Sprachpfleger vs. Feministen

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Die Situation:

Es muss ja nicht einmal der unendlich redundante Bastian Sick sein, der Dorfmetzgern im Hauptberuf inzwischen säftelnd erklärt, dass „Bestellen Sie schnell Ihren Braten für’s Festessen“ falsch ist. Es reichen schon der halb redundante Wolf Schneider oder der gar nicht redundante Max Goldt (unbedingt lesen: „Was man nicht sagt“) – und schon wird’s verzwickt. Bei den „Studierenden“ etwa, um nur ein Beispiel zu nennen. „Genderneutralität!“, fordern Feministen und Feministinnen da – vielleicht etwas verkrampfter, als man unbedingt müsste. „Der Student“ respektive „die Studenten“ seien schließlich maskuliner Unterdrückungssprech. „Die Studierenden“ dafür aber in aller Regel sprachlicher Unsinn, wehren die anderen ab – sich vielleicht etwas gewitzter fühlend, als man unbedingt müsste. Gehe ein Studierender nämlich beispielsweise auf eine Demo, werde er schließlich stante pede zum Demonstrierenden. Selbst wenn er dort für die Gleichberechtigung kämpft. Und unvorsichtige Autofahrende könnten Autofahrer, die gerade zu Fuß eine Kreuzung überqueren, überfahren, ohne dass sich daraus ein grammatikalisches Problem ergebe.  

Dort treffen sie aufeinander:

Nie. Das heißt: nie direkt. Sprachpfleger sitzen schließlich in aller Regel in Studierzimmern, Kognakzirkeln und journalistischen Führungsetagen. An Orten also, an denen Feministen verpönt sind. Dafür treffen ihre Ideen aber in sich aufeinander beziehenden Forumsdiskussionen und Blogeinträgen aufeinander. Und dort dann auch ständig und mit lautem Kawumms.  

Darum hassen sie einander: 

Weil alle auf einer Mission sind – und zwar einer selbstauferlegten. Sprachpapst und Weiblichkeitsretter, das ist wie Philosophen-Herrscher im Fährmannsgleichnis: Niemand kommt her und bittet einen drum. Man sucht sich das selbst aus – was ja stets die größten Fanatiker gebiert. 

Das ist die besondere Schönheit dieses Konflikts:

Dass alle für sich genommen Recht haben – und ihre Forderungen sich trotzdem ausschließen. Doch, das gibt’s. Die Sprache ist natürlich männlich dominiert. Königin, Bäuerin und Löwin stehen im Duden unter König, Bauer und Löwe. Und wenn der Boss eine Firma leitet, dann ist das eines von unzähligen Mosaiken zu einem Bild, auf dem Frauen nicht auftauchen. Ob Sätze wie „Der Intendant beziehungsweise die Intendantin ernennt seinen Stellvertreter beziehungsweise seine Stellvertreterin beziehungsweise ihren Stellvertreter beziehungsweise ihre Stellvertreterin“ jedoch die Lösung sind – es ist ein Kreuz.

Das können wir von ihnen lernen:

Nix. Von Extremisten lernen ist nicht gut. Deshalb lieber zwei Sätze, direkt aus dem Leben – einer von der Fußgängerunterführung an der S-Bahnstation Berg-am-Laim, der andere aus einer linken Bar in Marburg: „Alle ChefInnen sind Arschlöcher – überall!“ Und: „Weibliche Nazis nicht verprügeln ist Sexismus!“

Text: jakob-biazza - Bild: dpa / Bearbeitung: Katharina Bitzl

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