Periode? Einfach Vagina zukleben!

Ja, diese Erfindung ist offenbar ernst gemeint: Der "Lip Stick" für untenrum.

Nein, ein Pritt-Stift ist keine gute Alternative zu Tampons oder Binden. Der neu erfundene Anti-Blutungs-Kleber, von dem es noch keine vorzeigbaren Bilder gibt, aber eher auch nicht.

Foto: dpa

Der Körper der Frau ist bekanntlich eine Dauerbaustelle: Überall Defizite, nichts läuft ordentlich, und wenn doch, läuft es über. Glücklicherweise gibt es die Mode-, Kosmetik-, Diät-, Ernährungs- und diverse andere Industrien, die es sich aufopferungsvoll zur Aufgabe gemacht haben, die weiblichen Unzulänglichkeiten am Schopfe zu packen und den Frauen dabei zu helfen, diese auszumerzen. 

Unglücklicherweise bleiben Frauen trotz diverser Bemühungen weiterhin defizitär und sind auf Menschen angewiesen, die ihnen sagen, wie sie ihr defizitäres Dasein optimieren können. Oder schlaue Dinge entwickeln, mit deren Hilfe sie möglicherweise eines Tages so kompetent und komplett sein können wie die Männer.

Einer dieser mitfühlenden Männer ist Daniel Dopp, Chiropraktiker aus Kansas, der ein Produkt entwickelt haben will, das seines Erachtens die Frauenwelt aus ihrem Jammertal (aka dem immerwährenden Krampf der Periode) herausführen kann, sollte es zugelassen werden. 

Der Mann, der nach eigenem Bekunden einst im College auch mal einen

Gynäkologie-Kurs besuchte (und demnach extrem qualifiziert ist), hat einen Kleber erfunden, den Frauen auf ihre inneren Schamlippen auftragen, diese danach zusammenkleben und all ihre Perioden-bedingten Sorgen los sind. Denn das Menstruationsblut bleibt so lange in der Vagina, bis die Frau auf die Toilette geht. Dort löst der Urinstrahl den Kleber auf, die Vagina wird ausgeleert. Anschließend wird der vaginale Pritt-Stift, der laut Dopp Angaben auf einer Mischung aus Ölen und Aminosäuren basiert,  wieder angewendet und weiter geht’s auf dem Weg, das Patriarchat zu zerschmettern (oder was Frauen halt sonst so tun in ihrer Freizeit). Schon 2011 hat Dopps das Patent beantragt, das ihm auch mittlerweile gewährt wurde.

Der Pritt-Stift wirft Fragen auf

Ein geradezu revolutionärer Ansatz in der Damenhygiene, der aber dennoch die ein oder andere Frage aufwirft. Da wäre zunächst die ganz naive Frage nach der Sicherheit einer solchen Erfindung. Bekanntlich sollten vollgesogene Tampons nicht zu lange in der Vagina verbleiben, weil sonst das toxische Schocksyndrom (TSS) droht, eine lebensgefährliche Erkrankung, die durch Bakterienvermehrung verursacht wird – und die auch schon bei Benutzerinnen von Menstruationscups vorgekommen ist. Es hat also durchaus seine Gründe, warum Menstruationsblut nicht in der Vagina verbleiben sollte, sondern abfließen können muss. Dr. Jen Gunter, eine kanadische Gynäkologin, hat auf ihrem Blog noch ein paar andere Argumente gegen den Vagina-Kleber gesammelt: Sie stellt die Frage, wie ein Kleber gegen Blut und Schweiß beständig sein kann, aber gleichzeitig durch Urin lösbar. Auch die Idee, seine Vagina wiederholt zu verkleben, hält Dr. Gunter für eine sehr schlechte Idee, da das nicht nur schmerzhaft zu sein scheint, sondern auch zu schweren gesundheitlichen Konsequenzen führen kann.

Viel Kritik erntet Daniel Dopp aber auch dafür, wie er auf seiner Website und auf seiner (mittlerweile wegen eines angeblichen Hacking-Angriffs offline gegangenen) Facebook-Seite über die weibliche Menstruation spricht.

Da wird nämlich sehr viel darüber geredet, wie eklig Menstruation doch sei. Der Chiro-Doktor argumentiert dagegen, dass wir unsere Periode nur deshalb „eklig und widerlich“ finden, weil das Blut unkontrolliert aus der Vagina austrete und schmutze. Doch dank seines Klebestifts in Lippenstiftformat bleibe das Blut sicher in der Vagina, wo es hingehöre und werde erst beim Urinieren in die Toilette gespült. Sodass man das Menstruationsblut nicht mehr sehen oder gar anfassen müsse.

In einem gesellschaftlichen Klima, in dem der Präsident der Vereinigten Staaten einer kritischen Fernsehmoderatorin nachsagte, ihr sei Blut aus den Augen, Blut aus ihrer „whatever“ gekommen, ist es gar nicht so verwunderlich, dass ein Mann glaubt, sein Produkt tatsächlich mit solchen Worten bewerben zu können: „Ihr Frauen hättet mit einer besseren Lösung ankommen sollen als Windeln und Stöpsel, aber das habt ihr nicht. Der Grund dafür ist, dass Frauen 25 Prozent der Zeit fokussiert auf und abgelenkt von ihrer Periode sind, und dadurch sind sie sehr viel weniger produktiv, als sie sein könnten. Frauen sind tendenziell viel kreativer als Männer, aber ihre Perioden halten sie zurück und bringen sie durcheinander.“ 

Vielleicht einfach mal den Mund zukleben, Mr. Dopp.

chwa

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