"Ich hatte Glück und bin durchgekommen"

Axel Schäfer, SPD, hat in einem Jahr eine Wahl verloren und war am Ende doch froh.
jetzt-Redaktion
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Illustration: Julia Schubert



"Mein Elan hat sich nie aufgebraucht. Ich bin noch heute so ungeduldig, wie ich immer war und eine Ernüchterung kann ich nicht erkennen. Nur eines ist in der Politik frustrierend: Nicht wiedergewählt zu werden. Es war der 13. Juni 1999. Ich war bis dahin im Europaparlament und dort Sprecher für Verfassungsfragen. In der Wahl am 13. Juni hatte ich das beste Stimmergebnis deutschlandweit. Aber wir hatten eine Kandidatenliste und weil die SPD viele Prozente verloren hatte, wurde diese Liste gekappt und ich war eines der Opfer. Aber auch wenn es komisch klingt: Ich habe das verkraftet, weil ich kurz vorher, am 28. April, eine Tumoroperation hatte. Ich hatte Glück und bin durchgekommen. Danach habe ich sechs Wochen lang bei 200 Terminen Wahlkampf gemacht. Der liebe Gott hat sich dafür entschieden, dass ich die OP überlebe und die Wahl verliere. Mit dieser Entscheidung kann ich leben. Und ich habe weitergemacht. Gerade weil ich noch Überzeugungen habe. Es gibt aber noch eine andere Frustration in der Politik. Nämlich die, dass die eigene Partei nicht nur aus Freunden besteht. Wolfgang Clement war mit mir im Wahlkreis und er war Ministerpräsident. Er hätte damals etwas für mich tun können. Aber er hat mir nicht geholfen. Überhaupt nicht. 2005 ging er dann. Ich dagegen habe früher angefangen als er und bin immer noch da. Das ist irgendwie gerecht, finde ich."   

Zum einführenden Text der Geschichte "Das Ende der Unschuld" geht es hier. Zur Übersicht mit den 20 Abgeordneten, die über ihre Ernüchterung in der Politik erzählen oder schreiben, kommst du hier.



Text: jetzt-Redaktion - Illustration: Katharina Bitzl

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