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Schlecht im Bett?

Nicht nur in Dating-Portalen tummeln sich Tipps und Tricks zum Aufpolieren der eigenen Liebeskünste. Aber wer legt denn eigentlich fest, was "gut im Bett" bedeutet? Eine Sexkritik.
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Sex hat man. Oder man hat ihn nicht. Wenn es nur so einfach wäre. Die zentrale Frage unserer ersten erotischen Versuche kreist nicht um das „Wie?“, sondern erstmal um das „Wo?“. Verschwitzte Hände bahnen sich ihren Weg, zitternde Finger tasten suchend nach dem Ziel. Verwirrung, Stille. „So ok?“. Aller Anfang ist schwer. Sind anatomische Hürden schließlich genommen, ist man vor allem eins: mächtig stolz. In den Laken hat sich gefunden, was sich finden soll, das ist doch mal die Hauptsache. Wir wägen uns nach unseren ersten Liebesnächten noch in trügerischer Sicherheit. War das erste Level im Körperteiltetris erfolgreich, scheint das Gruppenziel erst einmal erreicht. Vielen geht erst später einmal das berühmte „Wie war ich?“ durch den Kopf (und am besten nie über die Lippen).

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Gut im Bett: gar nicht so einfach

Ein paar Jahre später weiß man nämlich schon weit mehr, als das pubertierende Geschöpf, das man war und das wegen ein paar Minuten des Ineinanders am liebsten die ganze Welt umarmen wollte. Jetzt: Dirty Talk, rasante Stellungswechsel, die richtige Intimfrisur oder Zungenfertigkeiten, hier spielt die Musik! Dazu der Sex-Knigge: natürlich keine Tennissocken. Maßvolles Stöhnen angebracht, unbedingt Rückenhaar entfernen. Das „Wo?“ ist schon lange nicht mehr die Frage, das „Wie?“ ist jetzt entscheidend. Es trennt Profi von Amateur, Erfolg von Misserfolg, Gewinner von Verlierer. Man kann mittlerweile locker zehn andere Stellen durchdeklinieren, an denen Mann und Frau sich, zumindest irgendwie, lustgewinnend überkreuzen können.

Ein weites Feld, dieser Geschlechtverkehr. Man informiert sich besser gut, sonst verliert man schnell den Überblick. Verpasst womöglich Aktuelles aus dem Toy-Archiv oder neuste Technik-Tipps. Auf der kürzlich hier vorgestellten Seite boeserjunge.de diskutieren die User über das, was den Volltreffer im Bett ausmacht. Mitschreiben lohnt sich: Selbstsicherheit, Versautheit, lautes Stöhnen, der Blick vorm ersten Kuss. Karina (30) findet: „Er muss fühlen müssen, was ich will, aber auch mit Instruktionen zurecht kommen.“. „Gut riechen und schmecken geht über Performance. Und bitte keine Schmuse-Kosenamen.“, so Stefan (41). Ein anderer ergänzt: „Eine Frau ist dann gut, wenn der Mann sich wohlfühlt im Bett.“, und „Eine Frau sollte beim Sex abschalten können und sich voll drauf einlassen.“

Aha. Während also Stellungswechsel getimt, Stöhnvolumen temperiert, auf richtige Körperhygiene geachtet wird und der vorher vorm Spiegel geübte Blick vorm Kuss zum Einsatz kommt, ist es natürlich noch ganz wichtig, dass man sich richtig gehen lässt. Ganz ehrlich: so richtig entspannt klingt das nicht. Klar möchte niemand im Bett versagen, denn man möchte denjenigen, der drin liegt, im besten Fall ja wiedersehen. Aber alle angeblich so entscheidenden Tricks und Kniffe gleichzeitig zu befolgen, das endet vermutlich im (wortwörtlichen) Krampf. Bei alldem vergisst man aber das Schönste an der Sache: Spaß. Und dafür lässt sich keine Formel aufstellen.

Zum Sex gehört, dass man mal doof aussieht, mal irgendwo falsch anfasst, sich im Ton vergreift oder der Blick vorm Kuss nicht ganz gelingt. Zum Sex gehört, dass nicht immer alles perfekt ist. Wer das kapiert hat, entspannt sich automatisch, pfeift auf Listen, Toys und Umfrageergebnisse. Und hat endlich, wovon alle reden: guten Sex.



Text: martina-holzapfl - Bild: view 7

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