Empathie-Bärchen vs. Schland-Hyänen

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Stehen hinter derselben Mannschaft, hassen sich aber trotzdem:
Empathie-Bärchen und Schland-Hyänen. 

Die Situation: 

Als Deutschland das vierte Tor innerhalb von sechs Minuten schießt, haben viele Brasilianer im Stadion längst das Weinen angefangen. Die Fußball-Laien vor den deutschen Fernsehern und Leinwänden finden den Spielverlauf echt krass, weil er das ja auch ist. Anders als richtige Kenner sehen sie die Meisterschaft nicht allein als einen sportlichen Wettkampf mit Teilnehmern, Regeln, Verlierern und Gewinnern. Nein, Fußball ist für sie etwas Persönliches. Einige hat schon das 3:0 emotional mit der Kraft eines Müller-Schusses getroffen und: tiefes, ehrliches Mitgefühl für die andere Mannschaft ausgelöst. Das sind die Empathie-Bärchen. Am liebsten würden sie die Brasilianer einmal ganz fest knuddeln und ihnen mit der Tatze über die verschwitzen Köpfe streichen. „Oooch, die Armen. Wir sind doch nur zu Gast“, brummeln sie immer wieder. Dabei gucken sie ganz traurig aus ihren großen Knopfaugen, schließlich sollen sich alle lieb haben. Bei den Schland-Hyänen ist das ganz anders: Für die Aasfresser sind die Brasilianer eine leichte Beute. Wenn bereits alles vorbei ist, machen sie sich besonders genüsslich mit ihrem artentypisch schrillen Lachen über die Mannschaft her. Bis zum nächsten Spiel werden sie Witze reißen, das

posten und unter dem Hashtag #DingeDieBrasilianerNichtSagen Sprüche sammeln. Zum Beispiel: „Knapper Sieg gestern.“

Dort treffen sie aufeinander: 

Beim Public-Viewing, am nächsten Tag im Büro oder in den Kommentaren von sozialen Netzwerken teilen sich Empathie-Bärchen und Schland-Hyänen kurzzeitig den Lebensraum. Zum Beispiel bei einem 7:1 für Deutschland im Halbfinale gegen Brasilien. Aber auch bei anderen erfolgreichen Spielen der Welt- und Europameisterschaften kriechen beide Arten aus ihren Höhlen und Bauten.  

Darum hassen sie sich: 

Empathie-Bärchen und Schland-Hyänen sind natürliche Feinde, weil sie sich gegenseitig den Sieg versauen. Klar, beide freuen sich über die geniale Torbilanz der deutschen Mannschaft, aber eben auf artentypische Weise. Die Empathie-Bärchen finden schon gut, dass es die Nationalelf ins Finale geschafft hat und die Jungs um den süßen Hummels darüber so glücklich sind. Größer als die Freude ist aber das Mitleid für „die Anderen“. Schließlich gehört es zur Eigenheit der harmoniesuchenden Art, sich gut in Menschen, Mannschaften und Fans hineinversetzen zu können. Das hämische Lachen der Schland-Hyänen finden sie so schlimm, dass ihr Blick noch knopfiger und das Mitgefühl immer größer werden. Bis die Begeisterung über den eigenen Sieg irgendwann gänzlich in traurige Empathie umschlägt. Eben dieses Harmoniebedürfnis ist den Schland-Hyänen beim Aasfressen im Weg. „Sollen diese blöden Empathie-Bärchen gefälligst woanders rumheulen, während wir uns über die Beute freuen“, denken sie.  

Das ist die besondere Schönheit des Konflikts: 

An sich ist der Konflikt sehr tragisch, das Schöne daran ist jedoch der Anlass: 7:1 für die deutsche Nationalmannschaft. Finale oho.  

Das können wir von ihnen lernen: 

Nach dem Finale werden sich die Empathie-Bärchen wieder in ihre Höhle verkriechen und die Schland-Hyänen zurück zu ihrem Bau finden, dort wo sie hingehören. Mindestens zwei Jahre wird das nächste Aufeinandertreffen der beiden Arten dann auf sich warten lassen. Wenn Deutschland dann wieder hoch gewinnt, werden die Empathie-Bärchen erneut die Tatzen ausstrecken und die Schland-Hyänen hämisch lachen. Der Konflikt lehrt uns, dass die Arten niemals miteinander klarkommen werden.



Text: daniela-gassmann - Foto: dpa

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