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Mindestens 1700 Euro brutto für die Flugbegleiterin

Claudia fliegt hauptberuflich um die Welt – ihr Leben besteht aber nicht nur aus Strand und Tomatensaft.
Protokoll von Max Sprick
  • job kolumne stewerd
    Foto: privat

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

"Du kellnerst dann also ein paar Stunden über den Wolken und liegst dann bis zum Rückflug tagelang am Strand, oder?" – solche Klischee-Sprüche höre ich sehr oft. Je blöder der Spruch, desto blöder fällt meine Antwort aus. Viele vergessen auch, dass die Hauptaufgabe einer Flugbegleiterin die Gewährleistung der Sicherheit an Bord ist. Nach dem Ding mit dem Tomatensaft fragen auch viele. Ich selber mag ihn nicht, aber wirklich jeder, der Tomatensaft im Flieger trinkt, behauptet, er schmeckt dort ganz anders. Am beliebtesten ist er auf den Flügen nach Kuba. Wenn wir dort landen, ist er eigentlich immer komplett leer getrunken. 

Wie ich zum Fliegen kam 

Ich habe in Österreich meine Matura gemacht und direkt danach bei einer österreichischen Airline als Flugbegleiterin angefangen. Das Fliegen hat mich schon als Kind fasziniert und das Reisen ebenso. Klingt banal, ist aber so: Meine Leidenschaft beruflich umsetzen zu können, war schon immer mein Ziel. Während eines Urlaubs in der Karibik habe ich dann eine Condor-Crew kennengelernt. Die meinten gleich, ich würde gut in ihr Team passen und ich solle mich doch für eine Stelle bei der Condor bewerben. Zu Hause habe ich das gleich gemacht. Wie es der Zufall so wollte, war gerade Bewerbungszeit. Einen Monat nach der Begegnung am Strand habe ich meinen Vertrag unterschrieben.

 

Um Flugbegleiterin bei Condor zu werden, reicht man zunächst seinen Lebenslauf im Bewerbungs-Tool ein. Dann absolviert man online einen Englisch-Test. Besteht man diesen, wird man zum Assessmentcenter eingeladen. Dort durchläuft man drei Verfahren: ein Einzelgespräch mit mehreren Condor-Vertretern, eine Gruppenarbeit mit anderen Bewerbern und dann noch ein englisches Gespräch. Mir ist das Ganze nicht schwer gefallen. Wer sich vor Ort verstellt, fliegt auf.  Man muss an sich glauben – und wer wirklich Flugbegleiter werden will, der schafft das auch.

 

Nach der Bewerbungsphase beginnt man eine zehn-wöchige Ausbildung. Die ersten sechs Wochen verbringt man recht schulisch im Kursraum, wo man den Standard-Service verinnerlicht. Danach übt man drei Wochen lang in einer Flugsimulation die Flugsicherheit. Danach darf man dann auf einen Streckenflug, begleitet von einem Coach. Im Anschluss wird die theoretische Ausbildung  mit dem praktisch Erlernten weiter vertieft. Abschließend finden noch einmal drei Flüge mit Coach statt, um zu sehen, ob man das Gelernte auch wirklich umsetzen kann – und dann ist man bereit für seinen ersten richtigen Dienst. An meinen ersten Flug als Condor-Flugbegleiterin kann ich mich noch ganz genau erinnern: Er ging nach Antalya, in die Türkei. Natürlich war ich aufgeregt, aber im positiven Sinn. In dem Moment, in dem ich meine neue Uniform das erste Mal offiziell tragen durfte, war ich ganz schön stolz. 

So sieht mein Berufsalltag aus

Ich fliege hauptsächlich Langstrecke. Das bedeutet, ich bin im Sommer vor allem auf Flügen nach Kanada und in die USA eingesetzt, im Winter auf Flügen in die Karibik oder auf Pazifik-Inseln. Durchschnittlich bin ich im Monat 20 Tage unterwegs und habe  11 Tage frei – wie ein normaler Arbeitnehmer. Ansonsten lässt sich mein Job aber mit keinem normalen Job vergleichen. Mein Dienstplan ändert sich monatlich, je nachdem, auf welche Flüge ich eingeteilt werde. Ich kann pro Monat eine Wunschdestination angeben, auf die ich eingesetzt werden möchte. Bislang hatte ich eigentlich auch so gut wie immer Glück und mein Wunsch wurde erfüllt. Wenn ich Langstrecke fliege, bin ich zwischen zehn und zwölf Stunden in der Luft. Man fliegt so gut wie nie mit der gleichen Crew. Dadurch sind meine Arbeitstage nie langweilig.

 

An Bord arbeiten wir zwischen Start und Landung in dreier-Blöcken. In den Servicefreien Zeiten machen wir unsere Pausen, die nutze ich, um runterzukommen. An diesen Rhythmus habe ich mich gewöhnt. Ich will den etwa 250 Gästen an Bord bis zum Ende unseres Fluges ein gutes Gefühl geben können, das ist mein Anspruch. Der Urlaub unserer Fluggäste soll bereits an Bord beginnen. Und ich würde sagen, das gelingt mir ganz gut – auch wenn jeder Mensch ganz natürlich nach einem zwölf-stündigen Flug müde ist. 

So wirkt sich mein Job auf mein Privatleben aus 

Feiertage und Wochenenden gibt es als Flugbegleiterin einfach nicht. Weihnachten feiere ich mit meiner Familie am 28. Dezember. Ich könnte mir zwar wünschen, über Weihnachten, Ostern oder Silvester frei zu bekommen, das überlasse ich aber lieber den Kollegen, die Eltern oder verheiratet sind.

 

Für den Job bin ich aus Österreich nach Frankfurt gezogen, der Flughafen ist unsere Heimatbasis. Anfangs fiel mir der Umzug schwer, aber ich habe gleich Anschluss gefunden. Dadurch, dass es vielen Kollegen ähnlich geht, ist die Crew an Bord immer ein bisschen wie ein Familienersatz.

 

Ein Vorteil meines Jobs ist, dass meine Verwandten und Angehörigen vergünstigt mit Condor fliegen können. Das nutze ich gerne, am liebsten zu Zielen, die ich selbst zum ersten Mal anfliege. Dann können wir den Ort oder das Land gemeinsam entdecken. Meine Eltern habe ich tatsächlich erst einmal mitgenommen – wir hatten eine super schöne Woche in Namibia. Anfang jeden Monats schicke ich ihnen meinen Dienstplan, damit sie wissen, wo ich wann unterwegs bin. Sie verlieren trotzdem regelmäßig den Überblick. Dann schicke ich ihnen Fotos von den Orten, an denen ich gerade gelandet bin. 

Wie das mit dem Strand wirklich ist 

Das anfangs erwähnte Klischee ist veraltet. Es kann vorkommen, dass ich gerade nach einem sehr langen Flug einige Tage Aufenthalt habe. Bei kürzeren Flügen passiert es aber genau so, dass ich direkt weiterfliege. Wenn ich dann Freizeit habe, nutze ich sie auch nicht, um nur am Strand zu liegen. Entweder ich unternehme etwas, oder ich lerne. Dank der flexiblen Arbeitseinteilung kann ich neben meinem Beruf studieren. Ich habe schon ein Fernstudium als Ernährungsberaterin absolviert und fange im Herbst ein weiteres im Tourismusmanagement an. Das ist die perfekte Beschäftigung zur Jetlag-Überbrückung. 

Was ich verdiene

Kann ich wirklich nicht genau sagen. Mein Grundgehalt beträgt inkl. Schichtzulage  1.710,95 Euro brutto. Dazu kommen Spesen für jeden Tag, den wir unterwegs sind. Diese betragen für Europa 36,30 pro Tag und für das übrige Ausland € 43,97. Wenn ich mehr als 70 Flugstunden im Monat unterwegs bin, erhalte ich pro Mehrflugstunde noch € 30,81 brutto. Mein Gehalt ist also jeden Monat ein anderes. Ich kann auf jeden Fall sehr gut davon leben.

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