Heute ist besser als gestern. Und Bier bringt Menschen zum Lächeln. Das dachten sich ein paar Münchner Jungs am Tag nach dem Amoklauf, bei dem ein Schüler neun Menschen und sich selbst tötete. Eines der Opfer war der Bekannte eines Mitspielers von Markus Klausmann.  

Klausmann ist Kapitän der Hobby-Fußballmannschaft "BlackRebelMotorSoccerClub". Der Teamkollege, der eines der Opfer von David S. kannte, ist einer der jüngsten in der Mannschaft. "Er war total durch den Wind, als er vom Tod seines Bekannten erfuhr", sagt Klausmann. "Er hat mich angerufen, weil er  jemanden zum Reden brauchte. Wir haben uns bei mir getroffen und ich habe gedacht: Wir können doch auch etwas Gutes tun, um ihn aufzuheitern." Weil etwas Gutes ziemlich einfach sein kann, entschieden die beiden, Bier zu kaufen. Und verteilten es an jeden, der ihnen dafür ein Lächeln schenkte. Nach dem Motto: 1 Smile, 1 Beer. 

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Foto: privat

Klausmann wohnt in der Maxvorstadt, dem Münchner Stadtteil, der durch den Amoklauf traurige Berühmtheit erlangte. Hier wohnte auch der Täter. Klausmanns Wohnung liegt im ersten Stock an einer großen Straßenkreuzung. "Dort saß ich am Freitag am Fenster, als das alles am Olympiaeinkaufszentrum passierte", sagt er. Weil die Polizei die Bevölkerung dazu aufgerufen hatte, zu Hause zu bleiben, waren die sonst so belebten Straßen vor Klausmanns Tür komplett leer. "So etwas hatte ich noch nie erlebt, die Atmosphäre war ganz gespenstisch."   Am Samstagabend und nach der Bieraktion änderte sich das. Weitere Mitspieler kamen vorbei, sie bezahlten fünf Kästen Helles aus der Mannschaftskasse und setzten sich mit improvisierten Flaschenzügen ans offene Fenster. "Erst waren die Leute unten skeptisch, hielten das für eine Promo-Aktion oder dachten, sie müssten für das Bier zahlen", erzählt Klausmann. 

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Foto: privat
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Foto: privat

Innerhalb von zwei Stunden waren die Biere dann aber verteilt. "Das war richtig geil, die Leute standen unten und waren total gut drauf", sagt Klausmann. Schnell organisierte ein weiterer Teamkollege vier weitere Kästen, eine Nachbarin sponsorte eine Flasche Sekt, "damit die Mädels auch was zu Trinken haben" und der Burrito-Laden um die Ecke versorgte die Fensterwirte mit Burritos. Als es anfing zu regnen, luden die Jungs alle Leute unten ein, hochzukommen. "Wir hatten ein super Miteinander mit guten Gesprächen - sowohl über die Vorfälle vom Freitag, als auch über ganz andere Dinge", sagt Klausmann. "Heute bin ich aufgewacht und war immer noch geflasht. Wie schön es war, Wildfremde zum Lachen zu bringen und dann mit ihnen zu feiern." 

Die Aktion scheint übrigens auch der Münchner Polizei gefallen zu haben - vorbeikommende Beamte fotografierten die Eckparty mit ihren Smartphones, reckten Daumen nach oben und lächelten (natürlich ohne alkoholische Gegenleistung, Dienst ist schließlich Dienst).

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Foto: privat

Klausmann sagt, es sei nicht die erste schlimme Situation, die seine Hobby-Mannschaft zusammen gemeistert hat. Und auch, wenn es am tragischen Ausgang der Tat nichts ändert, so half die spontane Bier-Verteilung zumindest einigen Münchenern, ihre Trauer zu verarbeiten - auch dem Mitspieler, der seinen Bekannten verlor. "Er war nach all dem wieder richtig beseelt", sagt Klausmann. 

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