Der Job zwischen seinen Beinen

Weil es mit dem Blowjob bei unserer Autorin wieder mal nicht klappt, fragt sie sich: Wurde mir jetzt gekündigt? Und überhaupt: Was genau war falsch an meinem Job?
Maria Schwaiger
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Illustration: Julia Schubert

Da knie ich, auf dem Bett, zwischen seinen Beinen, und er feuert mich an. „Ja, genau so. Fester, mit den Lippen fester. Und jetzt schneller. Du musst das mit mehr Gefühl machen. Pass mit den Zähnen auf … Nee, so kann ich das nicht.“ Er setzt sich auf, ich löse mich aus seiner Beinschere und lege mich neben ihn. „Was war denn jetzt?“ Ich gucke in ein total genervtes Gesicht. „So geht das nicht. Ich kann das so nicht. Normalerweise kann ich in zwei Minuten kommen. Aber ich merke ja, dass du überhaupt keine Lust hast dabei.“ Aha. Kurzer Blick zu mir, dann das gleiche Procedere wie all die Monate zuvor auch: Er dreht sich um, an die Wand, nimmt ein Buch und liest. 

Auf meine Fragen, ob das jetzt so für ihn erledigt sei, was er sich genau vorstelle, ob das alles eigentlich ernst gemeint ist, ernte ich Kopfschütteln, Seufzen, oder schlichtweg keine Reaktion. Ich liege mitten in der Nacht neben ihm, er liest, nachdem mal wieder ein Blowjob missglückt ist, und statt einfach aufzustehen und zu gehen bleibe ich liegen. Ich starre an die Decke, Tränen laufen aus meinen Augenwinkeln, ich fühle mich … komisch. Und schlecht, schlecht im Bauch, schlecht im Kopf, schlecht im Bett. Ein weiteres Kapitel des Romans „Wir haben sexuelle Kommunikationsschwierigkeiten“ wurde geschrieben, und schuld war wieder ich.

Wurde mir jetzt gekündigt?

Ich weiß nicht wieso – das ist nicht mein erster Freund, nicht mein erster Mann, nicht mein erster Blow-Job. Job. Die drei Buchstaben schwirren vor meinen Augen. Ich hasse das Wort und kann mich doch nicht ganz von der Wahrheit der Bezeichnung lösen. Wurde mir jetzt gekündigt? Bekomme ich Vertragsverlängerung? Und überhaupt: Was genau war falsch an meinem Job? Ich bin doch noch in der Probezeit, oder? Dann eben kein Sex mehr? Acht Monate liegen hinter mir, die immer wieder wunderschön waren, aber durchzogen von einer seltsamen, mir bis dahin total fremden Sexfehler-Kurve.  

„So wird das nichts“, ein Satz, den ich in den letzten Wochen und Monaten so einige Male mitten in der Nacht, abends oder morgens hören musste. „Immer dieses drüber reden, das vergiftet alles, das muss doch von selbst gehen. Da sind gar keine Schwingungen zwischen uns, das sollte alles intuitiv funktionieren!“ Was war da nur schiefgelaufen?

Ich rief meine Freundinnen Anja und Gesa an, fragte meinen „Wir können über alles reden“-Freund Reno und saß am Ende des Tages doch wieder mit dem gleichen Problem in der U-Bahn. Gesa meinte lachend, er sei einfach zu alt, und dass er nicht mehr so schnell kommen könne, würde er dann eben mir in die Schuhe schieben. Ich solle ihm das einfach mal so sagen. Anjas Reaktion war simpel, aber ehrlich: „Schieß den Typen in den Wind!“ Und Reno konnte mir nur beipflichten, das sei in der Tat nicht normal, Sexprobleme schon seit dem ersten Beziehungsmonat. Aber weiterhelfen konnte er mir nicht.

„Dann haben wir eben keinen Sex mehr"

Gespräche mit meinem Freund fingen an bei „Wir verstehen uns doch sonst so super, wieso klappt das im Bett nicht“, spitzten sich zu mit „Dann haben wir eben keinen Sex mehr. Oder soll ich fremdgehen?“ und endeten in Türenknallen, Funkstille, Versöhnung. Ich liege immer noch im Bett, mein Freund hat das Licht längst ausgemacht, und an seinen gleichmäßigen Brustkorbbewegungen sehe ich, dass er seelenruhig eingeschlafen ist. Wenn ich bleibe, wird die Sache am nächsten Morgen wieder vergessen sein, wir werden auch wieder schönen Sex haben und glücklich sein. Bis zum nächsten Mal, an dem ich ihm nicht passe und er wird wieder mir die Schuld an allem geben.

Ich stehe leise auf, ziehe mir mein T-Shirt an und gehe. In der Tür drehe ich mich um und will noch einen wichtigen Satz sagen, etwas, was dem Verlassen des Schlachtfelds mehr Bedeutung verleihen könnte. Doch mir fällt nichts ein. Ich stehe in der Tür, mit tränenverklebten Augen, und gehe schließlich. Als ich im Morgengrauen den Fluss entlanglaufe, wie so oft, wird mir nicht viel klar, nur eins: Er ist es nicht wert.

Mehr Frust und Lust: 

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