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Italien könnte den Menstruationsurlaub einführen

Doch ob das so klug ist?
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    REHvolution.de / photocase.com

Wie eine Frau ihre monatliche Periode empfindet, bewegt sich auf einem Spektrum zwischen „ich jogge mit weißen Leggins durch den Werbeclip für supersaugfähige Binden“ und „ich würde mich jetzt gerne hier auf den Badezimmerboden legen und sterben“. Wer unter starken Menstruationsbeschwerden leidet, womöglich gar eine Endometriose hat, leidet oft wie ein Tier – mehrere Tage jeden Monat. Es ist keine Kleinigkeit, wenn einem gefühlt jemand mit dem Gummipömpel die Innereien nach außen saugt, wenn man das Gefühl hat, Messer und Scheren würden sich durch den Bauch fräsen, wenn man kaum noch existieren kann, ohne sich eine Ibuprofen nach der anderen einzuschmeißen.  

 

In Italien wurde jetzt ein Gesetzesentwurf vorgestellt, der Frauen, die nachweislich unter starken Menstruationsbeschwerden leiden, drei Urlaubstage pro Monat gewähren soll. Nach der Argumentation von Simonetta Rubinato, Parlamentsmitglied und eine von vier Initiatorinnen des Gesetztes, sind Frauen, die an starken Menstruationsschmerzen leiden, an diesen Tagen sowieso weniger produktiv als sonst. Wenn ihnen nun das Recht gewährt würde, an diesen Tagen zuhause zu bleiben, könnten sie ihren Job an den anderen Tagen sehr viel produktiver erledigen. Rubinato ist Mitglied der linksliberalen Demokratischen Partei und Parlamentsmitglied.

 

Damit wäre Italien das erste westliche Land, in dem Frauen bezahlten Menstruationsurlaub bekommen könnten. Gesetzlich garantierten Menstruationsurlaub gibt es schon in Ländern, wie Japan, Südkorea und Taiwan.  

 

Das Gesetz ist nicht unumstritten, weil einige Frauen befürchten, es könnte Arbeitgeber ein weiteres Argument dafür liefern, im Zweifel lieber einen Mann einzustellen. Denn wer als Arbeitgeber möglicherweise jeden Monat drei bezahlte Urlaubstage überbrücken muss, der verzichtet vielleicht eher darauf, eine Frau einzustellen. Und Menschen, die Witze über Frauen machen, denen „Blut aus den Augen, aus ihrer... was auch immer“ strömt, würden sich durch so ein Gesetz durchaus bestätigt in der Annahme fühlen, dass Frauen einfach nichts auf die Reihe kriegen, wenn sie ihre Tage haben.

 

Befürworter des Gesetzes wiederum argumentieren, dass Frauen, die unter wirklich starken Menstruationsbeschwerden leiden, sowieso schon Urlaub beantragen. Das Gesetz würde wenig ändern, außer dass die Frauen sich nicht krankschreiben lassen müssten. Und wer weiß, dass manche Frauen jeden Monat Schmerzen aushalten müssen, die so stark sind wie bei einem Herzinfarkt, der kann vermutlich durchaus nachvollziehen, dass da ein gewisser Handlungsbedarf besteht.  

 

chwa

 

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