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Der Mythos: Sex auf Koks ist großartig

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“And all the weekend rockstars in the toilets Practicing their lines” (Arctic Monkeys)

Jetzt, wo Andreas Türck vor Gericht steht, wird wieder verstärkt über die Kombination von Sex und Kokain geredet. Einst dem Jet Set vorbehalten, jetzt als prollige Volksdroge verschrien, “der Schnee, auf dem wir alle talwärts fahren“. Aber was ist denn dran am Gerücht, dass das weiße Zeug den Sex so viel besser und einen selbst so viel geiler machen soll? Im Vertrauen: Gar nichts. Das erste Mal hörte ich von diesem Mythos, als mir der Freund eines Freundes am Strand von San Diego davon erzählte. Das einzig schlechte an Sex auf Kokain sei, so die Auskunft des wasserstoffblonden Jeepfahrers, dass man danach keinen Bock mehr habe, es jemals ohne zu machen. 

Dabei muss man nicht “Scarface“ gesehen oder Bret Easton Ellis gelesen haben, um zu kapieren, dass Kokain eine Trotteldroge für schwache Menschen ohne Stolz und Ideen ist. Für diese Einsicht muss man nur eine Weile im Vorraum von Clubtoiletten verweilen und sich all die Jungs ansehen, die dort betont gelangweilt für die Kabinen anstehen, obwohl massenweise Pissoirs frei sind. Einer aus diesem armseligen Dutzend hat tatsächlich Durchfall – und der ist im Grunde der Glücklichste von allen.

 

Erster Versuch: Trottel

Irgendwann wollte ich dennoch von der verbotenen Frucht naschen. Wenig später saß ich auf einer Dachterrasse, mein Rachen brannte und ich unterhielt mich mit zwei Schwedinnen. Sie waren beide so mittelhübsch – aber nichts, was man sich nicht binnen einer Stunde zu Premium-Göttinnen-Material von Gottes alleroberstem Regal hätte schöntrinken können. Ich verbrachte diese Stunde jedoch damit, auf die beiden einzureden, bis ich Muskelkater im Unterkiefer hatte. Die beiden wussten nun genauestens darüber Bescheid, in welcher Hinsicht ich mich als religiös empfand, wohin meine sämtlichen Schulausflüge geführt hatten und noch zweitausend andere schwachsinnige Details mehr. Ich fand es super, ich fand mich super. Sie gingen irgendwann augenrollend zu den anderen und fanden mich geschwätzig und lahm. Rückblickend weiß ich ziemlich genau, wer Recht hatte. Und es war bestimmt nicht der Trottel, der plötzlich allein am Tisch saß und sich ständig an die Nase fasste, weil er sie vorübergehend nicht mehr spürte.

 

Zweiter Versuch: Halle-fucking-lujah!

Den nächsten Versuch mit dem “bolivianischen Marschierpulver“ (allein, dass Kokainisten dies für eine lustige Metapher erachten, sagt schon viel über ihr Problem) startete ich in New York. Dort ist ja alles unfassbar teuer – nur eben Kokain nicht. Zumindest nicht die mehrfach gestreckte Fuhre, die wir in den frühen Morgenstunden nach stundenlangem debilen Warten in das Apartment eines Freundes geliefert bekamen. Ich war mit dem Mädchen da, mit dem ich zu dieser Zeit wenig verliebten aber qualitativ durchaus hochwertigen Sex hatte. Wir rochen an unseren Schlüsselspitzen, dann riefen wir ein Taxi.

 

Auf dem Nachhauseweg: Viel Ziehen. An den Haaren, Hemden aus Hosen, die Nase hoch. Halle-fucking-lujah! Ich fühlte mich großartig, es gab nichts Besseres und Spannenderes als mein Leben! Die Stadt gehörte mir, meine Haare saßen trotz der turbulenten Nacht immer noch hervorragend, im Radio lief das richtige Lied – aber wer zur Hölle war das Mädchen neben mir? Ich hatte nicht das geringste Interesse an Sex. Ich hatte nur Interesse an mir, dem Typen auf meinem Führerscheinfoto und dem einzigen Sohn meiner Eltern. Als wir Zuhause waren, sagte ich dem Taxifahrer, er sollte noch weiter fahren. Ich hatte nicht nur keine Lust auf Sex. Ich hatte mit einem Mal eine an Ekel grenzende Abneigung dagegen. Kurz darauf saßen wir nutz- wie rastlos am morgendlichen Hudson River, nahmen die letzten Reste und rauchten manisch eine Zigarette nach der anderen. Was das genau mit dem besten Sex meines Lebens zu tun haben sollte – ich habe es bis heute nicht verstanden.

 
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