20 Dinge über Pärchen vor dem Fernsehbildschirm

Blitzsex in der Werbepause oder Machtkampf an der Fernbedienung: Wirkliche Weisheiten über Pärchen vor der Flimmerkiste.
anna-kistner
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Illustration: Julia Schubert

1. Nichts zementiert die Liebe zweier Menschen so sehr wie der gemeinsame Fernsehabend. Wer sich um Viertel nach acht zum partnerschaftlichen Zappen verabredet, hat es geschafft. Vorbei sind die Zeiten, in denen der eine den anderen per pseudospontaner sms in den lautesten Club der Stadt locken musste. Vorbei ist das nervöse Warten vor dem Kinoeingang und dieses stundenlange Im-Kreis-Laufen vor dem Telefonhörer. Jetzt brechen ruhige Zeiten an. Er liebt sie. Sie liebt ihn. Beide lieben James Bond. 2. “Wer ist das?”, “Was hat er gesagt?”, “Warum ist die jetzt der Mörder?”, “Ist das jetzt eine Rückblende?” - Ständige Fragen während eines Films lassen einen entweder an der Intelligenz des Partners zweifeln oder an dessen Anstrengungsbereitschaft, selbstständig zu denken. Ganz selten sind sie aber auch... süß. 3. Nicht zu tolerieren sind Gag-Nacherzähler: Harald Schmidt sagt: “Die Zauberflöte ist von Mozart und nicht von Beate Uhse.” Partner wiederholt papageienhaft: “Haha, Die Zauberflöte ist von Mozart und nicht von Beate Uhse. Haha.” 4. Klar kann man in Werbepausen Bier holen. Wenn man die Freundin so weit hat, dass sie sich „Schatz“ nennen lässt, kann man vielleicht sogar Bier holen lassen. Die ganz fortgeschrittenen Pärchen machen allerdings eines: Sie haben Sex. Kurz und gut. 5. Pärchen, die auf Blitzbeischlaf in der Werbepause stehen, kennen auch folgendes Szenario: Die Musik aus dem DVD-Menü dreht schon zum fünften Mal ihre Runde, während Freund und Freundin auf dem Bett vor dem Bildschirm spontan mal eben den besten Sex der Woche haben. 6. Schöner kann man es nicht sagen: “Und du weißt genau, dass man nicht einfach nur nebeneinander fernsehen kann, denn um richtig fernzusehen, müsstest du in meinem Arm liegen und den Kopf auf meiner Brust haben. Ich müsste deinen Atem hören und du meinen, und wen ich lache, dann müsste dir das Bild verwackeln.” Aus “Im Zweifel für dich selbst”, Roman, Elisabeth Rank (lisa-rank), 2010, suhrkamp nova 7. Toll: Im Urlaub zu zweit ein Buch lesen. Blöd: An einem stinknormalen Donnerstagabend ist diese Beschäftigung nur für sehr verliebte Pärchen eine echte Alternative zum Flachbildschirm in der Ecke. 8. Gemeinsam im Bett Fernsehschauen ist großartig. Aber nicht länger als zwei Stunden, danach fühlt es sich an wie Altenheim: Warm, gemütlich und der Muskelschwund hat bereits eingesetzt. 9. Hat die Fernbedienung einen Knopf, mit dem sich der Teletext an- und ausschalten lässt, ist eines vorprogrammiert: Ärger. Dann nämlich, wenn die Freundin selbst die blöde Zalando-Werbung spannender findet als diese wirre und wahnsinnig informative Ansammlung von Pixeln im 90er Jahre Webdesign. 10. Es gibt Mädchen, die weinen selbst am Ende von Star-Wars Filmen. Und es gibt Jungs, die filmen ihre Freundin dabei und machen daraus eine ziemlich lustige Homepage: www.cryingwife.com

Auf der nächsten Seite: Liebesbeweise bei der Tour de France, Sneak-Preview Pannen im Wohnzimmer und einige Gründe für Hochverrat vor dem Bildschirm.


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Illustration: Julia Schubert

11. Die Macht ist immer mit dem, der die Fernbedienung in der Hand hält. Wer das Zappen dirigiert, bestimmt auch über den Belag der Pizza, die Farbe an der Schlafzimmerwand und den Zeitpunkt des Kinderkriegens. 12. Liebesbeweis für Männer: Mit der Freundin "Germany's Next Topmodel" gucken (und nicht ständig mit dem Zeigefinger auf den Bildschirm deuten und lachen!). 13. Liebesbeweis für Frauen: Mit dem Freund Tour de France gucken (und nicht ständig gähnen!). 14. Wenn aus Liebe Alltag geworden ist, läuft sonntags der Tatort im Fernsehen. Oft flimmert der Fernseher nämlich nur deshalb, damit das fehlende Flackern im Herzen nicht so auffällt. Wie sagte schon Loriot...?

15. Sneak-Previews im Wohnzimmer (der eine Partner leiht ohne das Wissen des anderen Partners eine DVD aus) enden nur dann nicht mit wüsten Beschimpfungs-Szenarien, wenn weder der Name „Steven King“ noch der Name „Hugh Grant“ vorne auf der DVD-Hülle zu lesen sind. 16. Wer gemeinsam fernguckt, wird dick. Es sei denn, es bricht bei dem weiblichen Teil des Pärchens das Mutter-Gen durch. Sie verschwindet dann plötzlich in der Küche und kommt mit geschälten Äpfeln und gestückeltem Kohlrabi zurück aufs Sofa. 17. Diese „Ich habe keinen Fernseher und brauche auch keinen“-Haltung kann sehr beeindruckend auf andere Singles wirken. Sie führt dann zu stundenlangen Diskussionen auf WG-Partys, zieht erfolgreiche Abschleppversuche nach sich und führt am Ende in eine richtige Beziehung. Wenn die es sich dann aber in einer ersten gemeinsamen Wohnung gemütlich machen will, kann der eine Partner vermutlich gar nicht so schnell „Ja, aber!“ rufen wie der andere schon einen Fernseher gekauft hat. 18. „Unsere erste gemeinsame Wohnung “ (RTL) ist die perfekte Sendung für Pärchen. Voller Schadenfreude können die dann nämlich auf das Pärchen am anderen Ende des Fernsehbildschirms zeigen und den Kopf schütteln. In der trügerischen Gewissheit, schlechten Geschmack sofort zu erkennen. 19. Alleine Fernzusehen ist fast so schlimm wie Fremdgehen. Zumindest, wenn es um Folge 13 einer amerikanischen Fernsehserie geht. Vorgucken ist da Hochverrat. 20. Einschlafen vor dem Fernseher ist übrigens auch: Hochverrat.

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