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Die passen doch gar nicht zusammen!

Keine Freizeitbeschäftigung ist verpönter als der Pärchenabend. Warum es oft schief geht, wenn Paare aufeinander treffen.
magdalena-pemler

Den idealen Pärchenabend stellt man sich so locker, wie eine Folge "How I Met Your Mother" vor: Lily und Marshall, Robin und Ted - beide Pärchen sitzen in ihrer Stammkneipe, die vier haben schon das ein oder andere Bier geleert und erzählen sich, was in den letzten Tagen so passiert ist. Alle lachen, sehen gut aus und keiner hat diese fiese Schmerzfalte zwischen den Augenbrauen, die entsteht, sobald man sich zu lange über eine Sache ärgert.

Im realen Leben ist diese Schmerzfalte bei vielen Pärchenabenden Programm. Das mag zum einen am Doppelungszwang liegen, diesem Phänomen, dass man, sobald selbst Teil eines Paares, andere in Beziehung lebende Menschen nur noch zu zweit treffen kann; egal, ob sich alle mögen, oder nicht. Solche Antipathien sind allerdings schnell vergessen, wenn echte Probleme auftauchen; also frisch verliebte Paare.

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Das könnte unangenehm werden: Pärchenabend

Die folgende Szene hat sich so oder so ähnlich schon gefühlte tausend Mal in unzähligen Kneipen abgespielt. Die Protagonisten: Auf der einen Seite das frisch verliebte Pärchen, jeder mit seinen Grabbelfingern am anderen, auf der anderen Seite das irgendwie-schon-immer Paar, zwei Menschen, denen man ihre konkrete Verliebtheit nur noch auf den dritten Blick ansieht.


Während die frisch Verliebten sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit berühren und versonnen strahlen, sobald der andere über die Anfänge der Beziehung berichtet, wirkt das andere, das quasi-verlobte Paar, ein bisschen wie auf dem Abstellgleis: Eigentlich ist es ja egal, ob man da ist oder mal eben auf ein Kippchen rausgeht. Ganz Mutige versuchen, trotzdem ein Gespräch einzufädeln: „Wie habt Ihr euch denn kennengelernt?“. Die klassische Einstiegsfrage, geht immer. 

Ab jetzt wird es allerdings kniffelig, denn schon eine der Folgefragen wird das frisch verliebte Pärchen unterschiedlich beantworten: Filme, Bücher, Smartphone-Apps - selbst das treueste Schätzelein und die intelligenteste aller Hasimausis wird es nicht schaffen, auf diese Fragen immer genau so zu antworten, wie auch der Partner es täte. Sobald das frisch verliebte Paar in zu vielen Punkten unterschiedlicher Meinung ist, beobachtet das andere Paar aufmerksam: Passen die wirklich zusammen? Waren wir früher auch so?  

Während das frisch verliebte Paar mit Verunsicherung auf die sich ankündigenden Kompromisse in der gemeinsamen Freizeitgestaltung reagiert, überlegt das etablierte Paar angestrengt, ob man eigentlich überhaupt noch regelmäßig zusammen etwas unternimmt. Jetzt ist es das neu-Paar, das aufmerksam beobachtet: Was führen denn die bitte für eine Beziehung? Sie wirken gar nicht wie ein Team.

Das bleibt dem ewigen Paar natürlich nicht verborgen. Sie greift etwas unsicher nach seinem Arm. Und ihr ist dabei so, als würde er ihr ausweichen. Beide sind verunsichert in Gegenwart des so verliebten, synchronisierten Paares. Er drückt ihr einen fahrigen Kuss auf die Stirn, während er die Umgebung nach dem nächsten Kellner abscanned.  

Die Stimmung ist gekippt. Man bestellt Apfelschorle oder Wasser (jetzt bloß keinen Alkohol mehr!) und tommelt mit den Fingern merkwürdige Rhythmen auf den Tisch. Im Murmelton streitet sich die frisch Verliebten darüber, dass man sich doch nie streiten wollte. Und endlich: kollektive Schmerzfalten!   

Viele Pärchenabende verunglücken ähnlich, weil Paare sich über das Wir, das Paar-Ich, definieren und daran scheitern. Oder, weil sie denken, sich über das Wir definieren zu müssen und daran scheitern. Jedes Paar will als besonders schönes, harmonisches Gespann daher kommen. Der Einzelne im Duo scheint schnell vergessen. Genauso wie der Status der Beziehung selbst, dieses was-macht-uns-eigentlich-aus, wenn wir das Zwangsgepose mal für einen Moment abstellen. Wie viel entspannter wäre es, wenn einfach vier Menschen aufeinander träfen, die sich nichts (mehr) beweisen müssen und Maß und Rahmen ihrer Beziehung verinnerlicht haben.  

„How I Met Your Mother“ macht es vor: Da sitzen fünf Menschen, zeitweise eben zwei Paare, die einfach eine gute Zeit verbringen. Hollywood-Schönheit hin oder her: Zumindest die Schmerzfalte sollte auch unsereins loswerden können.


Text: magdalena-pemler - Foto: madochab_photocase.com

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