Das Festival-ABC

Die Festivalsaison ist mit dem Immergut offiziell eingeläutet. Im ABC erfährst du alles, was du über diese schaurig-schönen Veranstaltungen wissen musst.
mercedes-lauenstein

Illustration: Julia Schubert

ANREISE
Völlig unterschätzter Bestandteil des gesamten Festivals. Dieses beginnt nämlich nicht etwa erst mit dem Anlegen des Eintrittsbändchens am Geländeeingang, sondern schon an der studentenstädtischen U-Bahn Station oder dem heimatlichen Bahnhof Hinterobertropfeling. An jeder Milchkanne steigen Isomatten-bepackte Bierdosenträger dazu und sowohl Pegel als auch vorfreudige Aufregung steigert sich durch das notwendige Übel der A. ins Unermessliche. Als sonst so braver Schüler oder Student plötzlich zum trinkenden Prolltum in der Deutschen Bahn zu gehören, fühlt sich berauschend gut nach „den Alltag hinter sich lassen“ an. Auch wenn man die zwischen Dreadlocks und selbstgebastelten Zeltfahnen ängstlich dreinblickende Oma am liebsten kurz in den Arm nehmen wollte, um ihr zu erklären, dass das alles nicht so ist, wie es aussieht. Dass die A. besonders wichtig ist, um in Stimmung zu kommen, sollte man sich stets vor Augen halten. Insbesondere dann, wenn man gerade mit der schwitzigen Wange gegen das beschlagene Zugfenster gequetscht wird. Und heimlich davon träumt, eines Tages „ganz gechillt“ mit einem eigenen VW-Bus anreisen zu können.

BÄNDCHENKULT
Von wegen Erinnerungswert - das Tragen eines Bändchens über die eigentliche Festivalzeit hinaus ist reines Profilierungsgehabe. Jene Bändchen sind nämlich weder besonders ansehnlich, noch der täglichen Körperhygiene besonders zuträglich. Kein Kuchenbacken, kein Fischfiletieren und kein Badegang im fettigen Spülwasser geht spurlos an ihnen vorüber. Und das über Jahre hinweg. Aber man will schließlich wer sein! Und besonders verrotzte Bändchen am Handgelenk beweisen schlagkräftiger als jede Erzählung, dass man schon Festivalist war, als „es diesen albernen Mainstreamhype darum noch gar nicht gab!“

CLIQUE
Generell gilt: Man sollte so viele Freunde und Bekannte wie nur möglich davon überzeugen, mit einem auf das angepeilte Festival fahren. Resultiert im besten Falle darin, dass 20 Prozent der Festivalbesucher zum eigenen Bekanntenkreis zählen und es weder eines Schäfchenhüters, angestrengt festgelegter Treffpunkte noch immerwährenden Handyempfangs bedarf. Hat man seine Begleitung verloren - was auf einem Festival ungefähr alle Stunde einmal vorkommt - muss man so bloß einmal den Kopf drehen um gleich das nächste bekannte Gesicht zu erspähen. Das sorgt dann auch für erfrischende Abwechslung im Festivalalltag. Es gibt nämlich kaum etwas Schlimmeres, als nur zu zweit oder zu dritt zu fahren und dann ständig aufeinander angewiesen zu sein. Hüten sollte man sich allerdings auch vor der irrigen Annahme, dass ganz allein aufs Festival fahren eine gute Idee sei. Bei aller Extrovertiertheit - das Gefühl, inmitten der festivalianischen Cliquenwirtschaft zum Freunde suchen gezwungen zu sein, kann auch vom neunten Dosenbier im unkomplizierten Ein-Mann-Zelt nicht verdrängt werden.

Illustration: Julia Schubert

DROGEN
Sind auf mehrtägigen Open-Air Musikveranstaltungen nicht gerade unbeliebt. Auf vielen Festivals gibt es streng geheime Dealerzelte, die sich jedes Jahr ein neues Erkennungszeichen zulegen. Mal ist es eine rote Flagge, mal ein spezieller Zeltüberwurf oder an den Schnürsenkeln zusammengeknotete alte Sneaker, auf einen hohen Stock gesteckt. Dass Festivals und D. irgendwie zusammengehören, hat wohl mit der schon angesprochenen „den Alltag hinter sich lassen“-Sehnsucht zu tun. Nicht gerade in geringem Maße für den hohen D.-Konsum verantwortlich ist aber auch das durchgehende Programm der meisten Festivals. Es bedarf schon einer gewissen Gelassenheit, der Erholung zuliebe einfach mal einen spannenden Act sausen zu lassen. Und wenn die fehlt, ist für Schlaf kein Platz. Leuten, denen Kaffee und Cola als Wachmacher nicht reichen bedeutet das also, sich konsequent kaputtzufeiern. Das Fusion-Festival hat dieses Jahr deshalb eine neue Regelung eingeführt: Zugunsten der allgemeinen Publikumsgesundheit gibt es zwischen 9h und 12h morgens auf keiner Bühne ein Programm. So soll auch den rastlosesten Feierjüngern eine Zwangspause verordnet werden. Vielleicht schaffen sie es so ja ohne Amphetamin-Hirndresche. Zu wünschen wäre es ihnen.

EINWEGKAMERA
Die teure Geburtstagskamera mitzunehmen, sollte man sich gut überlegen. Kann man sich damit abfinden, dass sie nach dem Festivalbesuch entweder überhaupt nicht mehr, versandet, biergetränkt oder mit mindestens einem Sprung im Display zuhause ankommt - okay. Allen anderen sei ans Herz gelegt, sich einfach zwei oder drei Einwegkameras einzustecken. Da tut der eventuelle Verlust nicht so weh und die entwickelten Old-School Fotos machen den Festivalbesuch im Nachhinein nur noch legendärer.




FUNZEL
Am häufigsten vergessenes, aber vermutlich eines der wichtigsten Gepäckstücke: die Taschenlampe. Sollte so klein wie möglich sein und am besten ununterbrochen an Gürtelschnalle, Armband oder im unsterblichen Bauchbeutel befestigt sein. Situationen, in denen sie ihre dankbare Verwendung findet, gibt es unzählige. Von Luxusproblemen, wie: „nur mal eben nachschauen ob da vielleicht eine Fliege in der Bierdose schwimmt...“ bis hin zu lebensbedrohlichen Situationen wie in der Dunkelheit zwischen Zeltschnürensalat den eigene Schlafplatz ausfindig zu machen.

Illustration: Julia Schubert

GELD
Man hat sein Ticket bezahlt, für Bier, Instantsuppen und Vitamintabletten geblecht und auch für die Zugfahrt noch etwas Geld ins Land geschickt. Dass man darüber hinaus aber auch auf dem Gelände noch ein paar Euro benötigt, vergisst man meistens. Und das ist fatal. Denn es gibt nichts Befriedigenderes als eine eiskalte Cola am Mittag oder ein frisch zubereitetes Curry um drei Uhr in der Nacht. Und neidisch auf andere Teller gucken macht keinen Spaß. Weil Geldautomaten auf Festivals normalerweise aber Fehlanzeige sind, muss dringend im Voraus an genügend Bargeld gedacht werden. Das Gelände per Shuttlebus Richtung nächstgrößere Stadt verlassen zu müssen ist nämlich wie im Kino aufs Klo zu gehen. Und das wäre in diesem Falle gut zehn Kilometer entfernt.

HYGIENE
Von legendären Dixieklos und völlig überfüllten Duschen braucht man wohl nicht mehr reden. Fakt ist, und das weiß jeder: Mangelnde Hygiene ist nichts, worüber man sich auf Festivals noch beschweren sollte. Vielmehr sollte man sie als charmanten Charakterzug seiner geliebten Open-Air Veranstaltung hinnehmen. Wann hat man schon mal die Erlaubnis, drei Tage am Stück ungeduscht vor sich hinzumodern? „In Nudism no one is naked“ heißt da die Devise. Auf einigen Festivals gibt es allerdings auch spezielle Wasserstellen, an denen es sich in Badehose oder Bikini prima duschen lässt - so fern man sich nicht vor eiskaltem Wasser scheut. Problematischer ist da tatsächlich der Toilettengang. Eine feine Möglichkeit die Dixies zu umgehen ist, sich mit der eigenen Klopapierrolle ins angrenzende Waldgebiet zu verdünnisieren. Aber pscht, denn wenn das alle machen würden, ...

Illustration: Julia Schubert

INSEKTEN
Hier ist im Vorteil, wer Dorfkind ist, oder seine Kindheit auf skandinavischen Campingplätzen verbracht hat. Ameisen in der Essensbox, Mücken im Zelt, Spinnen im Schlafsack und Heuschrecken im Schuh: Klingt alles schlimmer als es tatsächlich ist. Sagt man sich, dass die Tiere einfach bloß mitfeiern wollen, wenn man schon in ihrem Revier einen Rave veranstaltet, stößt man vielleicht sogar in aller Verzeihlichkeit mit dem ein oder anderen Schnäpschen auf sie an. Ein kleines Mückenspray sollte da also genügen. Alles andere ist Gewohnheitssache.

JUBELJAHRE
Festivals feiern gerne Jubiläum. Sie rollen dann immer all ihre Erinnerungen an die eigene Anfangszeit aus und feiern sie nachträglich wie den Beginn einer neuen Revolution. Denn Festivals sind ja keine einfachen Veranstaltungen, sondern Parallelwelten mit einem ganz eigenen Lebensgefühl. Echte Avantgardisten sind die Veranstalter deshalb natürlich trotzdem nicht – das lässt alleine schon die Legende Woodstock gar nicht zu. Dennoch können sie ruhig stolz darauf sein, ihren Teil zur so groß gewordenen Festivalkultur beigetragen zu haben. Die gibt es im heutigen Ausmaß nämlich erst seit ungefähr 1997 - in diesem Jahr schossen drei Festivals aus dem Boden, die heute tonangebend in der Kultur der deutschen Mainstreamfestivals sind: Das Melt!-Festival, das Hurricane-Festival und die Fusion.



Illustration: Julia Schubert


KINDER
Je älter die Festivalkultur in Deutschland wird, desto älter werden natürlich auch ihre Anhänger. Und so kommt es immer öfter vor, dass Kleinkinder das Festivalgelände besiedeln. Sie tun das mehr oder weniger gezwungenermaßen, weil ihre Eltern sich den alljährlichen Brauch des Festivalbesuchs trotz K.-besitz nicht versagen wollen. Manchmal wünscht man sich jedoch, dass ihnen eines Tages mal jemand ein Verbotsschild vorhängt. Denn eine hippieske Erziehung in allen Ehren, aber Kippenstummel und biergetränkte Pappbecher sollte sich dann doch kein K. unbeobachtet in den Mund stecken. Und auch Massenhysterie und ohrenbetäubend laute Musik sind Dinge, die dem kindlichen Seelenfrieden nicht unbedingt gut tun. Da helfen dann auch die für die Ohren des Nachwuchs so beliebten, orangenen Riesenkopfhörer vom Bau nicht mehr.

LIEBE
Ist Geschmacksache. Ein guter Ort sich kennen zu lernen, ist ein Festival allemal. Aber die L. dort auch auszuüben ist vermutlich eine weniger gute Idee. Seine ungewaschene Haut im schwitzigen Insektenzelt aneinander zu reiben ist weder romantisch noch appetitlich. Und auch die konstante Alkoholausdünstung der Festivalbesucher ist wenig erotisch. Wahrscheinlich ist es mit Sex auf Festivals wie mit Sex im Auto oder in der Badewanne: theoretisch äußerst anregend, praktische eher deprimierend unbequem.

MORGENGRAUEN
Ist auf einmal da, obwohl es gerade noch gedämmert hat. Auf Festivals verliert man den Bezug zur Zeit, was nicht wenig damit zu tun hat, dass die besten Konzerte nachts stattfinden. Das M. ist die wahre Traumstunde des Festivals: Gemeinsam mit allen anderen, die jetzt noch wach sind, hat man die große, laute Nacht bewältigt. Friedlich euphorisiert taumelt man mit ihnen dem Sonnenaufgang entgegen. Dafür kauft man sich entweder einen frisch gebrühten Kaffee in der Fressmeile, setzt sich auf den höchstmöglichen Platz des gesamtes Geländes und begrüßt filmreif den neuen Tag - oder man legt sich zwischen leise schlummernde Menschen auf die russischen Teppiche der Chill-Out Area. An wessen Schulter man jetzt auch einschläft - es gibt keine Stunde, in der sich alle Besucher so sehr Geschwister sind, wie die des M.

Illustration: Julia Schubert

NO GO‘S
Findet man in Form von offiziellen Regelschriften auf jeder Festivalhomepage. Interessanter sind da Insider-NoGOs, die man nur durch intensive Unterhaltung mit passionierten und eingespielten Festivalgängern erfährt.
Zu ihnen zählen:

- das Mitbringen von Plastikstuhl- und Plastiktischgarnituren. Richtiges Festivalgefühl wird durch die althergebrachte Wolldecke auf dem Boden generiert
- Planschbecken, denn die stammen aus der gleichen Schublade wie Bierschläuche und australische Stubbie-Cooler. Und gehören damit eher auf das amerikanische Spring-Break Event, als auf ein gemütliches Festival. Erfrischung und Wasserschlachten gibt es im ans Festivalgelände angrenzenden Baggersee oder zur Not am Zahnputzhahn
- die Anlage des eigenen (schlimmstenfalls getunten) Sportgolf aufdrehen und so den gesamte Zeltplatz beschallen - ob die restlichen Bewohner das nun wollen oder nicht. Schlimmer noch: der kleine Mitnehmfernseher für die Champions League. Fußball hat auf einem Festival nichts zu suchen, denn das Festival hat mit der Welt da draußen nichts zu tun. Festival ist Ausnahmezustand und damit ein eigenständiger Planet.

OHROPAX
Ein leidiges Thema. De facto natürlich überhaupt nicht: weder ist O. teuer, noch mindert sein Gebrauch die Klangqualität des stattfindenen Konzerts - im Gegenteil filtert es sogar so manch störendes Lautsprecherrauschen aus der Musik heraus. Aber irgendwie ist der Gedanke an O. immer von demselben nervtötenden Beigeschmack begleitet wie Mutterns Stimme, wenn sie sagt: „Zieh‘ dir was an die Nieren, Kind!“. Nee, keine Zeit, jetzt nicht, geht doch auch ohne. Und ohne geht es. Mindestens bis die Rehabilations-Woche beginnt, und man sich schwört, nie wieder ohne O. auf ein Festival zu gehen. Diesmal aber wirklich!




POSEN
Meint prätentiösen Gammellook bei High-Fashion Absichten. Funktioniert gut, weil Grunge wahnsinnig angesagt ist. Verlotterter Hipsterdutt zu knallrotem Lippenstift, Kate-Moss Gummistiefel zu schwarzer Strumpfhose, zerfetzte Blümchenkleider, Vintagetaschen und Neonbodys. Ein Faschingseffekt, dessen Impuls irgendwie an den der „Bad Taste“-Party erinnert: Auf Festivals geht alles, und deshalb zieht man an, was man sich sonst nie trauen würde - insgeheim aber gut findet. Aus sonstigen Mode-Normalos werden plötzlich experimentelle Fashionistas und der IT-Angestellte von nebenan freut sich, endlich wieder seinen „freakigen“ Kuhhörner-Hut auszupacken. „Wahnsinnig erleichternd, sich mal nicht so um sein Outfit zu kümmern“, lautet dann immer der schöne Satz, hinter dem die Sehnsucht nach der eigenen Exzentrik versteckt wird - und das ausgefallene Outfit gerechtfertigt. Zumindest bei den Mädels läuft aber währenddessen hinter Vaters alter John Lennon Brille schon der große Abchecker-Blick: Wer ist die Coolste im ganzen Gelände?

QUENGELN
Egal weshalb: Q. geht nicht und hilft auch nicht. In keinem Fall. Einmal auf dem Festival angekommen, gilt die Devise: ganz oder gar nicht. Festivals liebt man, oder man hasst sie. Wenn der Missmut nicht zu bekämpfen ist, hilft nur nach Hause fahren. Sich alleine im Zelt verkriechen macht depressiv und den Freunden am Rockzipfel hängen verdirbt der ganzen Runde ihre Freude.

Illustration: Julia Schubert

REHABILATION
Beginnt in dem Moment, in dem man nach dem Festival den ersten Schritt in die eigene Wohnung tut. Bedarf einiger Regeln, um nicht im Vollfiasko zu enden.
Erste Handlung: Badewanne einlaufen lassen. Dann: nackt ausziehen, Klamotten mitsamt Reisetasche in die Waschmaschine, Zähne putzen und eine große Kanne Entschlackungstee aufbrühen. Baden und ab ins Bett. Hat man alles richtig gemacht, ist dieses schon im Rahmen der Festivalvorplanung frisch bezogen worden. Eine Woche lang Gemüse essen, die Finger vom Alkohol lassen und früh schlafen gehen. Und hoffen, dass das Piepen in den Ohren auch diesmal nur von temporärer Natur ist.

SCHLAMM
Ohne ist die ganze Veranstaltung zwar entspannter, aber wenn er denn da ist - auch nicht schlimm. Regen, Matsch und Gummistiefel sind wie stinkende Dixieklos etwas, das man besser als Mackencharme der ganzen Feier-Angelegenheit betrachten sollte. Gehört unter die Überschrift „Höhere Macht“ und sollte deshalb niemals Grund für ein Stimmungstief sein. Do the Regentanz!
T-SHIRTS
„Sei nett zu mir, dann spreche ich mit dir!“, „Dort: Mund“ oder „Magdeburger Bierkommando“ - Sprüche T-Shirts an Einzelpersonen oder gerne auch als Cliquenuniform, werden auf Festivals immer beliebter. Zu tun hat das vor allem damit, dass es für viele Neufestivalisten weniger um die Musik, als um die hemmungslose Trink-Atmosphäre geht. Gerade die größeren Indie-Festivals werden von einigen Abiturienten immer wieder mit Lloret de Mar verwechselt.




Illustration: Julia Schubert

URINELLA
Die urinale Emanzipation. Wenn wir Mädchen tatsächlich in demselben Minutentakt, in dem das Bier durchläuft, auf die Toilette rennen würden, wären wir den ganzen Tag nur noch mit dem Anstehen in der Kloschlange beschäftigt. Wir haben Vater und Bruder schon als kleine Mädchen für die Fähigkeit des Standpinkelns beneidet. Und dann in tiefster Trauer akzeptiert, dass sie uns wohl niemals vergönnt sein wird. So sind wir gut darin geworden, einfach durchzuhalten. Aber mit der U., einem kleinen Papptrichter, der kürzlich auf immer mehr Festivals an den Pinkelrinnen ausliegt, ist das jetzt nicht mehr nötig. Voraussetzung für seine Verwendung ist jedoch immer noch das Tragen eines Rocks. Mit Hose gestaltet sich das Trichter zwischen die Beine fummeln nämlich doch noch etwas schwierig.

VW-BUS- Inhaber
Ohne Widerrede die Könige des gesamten Festivalpublikums. Insbesondere Mädchen mit eigenen VW-Bussen haben eine ähnlich bewundernswerte Aura wie Pippi Langstrumpf mit ihrer Villa Kunterbunt. Der VW-Bus macht autark und unbesiegbar. Echtes Bett, eigene Musik und die Möglichkeit eine Heidenmenge an gutem Essen mitzunehmen. Sonnendach, Wäscheleine, eigener Wasserkanister - der VW-Bus ist eine fahrende Wohnung und sieht dabei im Gegensatz zu einem Wohnmobil auch noch gut aus. Um ihn scharen sich für gewöhnlich lauter fröhliche Menschen mit kühlen Drinks in der Hand. Und deshalb ist auch der VW-Bus Besitzer der einzige, für den es ein tatsächlich ein Vergnügen sein kann, allein auf ein Festival zu fahren. „Neue Freunde“ zieht er automatisch und in rauhen Mengen an. Ob er diese scheinheiligen Schmarotzer dann aber auch an der Backe haben will, ist eine andere Frage.

Illustration: Julia Schubert

WUNDERKERZEN
Viel aufregender als Feuerzeugschwenken. Und weil Feuerwerk und Himmelslaternen seit Neuestem auf Festivals verboten sind, immerhin ein kleiner Ersatz.

„XAVER!“
Wäre dieses Jahr vielleicht eine gute Alternative zum „Helga!“-Schrei, der vor einigen Jahren der Dauerbrenner unter den deutschen Festivalinsidern war. Wird einfach so ins Land geschrien, mit Vorliebe von sturzbetrunkenen T-Shirt-Abiturienten. In England gibt es das übrigens auch, heißt dort aber „Steve!“ Warum sich das eingebürgert hat, weiß keiner mehr so genau - irrationale Pöbellust und Schnapsgeist könnten daran beteiligt gewesen sein.

YUPPIES
Kennen Festivals nur aus Lifestylezeitschriften und denken deshalb, es sei genau der richtige Ort für ihr Vergnügen. Dass auch altenglische Schickgummistiefel das Treiben nicht weniger schmuddelig machen, ahnen sie nicht. Ihnen sei deshalb empfohlen, sich lieber eine hübsche Pension vor Ort zu suchen, anstatt für den gleichen Preis ein hochmodernes Explorerzelt zu bestellen. Sie würden es nicht ertragen.

Illustration: Julia Schubert

ZELT
Gehört zum Festivalmenschen wie das Haus zur Schnecke. Kann zum Glück geteilt werden, dann muss man nicht soviel schleppen. Vollends glücklich wird man darin aber trotzdem nie. Dreck und Tiere bleiben auch bei absoluten Schuhverbot nicht draußen und Um- und Anziehen endet oft in Körperverknotungen. Baut man es unvorteilhafterweise auch nur leicht bergabwärts auf, erwacht man morgens mit aufgequollenen Fingern und Armen und eingeschlafenen Füßen - weil über Nacht das ganze im Körper vorhandene Blut Richtung Kopf geflossen ist. Ist das Festival schließlich vorbei, schleppt man die einzelne Bestandteile des Z. dann separat nach Hause, weil man es sowieso nie wieder in die enge Hülle zurückgestopft bekommt. Das können anscheinend nur geduldige Eltern und professionelle Zeltverpacker.

Text: mercedes-lauenstein - Illustration: Katharina Bitzl

  • teilen
  • schließen