Die Redaktion gesteht: Das waren unsere Kindheitshelden

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Name ALF, ehemalige ALF-Nerds wie ich erinnern sich auch noch an Gordon Shumway, den Namen, den er auf seinem Heimatplaneten trug. Noch größere Nerds wissen außerdem, dass selbiger Melmac heißt und explodierte, weil alle Bewohner zur gleichen Zeit ihre Haartrockner einschalteten und… Ähm, ich glaube, ich höre lieber auf.... Rolle: Illegal Alien Wann gesehen? ALF landete 1988 im deutschen Fernsehen. Für mich als Kind ohne Kabelanschluss war der auf ZDF Ausgestrahlte die einzige erreichbare Möglichkeit, meinen Knightrider glotzenden Freunden auch einen amerikanischen Fernsehhelden entgegenzusetzen. Pumuckel fanden die irgendwie schon Schnee von gestern, Made in USA musste es sein. Heute bin ich irgendwie ganz froh, kein Kabelfernsehen gehabt zu haben. Sonst müsste ich jetzt wahrscheinlich gestehen, David Hasselhoff bewundert zu haben. Warum habe ich ihn damals geliebt? Zunächst würde ich behaupten, dass ein vorlauter, hemmungslos rülpsender Außerirdischer ganz generell einfach gute Karten hat, bei einem Sechsjährigen anzukommen. Nebenbei begeisterte seine unbesonnene Störenfried-Attitüde, seine Fähigkeit, selbst ohne Verlassen des Hauses niemals Langeweile zu verspüren, seine Vorliebe für den Konsum völlig überflüssiger Waren und seine Abneigung gegen Katzen. Was macht er heute? Nachdem die Öffentlich-Rechtlichen ihn 1991 abgesetzt hatten, tummelte ALF sich zwischen anderen Lachkonserven-Sitcoms auf verschiedensten anderen Lachkonserven-Sitcom-Sendern. Inzwischen scheint er sich bei RTL2 um 16 Uhr gemütlich eingerichtet zu haben. Und das finde ich ganz gut so. Zu dieser Zeit sitze ich nämlich in Uni oder Redaktion und komme gar nicht erst in Versuchung, mir aus Nostalgie noch mal eine Folge anzusehen – und mir am Ende noch eingestehen zu müssen, dass ALF schon immer noch irgendwie ein cooler Hund ist. Liebe ich ihn immer noch? Kann ich nicht behaupten. Aber hemmungslos rülpsen finde ich immer noch großartig. chris-helten


Name Bryan Hellwig aka The Ultimate Warrior aka Warrior Warrior Rolle: Der große Gute Wann gesehen? Erstmals gesehen habe ich ihn in den ausgehenden achtziger Jahren, auf Tele 5 als auch unser Haushalt endlich die Segnungen des Privatfernsehens kennen und lieben lernte. Bald schon waren es nicht mehr die Possen des Sandmännchens, die mich und meinen Bruder in den Schlaf wiegten. Sondern die Belegschaft der World Wrestling Federation, WWF, mit ihrem Trampeln und Stöhnen. Es entspannte ungemein, nach dem Fußballtraining zuzusehen, wie maskierte Strolche von den Ringecken segelten oder unsanft auf der Matte landeten. Meistens auf eben diese geschickt von meinem Kindheitsheld, dem Ultimate Warrior. Warum habe ich ihn damals geliebt? Gut gegen Böse, Schwarz gegen Weiß - dass die Welt so einfach strukturiert ist, glaubt man nicht mal mit zehn. Trotzdem erschien der Wrestlingring damals wie ein Versprechen, dass es vielleicht doch so sein könnte. Der Ultimate Warrior, ausstaffiert mit Neonfarben im Gesicht, bekleidet mit einem knappem Höschen und einer Dauerwellenpracht, die selbst für diese Zeit unerhört schien – er war jeden Freitag aufs Neue der Gute. Zusammen mit ein bisschen Blut und Schweiß, vor allem aber gehörig Showtalent hat er es mir für die jeweilige Sendezeit einfacher gemacht, daran zu glauben. Was macht er heute? Während andere ehemalige WWF-Stars, die zu sehr an ihre eigenen Legenden geglaubt haben durch jahrelangen Medikamentenkosum einen frühen Tod gestorben sind oder auf MTV ihr Privatleben filetieren, hat sich der Ultimate Warrior im Internet neu erfunden. Mittlerweile hat er sich offziell umbenannt zu Warrior Warrior, und betätigt sich seitdem auf seiner Website als ultrarechter Kommentator, dem selbst George W.’s Falken zu verweichlicht sind. Abwechselnd beleidigt er dort Araber, Homosexuelle und Demokraten, die Aufforderung Kill them all geht ihm recht leichtfertig von den Lippen. Seine Anhängerschar steht ihm dabei eifrig zur Seite, regelmäßig erreichen ihn Aufforderungen, er solle doch nun endlich für die US-Präsidentschaft kandidieren. Die Show des Warrior geht also weiter und ist noch um einiges grotesker als die Faszination, die ich vor beinahe 20 Jahren vor dem Fernseher empfand. Was bleibt? Ein ungläubiges Kopfschütteln meinerseits, angesichts der erneuten Erkenntnis, dass für einige der ewige Schwarz-Weiß Dualismus genug ist, um sich die Welt zu erklären. Liebe ich ihn immer noch? No way. michael-moorstedt


Name Donatello, der lila Teenage Mutant Ninja Turtle mit dem Schlagstock Rolle: Die schnellste Schildkröte von Mexiko und dem ganzen Rest der Welt. Wann gesehen? Donatello trat in mein Leben als ich etwa sieben Jahre alt war und bei meinen Großeltern in den USA Ferien machte. Damals kam der erste Turtles-Spielfilm auf Videokassette heraus. Die Turtles sind eine Bande von vier mannsgroßen Schildkröten, die in der Kanalisation einer Zeichentrick-Großstadt leben und von ihrem Trainer - Schrägstrich - Vaterersatz Ronin, die Ratte, in asiatischer Kampfkunst, Charakterstärke und Teamgeist getrimmt werden. Zwischendurch kämpfen sie gegen fiese Bösewichte, machen ziemlich viel Quatsch und essen am liebsten Pizza. Jeder der vier ist nach einem alten Künstler benannt - die anderen heißen Leonardo, Raffaelo und Michelangelo - und jeder hat bestimmte Eigenschaften und Kampffähigkeiten. Während mir die Zeichentrickserie gar nichts sagte, war für mich nach dem ersten Spielfilm ganz klar: "Kaaaooowwwaaa-BUNGA!" Der Jubel- und Kampfspruch der vier wurde sofort in mein aktives Freu-Vokabular integriert und meinen Geschwistern bei jeder passenden Gelegenheit abgenötigt. Warum ich ihn damals geliebt habe Donatello war die Art von Schildkröte, die ich auch unter Menschen schätze. Er war zwar sehr klug, spielte sich aber nie zum Alphaschildkröter auf. Unter Stress blieb er gelassen - und wenn Michelangelo, die anstrengende Schildkröte, mal wieder Mist gebaut hatte, war er zu Stelle. Donatello war ein nachdenklicher, eher friedfertiger Typ. Auch seine Waffe, ein langer Stock, benutzte er lieber für lustige Tricks, als um damit irgendjemanden zu verkloppen. Wenn es aber sein musste, war er konsequent. Tatsächlich muss ich sagen, dass ich so verliebt in Donatello war, wie es ein kleines Mädchen nur sein kann. Ich verbrachte meine Sommernachmittage damit, abwechselnd so zu tun, als sei ich selbst der Turtle - und mir vorzustellen, er käme, um ein paar romantische Stunden mit mir zu verbringen. Hin und wieder zweifelte ich an unserer Liebe. Schließlich war und blieb er eine Schildkröte und lebte in irgendeiner fernen Stadt. Aber dann fielen mir wieder seine großartigen Grübchen ein, und die Zweifel waren weggeblasen. Was macht er heute? Seit kurzem kämpft Donatello wieder auf der Leinwand. Allerdings ist er jetzt computeranimiert und hat allein deswegen für mich schon an Glanz verloren. Außerdem war die Farbe Lila immer schon ein Faktor, der mich irritierte. Liebe ich ihn immer noch? Ein bisschen bestimmt Donatello mein Leben bis heute. Er war der erste ruhige, intellektuelle Typ, in den ich mich hoffnungslos verschoss, und bildete damit den Anfang einer Reihe. Immerhin bin ich meine Vorliebe für gepanzerte Reptilien wieder losgeworden. meredith-haaf


Name Willi, der müde Freund von Biene Maja Rolle: Wenn eine gewöhnliche Nebenrolle der Sidekick ist, dann ist Willi der Sleepkick der immeraktiven Biene Maja. Wann gesehen? Meist bei meinen Großeltern. Mein Opa besaß die technische Innovation eines Videorekorders so konnten wir mehrere aufgezeichnete Folgen nacheinander anschauen Warum habe ich ihn damals geliebt? Ganz einfach: er hat mein Leben geprägt. Was ich über das Verhältnis von Jungs (Willi) zu Mädchen (Maja) wusste, weiß ich von ihm. Deshalb gestehe ich gerne: Ich bin Teil der Generation Willi. Was macht er heute? Das ist ja das Tolle: er ist noch immer der Willi. Liebe ich ihn immer noch? Das ist ja das Tolle: Irgendwie schon. dirk-vongehlen

Name Barbie, das Original von Mattel, vor allem die Prinzessinnen-Barbie, aber eine einfache Strand-Barbie hätte es auch getan. Rolle: The Lady is a Champ Wann gesehen? Auch als Kind kann man rasend verliebt sein und sein Herz an etwas hängen, schmachten und die unerfüllte Liebe auch über Jahre hinweg kultivieren. In meinem Fall war das Barbie. Ich hätte alles getan, um eine Barbie-Puppe zu bekommen. Geschlagene fünf Jahre stand sie jedes Jahr auf meinem Geburtstags- und Weihnachts-Wunschzettel und jedes Jahr war die Ernüchterung am Festtag vorprogrammiert: es gab wieder keine. Meine Mutter - eine wackere und tapfere Verfechterin der 68er-Kultur - weigerte sich ebenso standhaft gegen diesen Wunsch. Sie versuchte sogar, es mir zu erklären: die Frauenfeindliche Figur, das blöde Plastik, der Konsumterror, die kindliche Fantasie, die durch solche Produkte beschnitten werden würde etc. pp. Aber ich wusste es besser: Barbie war der fleischgewordene Mädchen-Traum. Sie sah gut aus, konnte an- und wieder ausgezogen werden, gekämmt, mit anderen Barbies zusammen ratschen, mit Ken Sex machen. Die Variatonen waren endlos. Außerdem gab es im Barbie-Universum noch viel mehr Warum habe ich sie damals geliebt? Vermutlich, weil ich sie nicht bekommen habe. Der Kampf um Barbie war der Kampf um Selbstbestimmung und schrille Farben. Gegen Mütter-Terror und Holzspielzeug. Was macht sie heute? Mit 13 habe ich den Kampf schließlich gewonnen. Meine Mutter, vom jahrelangen Kleinkrieg zermürbt überwand sich und versprach mir zu Weihnachten eine Barbie. Ich so - sehr erfreut. Bis zu dem Moment, als ich die Verpackung öffnete und was grinste mich da feist durch das Plastikfenster an? Eine Petra-Puppe. Mit ihrem riesigen Kopf und doofen Spießer-Klamotten hat sie mir den Spass an Barbie auf einen Schlag verdorben. Liebe ich ihn immer noch? Nein, es ist aus. christina-kretschmer


Name Wickie. Rolle: Gescheitester Junge von ganz Flake. Sohn von Ylva und Halvar. Freund von Ylvie. Sympathischster Schisser ever. Ach ja – Serienheld ist Wickie auch noch. Wann gesehen? In the summer of ´79, baby - nee, stimmtgar nicht: In den Wiederholungen im Sommerferienprogramm auf ZDF. Warum habe ich ihn damals geliebt? Wenn es mal wieder soweit war mit dem vermaledeiten Wachstum, so stellte ich mir das immer vor, dann kommt auch in einem kleinen Wikingerdorf namens Flake die große große Mutter mit der großen großen Schere, schnappt sich ihren kleinen Sohn und dann – schnipp-schnapp –, dann ist die Mähne ab und Wickie hat wieder diese unglaubliche Topf-Frisur, die er immer im Fernsehen trägt: vorne der Pony, wie mit dem Lineal gezogen, nur hinten darf das Haar dann noch ein wenig länger fallen – fast, aber eben nur fast bis zur Schulter. Eine Helm-Frisur sozusagen, und mit einem Helm mit Hörnern dran sieht das auch super aus. Leider gab es in meinem Leben keine Helme mit Hörnern. Es gab nur die große große Mutter mit der großen großen Schere, die jedes Mal kam, wenn ich kleiner Kerl wenigstens ein kleines bisschen verwegen aussah, mit Haar fast so lang wie die großen wilden Kerle – und danach sah ich aus wie Wickie, nur ohne Helm, also: scheiße. Aber das es da draußen im fernen Norden, in Flake, anscheinend einen kleinen Jungen gab, dem es genauso ging wie mir, und dass dieser kleine Junge sein Haupt mit dieser Frisur hoch erhoben und stolz trug – das hat mir sehr geholfen. Was macht er heute? Führt ein Randdasein auf Ramsch-DVDs und im Trödelprogramm des Kinderkanals, aber auch nur noch ganz selten. Aber seine fünf Minuten Ruhm hat er gehabt: Die Fantastischen Vier haben seine wichtigste Geste – das Nase-Rubbeln zu „Ich hab´s“ – in ihrem Video von „Sie ist weg“ verewigt. War aber auch schon 1995, also drei Ewigkeiten her. Liebe ich ihn immer noch? Ja - wegen Faxe und Ulme und Snorre und Tjure und Urobe und Gorm und allen anderen Wikingern, vor allem natürlich Ulme, der Barde: „Ich bin entzückt!“ Außerdem mag ich Wickie dafür, dass er in meiner persönlichen Fernsehserien-Biographie der unbesiegbare Gegenpol des alles vernichtenden Jack Bauer ist: Bauer aus „24“ hat für alles eine Lösung, und sie lautet Gewalt. Wickie hat auch für alles eine Lösung, und sie lautet – Grips. durs-wacker


Name Andrew Jackson genannt A. J. Simon aus der ARD-Vorabendserie Simon & Simon Rolle: A.J. ist der jüngere Bruder des Haudegen Rick Simon. Gemeinsam sind sie Detektei „Simon & Simon“ und lösen, wie das halt so ist in solchen Serien, knifflige Fälle. Dabei ist Vietnam-Veteran Rick eher der Haudrauftyp, der PickUp-Trucks liebt, in einem Hausboot lebt und nimmt es beim Lösen der Fälle mit Gesetz oft nicht ganz so genau. Schönling A.J. dagegen ist wesentlich solider, heute würde ich sagen, ein spießiger Langeweiler und reicher Schnösel: Er ist Rechtsanwalt, fährt einen roten Sportwagen, lebt in einem großen Haus, trägt Anzüge oder Polohemden und ist immer sehr rational. Wann gesehen? Einmal die Woche auf der Couch im Wohnzimmer,als es in der ARD noch keine eigenen Serien wie "Marienhof" oder "Verbotene Liebe" gab, sondern jeden Tag eine neue Folge einer anderen amerikanische Serie. Warum habe ich ihn damals geliebt? Wahrscheinlich stand ich damals einfach auf Schönlinge und Schnösel-Typen, die als Privatdetektive arbeiten. Ich war auch Remington Steel-Fan. Was macht er heute? Jameson Parker schreibt und produziert gemeinsam mit seiner Frau eine Fernsehserie über Jagdhunde, A Dog’s Life, und hat bisher zwei Bücher geschrieben: Accidental Cowboy, in dem Jamson beschreibt wie er von Hollywood aufs Land zieht und versucht Cowboy zu werden, und die Anthologie To Absent Friends, „eine Sammlung von Kurzgeschichten über Hunde, die wir vermissen“, wie er schreibt. Liebe ich ihn immer noch? Nein. Heute bin ich Fan von Rick Simon. caroline-vonlowtzow

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