Der Selfie-Stick

Junge Asiaten auf Reisen tragen ihn schon länger mit sich, 2014 haben auch Europas Touristen den verlängerten Arm zum optimierten Fotografieren entdeckt: den Selfie-Stick. Egal ob in München, Florenz oder London, überall grinsten Wochenend-Traveller in ihr auf dem Ende eines Stocks befestigtes Smartphone. 



Die Sticks haben zwei große Vorteile. Erstens muss man keine Passanten mehr bitten, ob sie kurz ein Foto von einem schießen, die Kommunikation mit Einheimischen wird also endlich auf ein Minimum begrenzt. Zweitens muss man den Passanten, die gerade ein Foto von einem gemacht haben, nicht mehr vorspielen, dass das entstandene Bild „echt super“ geworden ist, sondern knippst einfach so lange Selbstporträts, bis einem eins gefällt.

Das zeigt auch: Selbstpräsentation ist wichtiger als die Realität. Man rennt mit einem lächerlichen Stock durch den Urlaub, nur um zu Hause zeigen zu können, wie schön es war, und wie gut man dabei aussah. Dabei sieht man ja im Moment des Fotografierens eher dämlich aus mit so einem Stock.

Der Burrito

Jeder Trend geht mal zu Ende und 2014 war einfach nicht das Jahr des Burgers. Das liegt nicht an seinen Zutaten. Bart- und Rucksackträger essen immer noch gerne Rinderhack, Salat und Käse, aber neuerdings eben lieber in Verbindung mit Weizentortilla, Bohnen, Mais und Sour Cream. Der Burrito, spanisch für Eselchen, ist dabei, den Burger einzuholen. Der letzte Beweis: Besonders hippe Läden bieten ihn jetzt sogar in einer veganen Variante an.

Die Smartwatch

Sie sind die unehelichen Kinder einer Breitling und einem Smartphone deiner Wahl, schrieb Vice Anfang September, als Apple seine „Apple Watch“ vorstellte. 
Gerade frisch auf den Markt gekommen, hatten es Smartwatches dieses Jahr nicht leicht. Auf Twitter und fast allen großen Online-Portalen fand man jeden Tag neue gute Gründe, warum kein Mensch eine Smartwatch braucht. Man stritt, lobte, machte sich lustig. (Wir übrigens auch). Aber immerhin: Man diskutierte über sie. Leidenschaftlich. Und das macht die Smartwatch zu einem Ding des Jahres 2014.

Die E-Zigarette

Ist ein alter Hut, könnte man sagen, immerhin gibt es die E-Zigarette schon seit zehn Jahren. „Das wird sich niemals durchsetzen“, dachten wir. 2014 hat sich allerdings unser Blick auf sie gewandelt. Denn inzwischen hat sich das Randphänomen zum Trend entwickelt. Immer mehr Läden mit Namen wie „Hans Dampf“ oder „Cleansmoker“ verkaufen jetzt in den In-Vierteln aller großen Städte den „Joytech eGrip“ oder das „Spinner Carbon Set“.


Die E-Zigarette passt in das Hipster-Lebensgefühl: Sie ist individualisierbar (weil in verschiedenen Farben erhältlich und mit allen denkbaren Geschmacksrichtungen befüllbar), bequem (weil man sich für die Nikotinaufnahme nicht mehr vor dem Club den Hintern abfrieren muss), und anscheinend auch weniger schädlich als Kippen (wobei man darauf nicht bedingungslos vertrauen sollte). Und außerdem würden sie sogar James Dean stehen.

Die Drohne

Drohnen schwirrten 2014 durch die Medien. Ganze Schwärme von Drohnen: Im Juli kündigte Amazon erste Tests für die Paketauslieferung mit Drohnen an. Es gibt Drohnen-Pornos und Drohnen-Enthüllungen. Im Dezember wäre am Londoner Flughafen Heathrow beinahe eine Drohne mit einem Passagierflugzeug zusammengestoßen.
 
Sie bevölkern also den Luftraum. Das wird in Zukunft noch mehr zunehmen, denn inzwischen sind die Fluggeräte auch für den privaten Hobbypiloten einigermaßen erschwinglich. Drohnen faszinieren uns. Sie sind ein Spielzeug für Erwachsene. Sie bringen ein Stück Star-Wars in die Realität. Dass sie uns aber eines Tages wirklich die Pakete bringen, will man aber trotzdem nicht wirklich glauben. Mit einem echten Postboten kann die Drohne auch kaum mithalten.







Text: franziska-deller - und nadine-wolter