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„Im Alter sehen die Tattoos aber nicht mehr schön aus“

Foto: ryu-tako / photocase.de, Collage: Lucia Götz

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Im Sommer ist es besonders schlimm, denn der geht üblicherweise mit Baden, Schwitzen und ergo viel nackter Haut einher. Und mit dieser wetterbedingten Entkleidung werden auch immer mehr Tätowierte enttarnt. Was wiederum zu einem Haufen (klischeehafter) Fragen an diese Menschen führt. Zehn Sätze, die tätowierte Menschen immer wieder zu hören bekommen:

 

„Tat das weh?“

Generell kann ich sagen, dass es schon nicht angenehm ist, wenn jemand mit einer Nadel ein Motiv in deine Haut ritzt – nur einmal so zur Veranschaulichung. Aber es gibt Stellen, an denen ist es auszuhalten. Und Stellen, an denen das Stechen wirklich schlimm wehtut. Das variiert aber auch stark von Mensch zu Mensch. Wir können dir aber auch nicht sagen, welche Stelle bei dir am wenigsten schmerzen würde.

„Später sieht das aber nicht mehr so schön aus“

Achja, meine Lieblingsaussage. Kurzantwort: Ich weiß. Deswegen lass ich mir die Tattoos ja auch jetzt stechen und nicht mit 75. Wir sind heute jung und wenn nicht jetzt, wann dann? Außerdem: Runzlige Haut sieht auch ohne Tattoos nicht besonders prickelnd aus. 

„Was sagen deine Eltern denn dazu?“

Die meisten Elternteile sind vermutlich wenig entzückt, um es mal nett auszudrücken. Die „Ich-bin-jetzt-aber-volljährig-und-kann-machen-was-ich-will“-Verteidigung zieht bei Tattoos nicht wirklich. Interessieren tut das Argument deine Eltern übrigens auch nicht. Alles was sie sehen, ist nicht zu entfernende, schwarze Tinte, die die Haut ihres Kindes verschandelt.  

„Wie findet das dein Arbeitgeber?“

Heikles Thema. In manchen Berufen passen Tattoos halt einfach rein – bei Friseurinnen und Friseuren zum Beispiel. Einige Models werden nur wegen ihren Tattoos gebucht (beispielsweise „Zombie Boy“ Rick Genest). In Banken und Büros hat man es dagegen schwerer. In „seriösen“ Berufen quasi. Aber wer weiß, wie viele Banker unter ihren Anzügen bunt geschmückt sind? Ich selbst wollte mich von den Erwartungen der Gesellschaft jedenfalls nie einschüchtern lassen. Wenn meine Arbeit anfängt, mich in meinen Interessen einzuschränken, ist sie vielleicht einfach nichts für mich. 

„Haben alle deine Tattoos eine Bedeutung?“

Warum muss überhaupt alles eine Bedeutung haben? Menschen mit Piercings oder abgefahrenen Haaren fragst du doch auch nicht, ob das für sie eine bestimmte Bedeutung hat. Tattoos sind ein Körperschmuck und solange sich die Person, die sie trägt, wohl damit fühlt, ist der Rest doch Nebensache. Und falls sie doch eine Bedeutung haben, mag es vielleicht überraschend klingen, dass vermutlich die wenigsten sich etwas haben stechen lassen, um vor anderen später über die Bedeutung zu referieren. 

„Ich würde mich ja nie tätowieren lassen – aber bei dir sieht das toll aus

Äh, danke?!

„Bereust du es schon?“

Nope. Und selbst wenn: Es gibt heutzutage genug Möglichkeiten, unerwünscht gewordene Tattoos aufzupeppen, überstechen oder – wenn es hart auf hart kommt – entfernen zu lassen. Aber bitte nehmt das nicht als Anlass, euch betrunkene Party-Tattoos zu stechen! Oder Pusteblumen/Federn aus denen Vögeln emporfliegen. Oder Namen von euren Partner*innen. Oder Sterne. 

„Ich wollte mir auch immer eins stechen lassen“

Here we go. Eigentlich keine Frage, dennoch wird von uns trotzdem irgendwie eine Antwort erwartet. Meist folgt noch der Satz: „Aber ich weiß nicht was.“  Soll ich dir jetzt sagen, was du dir stechen lassen sollst?! Mir ist es sowas von egal. Häufig entstehen durch solch verzweifelten Motivsuchen Tattoos wie die oben genannten auf deiner Haut. Klar sind die zwar hübsch anzusehen, besonders individuell sind sie allerdings auch nicht. Andererseits kannst du ja mit deinem Körper machen, was du willst – denk bloß länger als eine Instagramstory darüber nach. Dadurch vermeidest du, die vorher genannte Frage später mit „Ja“ beantworten zu müssen.

„Zeig mal her!“

Pfoten weg! Wenn du anfängst, an meinen Klamotten zu zerren, um ein Blick auf die Tattoos zu bekommen, flipp ich aus. Falls, und auch nur falls, ich es dir zeigen möchte, tu ich das gerne – deine Hände sind da allerdings nicht nötig. 

„Und das bleibt jetzt wirklich für immer da?“

Kommt meist von Oma oder Opa. Bedarf keiner Antwort, eher eines tiefen Seufzers. 

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text wurde zum ersten Mal am 10. Juli 2017 veröffentlicht und zum 17. Juli 2020 noch einmal aktualisiert.

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