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Danke für "Last Christmas"!

Viele verbindet mit dem Song eine Hassliebe. Warum wir George Michael dafür aber dankbar sein sollten.
Von Valérie Müller
  • sde lastchristmas
    Foto: Cover

George Michael ist gestorben. Der britische Popsänger ist am ersten Weihnachtsfeiertag im Alter von 53 Jahren "friedlich zu Hause entschlafen", teilte sein Management mit. Nach David Bowie und Prince verlieren wir damit in diesem Jahr einen weiteren großen Musiker. Die Nachrufe erzählen von seinen großen Erfolgen, erst mit Wham!, dann als Solokünstler, von "Wake Me Up Before You Go-Go" und "Freedom" und von seinen vielen persönlichen Schicksalsschlägen. Das alles war in den 80er und 90er Jahren. Und das erklärt auch, warum unsere Generation damit nicht allzu viel anfangen kann.

 

Das ist aber auch gar nicht weiter wichtig. Zumindest musst du bei der Nachricht von seinem Tod jetzt nicht nachlesen, was er in seinem Leben alles gemacht hat. Denn für eine Sache können wir ihm alle dankbar sein: für „Last Christmas“.

Den Song hat er zwar zusammen mit seinem Schulfreund Andrew Ridgeley rausgebracht, aber geschrieben hat ihn George Michael alleine. Ihm haben wir diesen Song also zu verdanken bzw. wie viele wohl eher sagen würden: Er ist schuld daran, dass das Lied Jahr für Jahr im Radio läuft. Denn mit dem Lied verbindet die meisten eine Hassliebe.

 

Es gibt wohl kaum einen Song, den viele Menschen so einig und innig hassen. Das fängt schon beim naiven Klischee-Weihnachtsvideo an: George Michael und sein Wham!-Partner Andrew Ridgeley feiern ihr Pärchen-Weihnachten mit Freunden auf einer Hütte in den verschneiten Schweizer Alpen. (Diese Frisuren! Diese Klamotten! Haben die das damals wirklich ernst gemeint?)

Dass der Klassiker auf der Liste der nervigsten Songs oft ganz oben landet, liegt aber auch daran, dass er jedes Jahr in Dauerschleife im Radio läuft. Damit auch in allen Geschäften, Cafés, Einkaufspassagen, Autos – also eigentlich überall. Und das meist schon, wenn die Temperaturen noch zweistellig sind und Weihnachten gedanklich noch weit entfernt ist.

Kaum ein Lied prägt das Gefühl von Weihnachten mehr als „Last Christmas“ 

Dann gibt es aber doch diesen kurzen Moment, dieses wohlige Gefühl, das man gleich danach wieder vergisst oder verdrängt, weil man es sich nicht zugesteht. Dieses Bald-ist-Weihnachten-Gefühl. Und für einen Moment schießen Bilder von einem idyllischen Winterausflug in den verschneiten Bergen durch den Kopf. Vielleicht sehnt man sich sogar danach. Wenigstens für einen kurzen Augenblick. Bevor man sich wieder wach rüttelt und der nächste Gedanke sich breit macht: „Oh nein. Jetzt geht das schon wieder los.“

 

Und es geht uns mit ziemlich vielen Dingen an Weihnachten so. Zum Beispiel mit Glühwein. Eigentlich mag man keinen Glühwein. Er ist viel zu süß und zu teuer. Und trotzdem trinkt man ihn in der Weihnachtszeit – wenn auch nur, um damit ein wenig mehr in Weihnachtsstimmung zu kommen. Genau so ist es mit Lebkuchen. Oder auch mit Weihnachtsmärkten. Sie sind viel zu voll und extrem überteuert. Und dennoch verabredet man sich mindestens einmal mit Freunden, um über den Weihnachtsmarkt zu schlendern und dort vielleicht auch einen Glühwein zu trinken, den man eigentlich gar nicht mag. Für die Weihnachtsstimmung.

 

Eben so geht es uns auch mit „Last Christmas“. Vielleicht mögen wir den Song nicht, aber wir hören ihn uns trotzdem an. Für die Weihnachtsstimmung. Kaum ein Lied prägt dieses Gefühl von Weihnachten mehr als „Last Christmas“. Die Föhnfrisuren, das Weihnachtsidyll-Video und der eingängige Refrain sind zum Kult geworden und gehören für uns zu Weihnachten dazu – auch wenn wir das nicht wahrhaben wollen. Nicht umsonst landet der Song aus dem Jahr 1984 jedes Jahr aufs Neue wieder in den Charts. (Aktuell ist er auf Platz 18 der deutschen Single-Charts.)

 

Wer das Original nun aber wirklich nicht mehr hören kann (zumindest fürs erste), der kann sich zur Abwechslung mal die Coverversionen anhören. Zum Beispiel diese hier von Erlend Oye.

Oder diese deutsche Version mit dem geistreichen Titel „Weihnachten“ von Erdmöbel. 

Und vielleicht ist danach ja wieder genug Platz im Kopf für die Originalversion. Es wird Zeit, dass wir uns eingestehen, dass wir an Weihnachten eben auf den Weihnachtsmarkt gehen, Glühwein trinken und „Last Christmas“ hören. Jetzt erst recht. 

 

 

Alle Fakten über "Last Christmas":

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