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Jungs, wieso liebt ihr Outdoor-Läden so sehr?

Sind die euer Pendant zu unseren geschätzten Drogeriemärkten?
Von Teresa Fries und Christian Helten
  • Outdoorladen
    Illustration: Federico Delfrati

Die Jungsfrage:

 

Liebe Jungs,

 

ich binge-höre zurzeit einen Männer-Podcast. Quasi zu Fortbildungszwecken. Produziert von zwei Typen, die einfach darüber reden, was sie so denken (vor allem über Frauen), welche Probleme sie haben (meistens mit Frauen) und was ihre Ziele sind (die Traumfrau finden, die eigentlich ihr bester Kumpel ist, aber halt in super heiß und nicht zu langweilig im Bett).

 

Und während ich letztens beim Hören mal wieder überlegt habe, ob ich langsam einen Eindruck davon bekomme, wie Männer wirklich so sind oder ich mir mein Männerbild einfach gerade für immer verderbe, da sagte der eine etwas, was ich interessant fand: dass es ihn total entspannt und glücklich stimmt, in Outdoor-Läden zu gehen.

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal in so einem Laden war, es ist schon ziemlich lange her. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es am Ende einer gemischtgeschlechtlichen Einkaufstour war und zum ersten Mal an dem Tag die Mädchen verständnislos auf den Stühlen für gelangweilte Shoppingbegleitungen saßen. Für mich sind Outdoor-Läden null entspannend. Sie machen mir ein schlechtes Gewissen, weil sie mich daran erinnern, was ich alles nicht mache und nicht kann. Das Gefühl ähnelt sehr dem, das man hat, wenn man sich nach der Arbeit an seinem Fitnessstudio vorbeischleicht anstatt reinzugehen.

 

Eine kurze Umfrage hat ergeben: Viele Freundinnen kennen das auch. Jungs, die nur mit in die Stadt fahren, wenn ein Outdoor-Shop auf dem Weg liegt oder zumindest ein großer Sportladen, in dem es auch solche Sachen gibt. Jungs, die „nur mal kurz“ in den Globetrotter gehen und auf die Frage, was sie denn brauchen, mit „nur mal schauen“ antworten.

 

Und da werden wir Mädchen misstrauisch, weil ihr sonst nie „nur mal schaut“. Ihr braucht eine Hose, ihr geht in einen Hosenladen, ihr kauft eine Hose, ihr kommt nach Hause mit einer Hose. Nicht mit einer Hose und ein paar Socken und einer Mütze. Ihr habt schließlich nur eine Hose gebraucht. Wenn ihr aber „nur mal kurz“ bei Jack Wolfskin vorbeischaut, dann kommt ihr zwei Stunden später mit einer Tasche voller Kram wieder, bei dem ihr überzeugt seid, dass alles mega praktisch ist – nur für was, weiß keiner so genau.    

 

Und als ich mich noch wundere, was denn mit euch los ist und wo der Reiz sein könnte, an einem Laden voller Seilen, Schlafsäcken und Klamotten, die genauso teuer wie unansehnlich sind (ich sag nur: Cargohosen mit abtrennbaren Beinen!), da fällt mir die Jungsfrage von vor ein paar Wochen ein: Mädchen, warum liebt ihr „dm“ so sehr? Da wolltet ihr euch erklären lassen, wie wir so freudig mit unseren Körbchen durch die Regale streifen können, wo euch nur die lästige Pflicht hintreibt, wenn die letzte Rolle Klopapier zur Neige geht. Löst in euch ein Jack-Wolfskin-Laden ähnliche Gefühle aus, wie eine Drogerie bei uns? Kauft ihr euch Überlebensschnickschnack, den ihr nie benutzen, geschweige denn brauchen werdet, so wie wir uns den professionellen Lockenstab kaufen, mit dem wir nicht umgehen können? Sind kleine Karabinerhacken eure Haarspangen: Nimmt man jedes Mal mit, weil man sie ständig verliert? Jungs, sind Outdoor-Läden euer „dm“? Weil wenn ja, dann warten wir doch beim nächsten Mal gerne noch etwas geduldiger auf euch.

Eure Mädchen

 

Die Jungsantwort:

  • jungsfrage text

Liebe Mädchen,

 

Ich habe zur Vorbereitung dieser Antwort noch mal eure Antwort zum dm gelesen. Und ich muss euch vorwarnen: Ganz so viel Liebe kann ich da definitiv nicht geben. Nicht, wenn ich für mich persönlich spreche, und auch nicht, wenn ich für die Gesamtheit der Jungs spreche. Vermutlich haben ganz grundsätzlich doch wesentlich mehr Mädchen ein großes Interesse beziehungsweise großen Spaß an Kosmetika als Jungs davon träumen, den Kilimandscharo zu erklimmen.

 

Wobei der Kilimandscharo eigentlich ein schlechtes Beispiel ist. Denn um das Erklimmen von Mehrtausendern geht es bei unseren Outdoor-Laden-Ausflügen nicht. Jedenfalls nicht primär.

 

Der Outdoor-Laden oder das gut sortierte Sport-Kaufhaus mit Kletter- und Survival-Abteilung spricht in uns Jungs verschiedene Rezeptoren an. Diese Geschäfte haben einiges, was uns auf unterschiedlichen Ebenen anfixt, und sogar unterschiedliche Jungs-Typen mit unterschiedlichen Reizen lockt. (Funktioniert trotzdem nicht bei allen, viele von uns sind ja auch vollkommen unsportliche Couchpotatoes, für die schon der Gang zum Supermarkt um die Ecke einer Feuerland-Expedition gleicht.)

 

Erst mal das Offensichtliche, du hast es selbst angesprochen: In einem Outdoor-Laden ist nichts schön. Auch wenn sich da viel getan hat in den vergangenen Jahren, haben die wenigsten Produkte da was mit Style und Coolness und Design zu tun. Euch schreckt das ab. Uns zieht es an. Wenn ich gedanklich durch die Münchner Innenstadt schweife, sind die Outdoor-Läden die einzigen (außer vielleicht dem Schrauben-Preisinger), in denen es ausschließlich um Praktisches geht. Hier zählt nur, ob und wie Dinge funktionieren. Wie sie aussehen, ist zweit- bis drittrangig.

 

Du hast uns als Menschen beschrieben, denen es widerstrebt, Schöne-Dinge-Shopping zum Spaß zu betreiben. Solchen Menschen kommt ein Outdoor-Laden sehr entgegen. Da gibt’s nur Dinge, die man braucht. Das ist so wohltuend im Vergleich zu all den H&M-Zara-Höllen, wo einem jede Saison irgendwelche Mikro-Veränderungen der Hosen-Schnitte als unfassbar angesagt angepriesen werden und wo an jeder Ecke noch ein Accessoire wartet, das man bitte brauchen soll! Im Outdoor-Laden hingegen ist alles schön strikt nach seinen Funktionen geordnet: Da hängen an einer Kleiderstange die Daunenjacken, und darüber steht ein Schild: „Daunen“. An der Kleiderstange daneben hängen Füllfaser-Jacken, und darüber steht „Füllfaser“. Und wenn man einen Verkäufer fragt, welche man denn vermutlich braucht für sein Vorhaben, passiert was, das ihr aus eurer Shoppinghölle bestimmt nicht kennt: Es gibt einen Unterschied! Einen wirklichen, echten Unterschied! Und der Verkäufer kann ihn plausibel erklären! Wie schön ist das denn bitte?!

 

Der Outdoor-Laden erwischt uns also bei einer Schwäche, die wir Jungs tief in uns drin alle haben: Wir mögen Dinge, die funktionieren. Das erfüllt uns mit Freude. Und das klappt sogar bei denen von uns, die das selbst gar nicht von sich behaupten würden: Neulich fuhr ein sehr stilbewusster und durchaus auf sein Aussehen bedachter Freund auf einen Trip nach Lappland, wo es Minus 20 Grad oder so hatte. Und er postete mit großer Begeisterung Fotos von sich in einer unförmigen, grünen Funktions-Daunenjacke. Sogar ihn hat’s erwischt.

Deshalb ist es auch zweitrangig, ob wir die Dinge im Outdoor-Laden wirklich brauchen. Uns reicht es oft schon, sie anzuschauen. Und sie zu verstehen. Weil die kleinen Ingenieure in uns sich über all die Tüfteleien freuen können, die sie dann entdecken: die Materialien in den Superleicht-Zelten, die noch reißfesteren Seile und das kleine Feature an irgendeinem Kanupaddel, das auf den ersten Blick sinnlos wirkt, auf Nachfrage aber nobelpreiswürdig genial erscheint, weil es auf so krass kluge Art das Leben eines Kanuten leichter macht.

 

Und wenn wir sowas verstehen, ja, spätestens dann springt noch der letzte Outdoor-Rezeptor in uns an: die Abenteuerlust. Denn in solchen Momenten fühlen wir uns den Typen ein bisschen näher, die auf den Bildern in solchen Läden mit nacktem, sonnengebräunten Drahtoberkörper an einem Arm von einem Felsüberhang baumeln und in die Weite des Tals unter ihnen blicken. Tief in uns drin wollen wir nämlich schon alle ganz gerne ein bisschen so sein wie die. Und um ein bisschen von dem Gefühl mitzunehmen, kaufen wir uns dann vielleicht einen Powerriegel oder einen kleinen Outdoor-Schnickschnack.

 

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