen lassen. Oder quälen. Eigentlich wissen wir gar nicht so genau, was ein Barbier macht. Eben drum wollen wir dort hin und danach gut gepflegt und duftend – aber vielleicht auch mit Schmerzen? – wieder rauskommen.

All das gilt natürlich nur, wenn wir Jungs mit guten Bartwuchs wären. Darauf zielte eure Frage ja offensichtlich auch ab. Denn wenn wir Jungs mit spärlichem Bartwuchs wären, würden wir nur eins machen: uns regelmäßig rasieren. Und niemals versuchen, uns einen Vollbart stehen zu lassen. Gescheiterte Vollbartversuche finden wir nämlich unendlich traurig.

 

So also wäre das, wenn wir einen Bart hätten. Und falls ihr auch noch eine Antwort auf die Frage wollt, was wir machen würden, wenn wir Mädchen blieben, aber trotzdem einen Bart hätten: Dann würden wir uns entweder ebenfalls regelmäßig rasieren – oder einfach so fly sein wie Harnaam Kaur.

 

In den Bart gemurmelte Grüße,

 

eure Mädchen

 

 

Noch eine Frage, die dringend eine Antwort braucht: 

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