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Durch Smartphones lachen wir öfter alleine

Und in manchen Situationen nervt das richtig.
Von Katharina Mau
  • lachen
    Illustration: Katharina Bitzl; Foto: UlrikeA/photocase.de

Manchmal höre ich meinen Mitbewohner laut lachen. Durch die Wand hindurch. Das Seltsame: Er ist dabei oft alleine und ich frage mich, was er so komisch findet. Es irritiert mich generell, wenn Leute alleine lachen. Denn Lachen ist doch etwas Soziales. Etwas, das man gemeinsam tut, etwas, das auch Sympathie transportiert. Nicht umsonst sagt man, dass das Lachen anderer Menschen ansteckend ist.

Doch ich habe das Gefühl, dass viele gerade wegen ihrer Smartphones immer öfter alleine lachen. Sie sitzen in der U-Bahn und scrollen sich durch ihre Feeds. Vielleicht hat jetzt gerade ein lustiges GIF geteilt oder in der Freunde-Gruppe auf WhatsApp schickt jemand das „witzigste Video überhaupt“, dessen Humor sogar ohne Ton funktioniert. Und schon sitzt da jemand in der U-Bahn, den Blick auf den Handybildschirm gerichtet, und lacht.

 

Ich habe bemerkt, dass ich das nicht nur komisch, sondern manchmal sogar nervig finde. Und ich frage mich, warum. Kann doch jeder lachen, wann er will. Was stört mich daran und in welchen Situationen?

 

Das Lachen anderer nervt, wenn es leise sein sollte

 

Erstens: wenn es eigentlich leise sein sollte. In der Bibliothek oder im Ruheabteil des Zugs. Wenn ich dort sitze, möchte ich mich konzentrieren, vielleicht an etwas arbeiten. Wenn dann jemand lacht, ist das ein bisschen wie Schnarchen. Es stört nicht nur der Geräusche wegen, sondern auch, weil ich mich insgeheim über die lachende Person aufrege und schon ärgerlich gespannt darauf warte, dass der nächste Lacher kommt.

 

Die zweite Situation, in der Lachen nervt, wird deutlich, wenn man an ein Umfeld denkt, in dem es absolut unangebracht ist. Zum Beispiel in der Kirche während der Predigt oder bei einer Hochzeit, wenn sich zwei Menschen das Ja-Wort geben. Da kann es passieren, dass man wegen irgendeiner Kleinigkeit, wegen eines Gedankens lachen muss. Und gerade weil man in dem Moment überhaupt nicht lachen darf, kann man nur schwer damit aufhören. In diesen Extremsituationen nervt das Lachen offensichtlich, weil es nicht in die Umgebung passt. Was dort gerade passiert, ist nicht lustig, und wenn dann trotzdem jemand lacht, fühlen sich die Hauptpersonen ausgelacht. Oder es wird offensichtlich, dass man mit der Aufmerksamkeit woanders ist.

 

Ähnliche Situationen gibt es in abgeschwächter Form ständig im Alltag. Das kann die Vorlesung an der Uni sein, ein Gespräch mit Freunden oder eine Konferenz. Im Unterschied zur Hochzeit ist es hier schon alltäglich, das Smartphone zu benutzen. Es gehört sogar zum guten Ton, denn es signalisiert: Ich bin total wichtig. So wichtig, dass ich es mir nicht leisten kann, eine Weile nicht erreichbar zu sein oder den Nachrichten-Feed für eine Stunde aus den Augen zu lassen. Wer dann aber lacht, verrät, dass er nicht dringende Mails liest, sondern witzige Memes ansieht. Und damit wirkt man nicht mehr wichtig, sondern unaufmerksam. Man zeigt Desinteresse und gibt dem, der die Vorlesung hält oder eine Idee präsentiert, im schlimmsten Fall das Gefühl, etwas Komisches gesagt oder getan zu haben.

 

Lachen kann irritieren, vor allem dann, wenn einem selbst nicht danach zumute ist

 

Die dritte Situation, in der mich Lachen nervt: Wenn mir selbst überhaupt nicht danach zumute ist. Wenn ich zum Beispiel im Fernbus sitze, die Winterjacke zwischen Kopf und Fenster geklemmt, und die Regentropfen an der Scheibe beobachte. Den Menschen, die dann in der Reihe gegenüber in ihr Smartphone lachen, unterstelle ich, es gar nicht so zu meinen. Ihr Lachen ist so weit weg von meiner momentanen Gefühlswelt, dass es mich irritiert. Und zwar so sehr, dass ich es nicht als authentisch empfinde und deshalb stört es mich. Es ist, als wollten die lachenden Menschen mir etwas vormachen.

 

Es kommt aber auch vor, dass ich eigentlich gerne mitlachen möchte. Ich frage mich, was der andere gerade ansieht und störe mich an der unbefriedigten Neugierde. Vielleicht wünsche ich mir insgeheim, dass mein Sitznachbar mir das Smartphone hinhält und sagt: „Gucken Sie mal, ist das nicht unglaublich witzig?“ Das macht natürlich kein Mensch, und wenn der andere stattdessen alleine vor sich hin lacht, fühle ich mich ausgeschlossen. Da hilft nur nachfragen oder in mein eigenes Smartphone grinsen.

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